Vermieter sollen Kostenrisiko mittragen:Einigung beim "Heizungsgesetz": Was das für Mieter bedeutet
von Luise Reinke und Johannes Lieber
Der Weg für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz ist frei. Die Koalition hat den letzten Streitpunkt aus dem Weg geräumt und stärkt das Recht von Mietern.
Die Koalition hat sich bei der geplanten Heizungsgesetzreform auf eine Kostenbremse für Mieter geeinigt. Eigentümer sollen weiter frei entscheiden können, welche Heizung sie einbauen.
30.04.2026 | 0:25 minEnde Februar hatten Union und SPD Eckpunkte für ein neues, sogenanntes "Heizgesetz" vorgelegt. Umstritten waren aber vor allem noch Regelungen zum Mieterschutz angesichts von Warnungen vor erhöhten Nebenkosten. Jetzt haben sich die Spitzen der Koalitionsfraktionen auf Regelungen geeinigt.
Was ist geplant?
Der neue Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) soll regeln, wie die Kosten für neue Gas- oder Ölheizungen künftig zwischen Vermietern und Mietern aufgeteilt werden. Hintergrund ist, dass Heizungen schrittweise mit klimafreundlicheren Brennstoffen betrieben werden müssen.
Ziel ist es, Mieter finanziell nicht einseitig zu belasten. Heizen dürfe nicht zur Kostenfalle für Mieterinnen und Mieter werden, so Hubig:
Wenn ein Vermieter sich für eine neue fossile Heizung entscheidet, muss er sich an den laufenden Heizkosten beteiligen.
Stefanie Hubig, Bundesjustizministerin
Union und SPD haben sich auf ein neues Heizungsgesetz geeinigt. Damit kippten sie die zentralen Vorgaben der Ampel-Koalition. Umweltverbände kritisieren die neuen Vorgaben teilweise als Rückschritt.
25.02.2026 | 2:05 minWelche Regelungen soll es geben?
Konkret sieht der Entwurf vor, dass für neu eingebaute Heizungen, die mit Erdgas, Heizöl oder Flüssiggas betrieben werden, besondere Regeln gelten. Ab dem 1. Januar 2029 müssen sie zunehmend erneuerbare Brennstoffe wie Biomethan, Bio-Öl oder Wasserstoff nutzen. Dieses Modell wird als "vierstufige Biotreppe" bezeichnet.
Die Mehrkosten sollen künftig von Mietern und Vermietern jeweils zur Hälfte getragen werden. Ab dem 1. Januar 2028 gilt diese Aufteilung auch für CO2-Kosten und Gasnetzentgelte, die bisher stärker die Mieter belasten.
Zudem ist eine Härtefallregelung vorgesehen: Für nicht modernisierte Gebäude mit sehr niedrigen Mieten soll es Ausnahmen geben, um Vermieter finanziell nicht zu überfordern. Details dazu sollen noch im Parlament festgelegt werden.
2026 - Das Jahr der Energiewende? Die Politik sendet gemischte Signale. Doch wer zahlt am Ende den Preis für das sogenannte Heizungsgesetz & Co.?
27.04.2026 | 2:46 minWen betrifft das neue Gebäudemodernisierungsgesetz?
Der Gesetzentwurf richtet sich an Vermieter und Mieter von Wohnungen, in denen neue Öl- oder Gasheizungen eingebaut werden.
Besonderheiten gelten für sogenannte Selbstversorger, etwa Mieter von Einfamilienhäusern: Sie tragen die Kosten zunächst vollständig selbst, erhalten aber laut Entwurf einen gesetzlichen Anspruch auf Erstattung des Vermieteranteils.
Die Koalition hat sich auf Eckpunkte der Reform des umstrittenen "Heizungsgesetzes" geeinigt. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann erklärt, was das für die Verbraucher bedeutet.
24.02.2026 | 1:36 minFür Neubauten, deren Bauantrag bereits vor dem Kabinettsbeschluss gestellt wurde, gelten die neuen Regeln nicht. Nicht betroffen sind Eigentümer von Gebäuden mit funktionierender Heizung oder klimafreundlichen Systemen wie Wärmepumpen oder Fernwärme.
Welche Kritik gibt es?
Die Immobilienbranche kritisiert, die "Grenze des Leistbaren" sei "schon seit langer Zeit überschritten". Der Präsident des Eigentümerverbands "Haus & Grund" sagt:
Durch die steigende Kostenlast wird kaum ein Eigentümer noch fähig sein, in die Zukunftsfähigkeit seiner Immobilie zu investieren. Damit droht eine schleichende Verschlechterung des Gebäudebestands in Deutschland
Kai Warnecke, Präsident von "Haus & Grund"
Auch die Umweltschutzorganisation BUND ist mit dem Entwurf nicht zufrieden - aber aus anderen Gründen. Laut Irmela Benz Colaço, beim BUND für Wohn- und Gebäudepolitik zuständig, reicht der Mieterschutz nicht aus. Sie fordert, dass Vermietende das gesamte Kostenrisiko tragen sollten, wenn sie sich für den Einbau einer Öl- oder Gasheizung entscheiden.
Als einen "völlig verrückten Plan" bezeichnet Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen, das Gesetz gegenüber ZDFheute. Auch der neue Entwurf, der Mieter entlasten soll, könne "nicht darüber hinwegtäuschen", dass es "sowohl für die Vermieter als auch für die Mieter" in Zukunft teurer werde. Die Grünen "setzen darauf", dass "die Menschen im Land klüger sind als diese Bundesregierung", so Dröge.
Die Bundesregierung möchte das Heizungsgesetz reformieren und setzt dabei auf mehr Entscheidungsfreiheit. Kritik kommt von Verbraucherschützern und Teilen der Opposition.
25.02.2026 | 1:37 minWie geht es jetzt weiter?
Nachdem sich Union und SPD schon im Februar auf die Eckpunkte der Gesetzesänderung verständigt hatten, sollte das Gesetz ursprünglich schon vor Ostern im Kabinett beschlossen werden. Doch erst jetzt konnte sich die Regierung vollständig auf einen Entwurf einigen.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) - in Medien oft "Heizungsgesetz" genannt - ist das zentrale Regelwerk für Energieeffizienz in Gebäuden in Deutschland. Es legt fest, welche energetischen Standards Gebäude erfüllen müssen und regelt insbesondere den Einsatz von Erneuerbaren Energien. ZDFheute zeichnet die Entstehungsgeschichte nach.
Die Regulierung von Heizungen und Gebäudedämmung begann als Reaktion auf die Ölkrise, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern und Kosten zu senken. So gab es bereits in den 70er Jahren das Energieeinsparungsgesetz (1976) und eine erste Wärmeschutzverordnung (1977). Später trieben vor allem EU-Vorgaben die deutsche Gebäudeenergiegesetzgebung voran.
Die Große Koalition aus Union und SPD beschloss das erste Gebäudeenergiegesetz. Es vereinte die alte Energieeinsparverordnung, das Energieeinsparungsgesetz und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zu einem Gesetz.
Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte bereits im Koalitionsvertrag eine Reform des GEG vereinbart. 2023 beschloss der Bundestag dann die vieldiskutierte Pflicht, dass ab 2024 neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
Die aktuelle Regierungskoalition will das GEG nun radikal verändern. Schwarz-Rot hatte sich Ende Februar 2026 auf Eckpunkte einer Reform geeinigt und benannte das Regelwerk in "Gebäudemodernisierungsgesetz" um. Die wichtigste Neuerung: Die bisherige 65-Prozent-Regel soll abgeschafft werden. Auch neue Heizungen sollen - unter bestimmten Umständen - weiter mit Öl und Gas betrieben werden dürfen.
Quelle: ZDF
Damit könnte das Gesetz im Mai ins Kabinett und anschließend in den Bundestag eingebracht werden. Es gilt als unwahrscheinlich, dass das Gesetz hier noch vor der Sommerpause beschlossen wird.
Kostenrisiken sollen geteilt werden:"Heizungsgesetz": Koalition plant Kostenbremse für Mieter
mit Video0:25Schwarz-Rot legt Eckpunkte vor:Wie viel Habeck steckt (noch) im neuen "Heizungsgesetz"?
von Britta Buchholzmit Video5:11