Jan van Aken bei "Lanz": "Enteignet wird in Deutschland ständig"

Vorsitzender der Linkspartei bei "Lanz":Jan van Aken: "Enteignet wird in Deutschland ständig"

von Bernd Bachran

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Bei "Markus Lanz" fordert Jan van Aken Enteignungen zum Wohle der Allgemeinheit. Helene Bubrowski warnt vor Kosten und bezweifelt, ob der Staat wirklich der bessere Vermieter ist.

Jan van Aken zu Gast bei "Markus Lanz".

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 27. Mai 2026 in voller Länge.

27.05.2026 | 75:46 min

Die Linke will konsequent gegen den Mieten-Notstand in Deutschland vorgehen - besonders den Wohnkonzern Vonovia hat die Partei dabei im Visier. Vor wenigen Tagen startete sie ein Online-Portal, über das die deutschlandweit rund 600.000 Mieterinnen und Mieter von Vonovia Mängel und Verstöße melden können.

Schon länger wirft Die Linke dem Konzern unter anderem illegale Mieterhöhungen und überhöhte Heizkosten vor. Parteichef Jan van Aken sprach in der ntv-Sendung "Frühstart" von "fast mafiösen Strukturen" und kündigte an, man werde "Vonovia aufs Dach steigen".

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26.03.2026 | 1:33 min

Bei "Markus Lanz" sprach Jan van Aken am Mittwochabend davon, dass es ja laut Grundgesetz möglich sei, zu enteignen oder zu vergesellschaften. "Es geht beides. Beides steht im Grundgesetz." Der Bundesvorsitzende der Linkspartei sprach davon, dass er glaube, dass Vonovia systematisch betrüge.

Ich glaube das. Beweisen kann ich das erst, wenn wir von allen 600.000 Mietern die Fakten haben.

Jan van Aken, Bundesvorsitzender der Linkspartei

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Van Aken: Enteignung ist Alltag

"Enteignet wird in Deutschland ständig, weil im Grundgesetz steht: Wenn es dem Allgemeinwohl dient, darf enteignet werden. Und Allgemeinwohl ist in Deutschland hauptsächlich Autobahnbau. Das heißt, wenn eine Autobahn gebaut wird und da ist ein Grundstück im Weg und der Mensch will nicht [verkaufen], dann darf am Ende enteignet werden", so Jan van Aken bei "Lanz".

Wir sagen jetzt die Wohnungsnot in Deutschland (…) ist so groß, dass es dem Allgemeinwohl schadet. Und deswegen müssen wir diese Wohnungen wieder in Staatseigentum überführen.

Jan van Aken, Bundesvorsitzender der Linkspartei

Im Artikel 14 des Grundgesetzes ist die "Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit" geregelt. Der Artikel 15 regelt die Vergesellschaftung.

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Bubrowski: Artikel 15 im Grundgesetz ist "Verfassungsfossil"

Die stellvertretende Chefredakteurin von "Table.Briefings" und studierte Rechtswissenschaftlerin Helene Bubrowski sagte bei "Lanz", dass Artikel 15 "teilweise als Verfassungsfossil bezeichnet wird, weil er noch nie zur Anwendung kam".

Bubrowski erklärte, der Artikel werde unter Juristen heftig debattiert und diskutiert. Manche würden auch sagen, dieser Artikel sei eine Art von sozialistischem Erbe, das in die Verfassung gekommen sei, mehr als eine Art von Symbol.

Vergesellschaften kann man vielleicht als die mildere Form der Enteignung beschreiben.

Helene Bubrowski, stellvertretende Chefredakteurin von "Table.Briefings"

Bundeskabinett

Das Kabinett hat eine Baurechtsreform auf den Weg gebracht, um schneller neuen Wohnraum zu schaffen. Kommunen sollen Bauprojekte leichter priorisieren und gegen Schrottimmobilien vorgehen können.

27.05.2026 | 1:40 min

Bubrowski erklärte, bei einer Vergesellschaftung müsse sich nicht zwingend der Eigentümer ändern. Ein Unternehmen wie Vonovia könnte also formal im Grundbuch stehen bleiben. Allerdings verliert es seine Rechte: Der Staat bestimmt dann komplett selbst, wie hoch beispielsweise die Mieten sein dürfen.

Ob nun Enteignung oder Vergesellschaftung - in jedem Fall stünde Vonovia eine finanzielle Entschädigung zu. Angesprochen auf die Kosten für den Rückkauf aller Wohnungen antwortete Helene Bubrowski: "Es gibt verschiedene Berechnungen. Manche sagen nur acht Milliarden Euro, aber das realistischere ist so um die 28 Milliarden Euro."

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27.05.2026 | 7:45 min

Ist der Staat der bessere Vermieter?

Dem widersprach Jan van Aken vehement und sprach von "Fantasiepreisen". Wenn man, so van Aken, nach Artikel 14 enteigne, muss man den aktuell realen Marktwert berechnen.

Der reale Wert sind die Baukosten, Instandhaltung, Kosten und so weiter. Und dann kommt man auf acht statt 28 Milliarden. Am Ende muss das ein Gericht entscheiden.

Jan van Aken, Bundesvorsitzender der Linkspartei

Für Helene Bubrowski sind Enteignung oder Vergesellschaftung der absolut falsche Weg gegen die Wohnungsnot in Deutschland. Sie forderte, dass grundsätzlich viel mehr Wohnungen gebaut werden müssten.

Außerdem stellte sie zum Schluss die Frage: "Ist der Staat wirklich der bessere Unternehmer? Ist er wirklich der bessere Vermieter?"

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Über dieses Thema berichtete das ZDF bei "Markus Lanz" am 27.05.2026 ab 23:15 Uhr.

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