Kabinett beschließt Investitionspflicht:Netflix und Co. sollen Filme in Deutschland fördern
Streamingdienste wie Netflix und Amazon sollen verpflichtet werden, in deutsche Filme zu investieren. Das Bundeskabinett hat ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht.
Das Bundeskabinett hat die angekündigte Investitionspflicht für Streamingdienste beschlossen. Sie werden verpflichtet, mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes in Deutschland zu investieren.
27.05.2026 | 0:32 minDas Bundeskabinett hat die angekündigte Investitionspflicht für Streamingdienste und Sender in den Filmstandort Deutschland auf den Weg gebracht. Künftig sollen unter anderem die großen US-Konzerne wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes hierzulande investieren müssen. Aufsummiert könnten sich diese Gelder auf Hunderte Millionen Euro summieren.
Der Entwurf geht noch in den Bundestag. Planmäßig sollen die Neuerungen Anfang 2027 greifen. Die Filmförderungsanstalt des Bundes (FFA) soll das Erreichen der Quote überwachen. Ziel ist, die schwächelnde deutsche Filmindustrie zu unterstützen. Studios wie Babelsberg oder Bavaria waren zuletzt auch wegen starker europäischer Konkurrenz nicht mehr voll ausgelastet gewesen. Die Investitionspflicht soll helfen, neben staatlichen Fördermitteln auch private Mittel für Produktionen zu mobilisieren.
Um den Filmstandort Deutschland zu stärken, plant die Bundesregierung eine Investitionspflicht für Netflix und Co. ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller erklärt die Details.
05.02.2026 | 1:31 minWeimer: Förderung für Filmproduktionen verdoppelt
Schon ab sofort stehen laut Kulturstaatsminister Wolfram Weimer 250 Millionen Euro aus der Filmförderung des Bundes zur Verfügung. Die Mittel seien im vergangenen Jahr verdoppelt worden. Mit diesem und anderen Fördertöpfen stelle der Bund mehr als 300 Millionen Euro für Filmproduktionen bereit.
Hinzu kämen Fördermittel der Länder. Zusammen sei das so viel wie nie zuvor, erläutert Weimer.
Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss zünden wir für den deutschen Film eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb.
Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister
Fernsehsender ebenfalls betroffen
Die neue Mindestinvestitionsquote gilt aber nicht nur für die internationalen Konzerne, sondern auch für Fernsehsender wie RTL, ProSieben/Sat1 und die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Als Bemessungsgrundlage für sie sollen die Programmkosten für das nicht-lineare Angebot gelten.
Daneben seien Anreize für weitergehende freiwillige Selbstverpflichtungen vorgesehen, erklärte Weimer. "Ab einer Investitionsquote von 12 Prozent oder mehr ist es den Medienunternehmen erlaubt, von bestimmten Detailvorgaben des Gesetzes abzuweichen."
Die Deutsche Film AG (DEFA) wurde 1946 in Babelsberg unter Lizenz der sowjetischen Besatzungsmacht gegründet. Nach der Wende ging aus der DEFA das Studio Babelsberg hervor.
18.05.2026 | 2:55 minSPD froh, Grüne loben
Die Koalition hatte lange darum gerungen, ob es eine gesetzliche Pflicht zu Investitionen geben sollte. Weimer setzte auf Freiwilligkeit. Die SPD und das Haus von Finanzminister Lars Klingbeil pochten hingegen darauf und setzen sich durch. Klingbeil erklärte:
Wer am deutschen und europäischen Filmmarkt gute Geschäfte macht, der muss hier auch seinen Beitrag leisten.
Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister
Klingbeil ergänzte, Ziel sei es, dass mehr Aufträge nach Deutschland und Europa gingen. "Wir wollen, dass europäische Inhalte gestreamt werden. Und wir fördern die Arbeit unabhängiger Produzentinnen und Produzenten."
Auch der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann von den Grünen, lobte das Vorhaben. "Endlich geht es vorwärts in der Filmpolitik", sagte Lehmann in Berlin.
Viele deutsche Synchronsprecher boykottieren den Streaminganbieter Netflix wegen einer KI-Klausel in neuen Verträgen. ZDFheute live erklärt, worum es im Streit geht – und was auf dem Spiel steht.
08.02.2026 | 9:00 minMilliardenmarkt bei Streamingdiensten
Nach Angaben des Branchenverbands VAUNET lagen die Umsätze aus Pay-TV und Paid-Video-on-Demand in Deutschland schon 2024 bei rund 5,5 Milliarden Euro. Den Werbemarkt für TV, Videostreaming und Audio-Medien prognostizierte VAUNET für 2026 auf 6,5 Milliarden Euro. Von den Werbeumsätzen mit Videostreaming sollen knapp drei Viertel auf die Großkonzerne Alphabet, Amazon, ByteDance und Meta entfallen.
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