Bayerns Wirtschaftsminister ist tot:Hubert Aiwanger - der Mann mit dem Gespür fürs Land
von Eva Schiller
Bayerns Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger ist tot. Mit ihm trauern seine Freien Wähler um den Mann, der sie zu einer politischen Kraft über Bayern hinaus formte.
Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger ist tot in einem Hotel in Berlin aufgefunden worden. Die Umstände seines Todes sind noch unklar.
05.11.2026 | 1:26 minKeiner konnte die Bierzelte so zum Kochen bringen wie er: Mit Hubert Aiwanger verlieren die Freien Wähler einen streitbaren Kopf, vor allem aber ihr Zugpferd in Bayern. Die einen belächelten ihn für seine reißerischen Auftritte samt niederbayrischem Dialekt, die anderen liebten ihn für seinen bodenständigen Markenkern.
Aiwanger war auf Mission in Berlin
Gerade im ländlichen Raum waren Aiwanger und seine Freien Wähler populär. Bei den Kommunalwahlen im Frühjahr hatte die Partei noch große Erfolge eingefahren, der CSU viele Posten abgejagt.
Der 55-jährige Parteichef Aiwanger wirkte zuletzt wieder selbstbewusst und kämpferisch, nachdem er sein eigentliches, sein großes Karriereziel verpasst hatte: mit seinen Freien Wählern in den Bundestag einziehen, die Partei deutschlandweit zu einer relevanten Größe ausbauen.
Am Mittwochnachmittag hätte Hubert Aiwanger bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler eine Rede halten sollen. Dann habe er sich aber aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet und vertreten lassen, hieß es. Später sei er dann nicht mehr erreichbar gewesen und sei schließlich leblos in seinem Zimmer entdeckt worden.
ZDF-Korrespondent Andreas Kynast zum Tod von Hubert Aiwanger
04.11.2026 | 3:10 minMit Flugblattaffäre machte Aiwanger bundesweit Schlagzeilen
Hubert Aiwanger und seine Freien Wähler ziehen 2008 erstmals in den bayerischen Landtag ein. Zehn Jahre später, 2018, fährt die CSU ihr schlechtestes Landtagswahlergebnis seit Jahrzehnten ein und muss mit den Freien Wählern koalieren. Aiwanger wird Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.
Die Rollenaufteilung ist klar: Aiwanger kümmert sich um den Mittelstand und später um Jagdthemen, Markus Söder ums Weltall und die Tech-Branche.
Aiwanger wird in der Zeit von vielen in der CSU belächelt und gleichzeitig kritisch beäugt, weil er für den Absturz der CSU mitverantwortlich gemacht wird. Später sehen viele in ihm und seinen Freien Wählern auch den Grund dafür, dass die AfD in Bayern nur langsam wächst.
Im bayrischen Landtagswahlkampf 2023 gerät Aiwanger dann wegen eines antisemitischen und menschenverachtenden Flugblatts aus seiner Schulzeit massiv unter Druck. Exemplare werden damals in seiner Schultasche gefunden, aber er bestreitet die Urheberschaft. Sein Bruder Helmut Aiwanger erklärt später, er habe das Flugblatt verfasst.
So berichtete das ZDF 2023: Bayerns Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger entschuldigt sich, an einen Hitlergruß und antisemitische Äußerungen könne er sich aber nicht erinnern. Einen Rücktritt lehnt er ab.
31.08.2023 | 11:14 minFreie Wähler waren auf Aiwanger zugeschnitten
Außerdem erheben ehemalige Mitschüler Vorwürfe über rechtsextreme Äußerungen und Gesten aus Aiwangers Jugend, die er zurückweist. Aiwangers Antworten auf einen 25-Punkte-Fragenkatalog, den Söder seinem Stellvertreter vorlegt, lassen aber Fragen offen. Was wahr war und was nicht, wird nie ganz geklärt.
Markus Söder hält dennoch an seinem Stellvertreter fest. Und politisch schadet die Affäre den Freien Wählern bei der Landtagswahl nicht: Sie erzielen mit 15,8 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis. Die Freien Wähler bleiben Aiwanger treu - die Partei war und ist komplett auf seine Person zugeschnitten.
Im ZDF kritisierte Bayerns Ministerpräsident Söder 2023 die Medien. Die Geschichte im Fall Aiwanger sei auch anderen Medien angeboten worden, die sie allerdings nicht gedruckt hätten.
03.09.2023 | 1:01 minSöder über Aiwanger: "Alle zutiefst geschockt"
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, bei seiner Rückkehr aus den Emiraten von der Todesmeldung überrascht, bekundete noch am Mittwochabend seine Anteilnahme:
Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern
Freie Wähler-Fraktionschef Florian Streibl teilt mit, man müsse akzeptieren, "dass unser Hubert Aiwanger viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Bayern wird ohne ihn ein anderes sein."
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schreibt auf X: "Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger bestürzt mich sehr. Er war ein streitbarer Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte."
Aiwanger hinterlässt zwei Söhne
Hubert Aiwangers Erfolgsgeheimnis war seine Bodenständigkeit, der Niederbayer gab den Menschen auf dem Land eine, seine Stimme. Aiwanger stammte aus einer Bauernfamilie, wurde am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach geboren.
Nach dem Abi studierte er Landwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan und schloss als Diplom-Agraringenieur ab. Privat war Aiwanger mit der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger liiert. Er hinterlässt zwei Söhne.
Eva Schiller leitet das ZDF-Landesstudio Bayern.
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