Generation Alpha: Hoher Selbstwert, viele Sorgen

Studie zu Selbstwert und Vorbildern:Generation Alpha: Selbstbewusst, aber unter Druck

von Stephanie Gargosch

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Über 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland halten sich für wertvoll, haben aber trotzdem Angst, Fehler zu machen. Eine Studie zeigt, warum beides zusammengehört.

Teenager mit Sonnenbrillen im Pool

Eine Studie zeigt, wie die "Generation Alpha" sich selbst erlebt und an wem sich die Kinder und Jugendlichen orientieren.

13.06.2026 | 1:13 min

Oskar antwortet sofort auf unsere Frage, was er gut kann. "Dass ich Fußball spiele", sagt der Zwölfjährige. Und was ihm Angst macht? Er denkt kurz nach. "Na, dass meine Eltern sich streiten und so." Was Oskar über sich erzählt, passt erstaunlich gut zu den Ergebnissen einer Sozialstudie der Universität Bielefeld und der Bepanthen-Kinderförderung.

Wenn Selbstvertrauen nicht vor Sorgen schützt

95 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren halten sich für genauso wertvoll wie andere Menschen. 94 Prozent der Kinder glauben, vieles genauso gut zu können wie andere.

Die Zahlen zeichnen zunächst das Bild einer Generation, die sich ihrer Stärken bewusst ist. Doch die Daten erzählen noch eine andere Geschichte.

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Gleichzeitig hat jeder zweite Jugendliche häufig Angst, etwas falsch zu machen. Mehr als jeder Zweite fühlt sich manchmal oder sogar häufig überfordert. Studienleiter Holger Ziegler von der Universität Bielefeld erklärt:

Viele Jugendliche wirken nach außen stark, beschreiben innerlich aber Unsicherheit, Druck und Zweifel.

Holger Ziegler, Universität Bielefeld

Wenn Herkunft das Selbstbild beeinflusst

Besonders deutlich werden die Unterschiede mit Blick auf die soziale Lage der Familien.

Jugendliche aus Haushalten mit niedrigem sozioökonomischem Status (z.B. Einkommen, Bildung, Beruf) berichten häufiger von Sorgen, Fehlerangst und mangelndem Selbstrespekt als Gleichaltrige aus besser gestellten Familien. 62 Prozent haben Angst, Fehler zu machen. Bei Jugendlichen aus Familien mit hohem sozioökonomischem Status sind es dagegen nur 40 Prozent.

Ein Mitarbeiter verteilt Jogurt an zwei Kinder in der Ausgabestelle Paul-Schneider-Haus der Berliner Tafel. Kinder sind von hinten zu sehen.

Mehr als zwei Millionen unter 18-Jährige sind hierzulande armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationsgeschichte und von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss.

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Für Ziegler beeinflusst soziale Ungleichheit auch, was junge Menschen sich selbst zutrauen und welche Möglichkeiten sie für ihr eigenes Leben sehen.

Die eigentlichen Influencer sitzen oft am Küchentisch

Die wichtigsten Vorbilder finden Kinder und Jugendliche laut Studie meist nicht in sozialen Netzwerken. 76 Prozent der Kinder und 64 Prozent der Jugendlichen nennen in der Studie Vorbilder aus ihrem privaten Umfeld. Dabei stehen die Eltern mit Abstand an erster Stelle.

"Meine Mutter ist mein Vorbild", erklärt Oskar uns, "und die Arche." Der Zwölfjährige meint das Kinderhilfswerk, das er oft aufsucht. Ein anderer Jugendlicher nennt neben seiner Mutter auch den ehemaligen Fußballer Kevin-Prince Boateng. Der 13-jährige Dler sieht in seinem großen Bruder ein Vorbild.

An ihren Vorbildern finden die Jugendlichen laut Studie nicht Reichtum, Schönheit oder Status toll, sondern Fürsorge, Hilfsbereitschaft und einen verständnisvollen Umgang mit anderen.

sommercamp-arche

Unbeschwerte Tage fern vom Alltag - das ermöglicht das Berliner Kinderhilfsprojekt "Die Arche" Kindern aus Familien mit wenig Geld. Im Sommercamp können sie spielen, Natur erleben und einfach Kind sein. Stefanie Hayn hat sich angeschaut, wie hier Ferienglück geschaffen wird.

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Warum Beziehungen so wichtig sind

Bernd Siggelkow, Gründer des Kinderhilfswerks Arche, in das Oskar so gerne geht, sagt:

Der Schlüssel zum Herzen eines Menschen ist nicht Programm, sondern Liebe und Beziehung.

Bernd Siggelkow, Gründer Kinderhilfswerk Arche

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Siggelkow mit Kindern und Jugendlichen. Er erzählt von einem sechsjährigen Jungen, der sich bei einem Fußballcamp auf den Boden geworfen und geschrien habe: "Ich bin nichts, ich werde nichts, ich kann nichts."

Gleichzeitig erlebe er Kinder, die mit großem Selbstvertrauen aufwachsen. Entscheidend sei oft, ob sie Menschen hätten, die an sie glaubten und ihnen Perspektiven vermittelten.

Bildschirmaufnahme von TikTok

TikTok nutzt einen Algorithmus, der sich stark am Nutzerverhalten orientiert. Das kann vor allem bei jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen Risiken bergen.

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Social Media als Verstärker

Jugendliche, die mehr als sechs Stunden täglich auf Social-Media-Plattformen verbringen, weisen laut Studie deutlich häufiger einen unterdurchschnittlichen Selbstwert auf als Jugendliche mit geringer Nutzung. Selbstwert entsteht nicht allein durch Leistung, Likes oder Sichtbarkeit.

Oder wie Bernd Siggelkow es formuliert:

Nicht jedes Kind braucht eine Bühne. Aber jedes Kind braucht jemanden, der ihm zuhört.

Bernd Siggelkow, Gründer Kinderhilfswerk Arche

Die Studie macht deutlich: Selbstvertrauen entsteht nicht nur im Kopf, sondern in verlässlichen Beziehungen, in denen Kinder Anerkennung und Halt erfahren.

Stephanie Gargosch ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Berlin.

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 13.06.2026 um 00:35 Uhr.
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