Reeperbahn Festival:Kulturetat: Kürzungspläne des Bundes sorgen für Streit
von Britta Hilpert
Der Bund will beim Reeperbahn Festival sparen - die Bayreuther Festspiele hingegen sollen mehr Geld bekommen. Hamburg warnt vor Schaden für die Pop-Musikbranche.
Das Reeperbahn Festival ist eines der bekanntesten Sprungbretter für Newcomer. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will die Förderung jetzt um gut die Hälfte kürzen.
06.08.2026 | 2:34 minEin Kulturetat auf Rekordniveau - und trotzdem Streit um die Frage, welche Kultur der Bund künftig besonders fördern will.
2027 will der Bund die Bayreuther Festspiele stärker unterstützen mit über fünf Millionen Euro. Aber das Reeperbahn Festival in Hamburg muss 2027 nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit weniger Bundesmitteln rechnen: mit drei Millionen Euro. Das ist eine Halbierung des Bundeszuschusses innerhalb weniger Jahre: 2024 lag er bei 8,2 Millionen Euro.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nennt die Bayreuther Festspiele ein "Hochamt der klassischen Musik". Zugleich betont er die Verantwortung, auch die NS-Vergangenheit und Wagners Antisemitismus aufzuarbeiten.
24.07.2026 | 5:48 minWeimer: Hamburg muss seinen Teil beitragen
"Kultur ist wichtig in allen Dimensionen. Und dass natürlich die Exzellenz, die großartigen klassischen Spielorte wie Bayreuth davon profitieren, das ist gut", erläutert Kulturstaatsminister Wolfram Weimer am Rande des Bayreuther Festivals.
Die Wagner-Festspiele seien außerdem ein Sonderfall, heißt es beim BKM, denn der Bund sei Miteigentümer des Festivals und deshalb verpflichtet, Tariferhöhungen zu berücksichtigen. Sonst gelte: Kultur ist Ländersache.
Beim Reeperbahn Festival ist Hamburg am Zug. Dort hat der Bund sehr viel Geld investiert. Aber Hamburg muss seinen Teil auch beitragen.
Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister
Deutschlands berühmteste Meile hat Geburtstag: Die Reeperbahn wird 400. Hamburg feiert das Jubiläum mit einem bunten Musik- und Showprogramm.
01.05.2026 | 2:28 minReeperbahn Festival als Sprungbrett für Musiker
Das Reeperbahn Festival gilt als einer der wichtigsten Branchentreffs der europäischen Popmusik, das bestätigt auch Weimer. Denn hier präsentieren sich Newcomer, Labels, Veranstalter und Musikunternehmen einem internationalen Publikum. Auch spätere Weltstars wie Ed Sheeran traten früh auf der Reeperbahn auf. Festivalgründer Alex Schulz sieht die Veranstaltung deshalb in einer Reihe mit anderen kulturellen Leuchttürmen:
"Wir erwarten jedes Jahr 40.000 bis 50.000 öffentliche Besucher an 50, 60 Spielorten entlang der Reeperbahn, die sich neue Talente aller Genres anschauen. Und es ist gleichzeitig ein Treffpunkt für die internationale Musikwirtschaft", erklärt Schulz.
Das Reeperbahn Festival zählt neben der Berlinale und eben auch Bayreuth sicherlich zu den Leuchttürmen, die für ihr jeweiliges Genre eine ganz besondere Bedeutung haben. Und deshalb glaube ich, kann es sich vielleicht nur um einen Formfehler handeln.
Alex Schulz, Reeperbahn Festival
Kulturstaatsminister Weimer hat die Leipziger Buchmesse eröffnet. Drei Linke Buchläden wurden von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandelspreis gestrichen, er verteidigte das Vorgehen.
19.03.2026 | 0:54 minKleinere Festivals hoffen auf Nachbesserung
Dass es sich um einen Formfehler handelt, oder dass im Bundestag bei den Haushaltsverhandlungen noch nachgebessert wird, das hoffen auch viele kleinere Festivals. Denn der Bund fördert auch Dachorganisationen wie die "Initiative Musik", die kleine Festivals und Newcomer unterstützt, oder den Amateurmusikfonds.
Ohne sie wäre der Aufstieg der Stars von heute wohl steiniger gewesen. Die "Initiative Musik" stand früh auch hinter Apsilon oder Gen-Z-Popstar Nina Chuba. Müssen die Stars von morgen jetzt bangen?
Es sei das normale Prozedere, verlautet aus dem BKM, dass im parlamentarischen Verfahren die Haushaltsansätze erhöht werden. Fraglich ist es aber, ob das beim Reeperbahn Festival geschieht.
Auf seinem neuen Album "Glanz Null" zeigt sich Apsilon gesellschaftskritisch und introspektiv, aber auch kämpferisch und hoffnungsvoll.
02.07.2026 | 7:27 minKann Hamburg die Lücke schließen?
Vom Hamburger Senat kommt Kritik:
Beim Reeperbahn Festival reden wir eigentlich über Wirtschaftsförderung.
Carsten Brosda, Kultursenator Hamburg
"Wir haben die Chance, den internationalen Marktplatz für Musik in Deutschland, konkret in Hamburg, zu entwickeln. Das ist eine Bundesaufgabe aus meiner Sicht, weil es nicht um Kulturförderung geht", sagt Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Das sei was anderes als ein Publikumsfestival in Bayreuth.
"Wir können die Stadt stärker beteiligen. Das tun wir auch", ergänzt er. "Aber diesen Teil, bei der es um Unterstützung für die gesamte Branche in Deutschland und Europa geht, den wird Hamburg nicht leisten können."
Hamburg will Mittel aufstocken, aber ob das reicht, um die Bundeslücke zu schließen, ist offen. Für die Fans des Reeperbahn Festivals und ihre Organisatoren geht es damit um mehr als das Event: Es geht um die Frage, ob neue Stars und Pop-Musik-Business künftig in Hamburg gemacht werden oder nicht.
Britta Hilpert leitet das ZDF-Studio in Hamburg.
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