Begleitetes Fahren, Prüfung, Kosten:Führerscheinreform beschlossen: Das ist geplant
Der Führerschein soll günstiger werden. Was geplant ist - und warum Fachverbände im ZDF deutliche Kritik am nun beschlossenen Gesetzentwurf üben.
Der Weg zum Führerschein soll einfacher und günstiger werden, so ein Beschluss des Bundeskabinetts heute. Die Reform soll ab Anfang 2027 gelten.
20.05.2026 | 1:42 minEinen Führerschein zu machen, soll günstiger und flexibler werden. Darauf zielen Gesetzespläne von Verkehrsminister Patrick Schnieder, die das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat.
Der CDU-Politiker sagte mit Blick auf Kosten für Fahrerlaubnisse von oft einigen Tausend Euro, Mobilität dürfe kein Privileg sein. Mit der Reform solle der Weg zum Führerschein einfacher und bezahlbarer gemacht werden. Dabei würden auch die Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau gehalten. Das ist konkret geplant:
Fahren üben mit Familienangehörigen
Was in Österreich schon möglich ist, soll es auch in Deutschland geben: die sogenannte Laienausbildung. Übungsfahrten können dann in Begleitung "einer nahestehenden Person" stattfinden, also etwa Eltern oder Großeltern. Voraussetzung: die bestandene Theorieprüfung und sechs praktische Fahrstunden. Die Begleitpersonen müssen mindestens seit sieben Jahren einen Führerschein haben, das Auto muss gekennzeichnet sein. In Österreich ist es eine blaue Tafel mit weißem L.
Diese Neuerung "wollen wir nicht direkt in den Regelbetrieb überführen", sagte Schnieder jedoch im Februar. Zunächst sollen die Länder die Möglichkeit bekommen, diese Neuerung fünf Jahre lang auszuprobieren.
Wann die Preise sinken sollen, sagt der Verkehrsminister nicht, erklärt Hauptstadt-Korrespondent Rzepka. Der Markt solle das regeln. Die Führerscheinreform könnte Anfang 2027 in Kraft treten.
20.05.2026 | 4:36 minTheoretische Fahrausbildung online
- Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll abgeschafft werden. Fahrschülerinnen und Fahrschüler sollen sich das erforderliche Wissen ausschließlich online aneignen können, etwa über eine App oder eine Lernplattform. Sie können sich dann vorbereiten, wo immer sie wollen.
- Man kann sich dann - ohne Bestätigung einer Fahrschule - zur theoretischen Prüfung anmelden.
- Fahrschulen müssen keine Schulungsräume mehr bereithalten.
- Auch werden detaillierte Vorschriften für Lehr- und Lernmittel abgeschafft. Das kann ihre Kosten senken.
- Die Prüfungsfragen - derzeit 1.169 - sollen um knapp ein Drittel auf rund 840 reduziert werden.
- Das Bewertungssystem wird vereinfacht: Jede Frage erhält nur noch einen Punkt, sicherheitsrelevante Fragen dürfen aber nicht falsch beantwortet werden.
Autofahren zu lernen ist in Deutschland immer noch extrem teuer. Bereits im Februar stellte der Verkehrsminister Pläne vor, um die Kosten zu senken - mit überraschenden Folgen.
11.02.2026 | 2:35 minPraktische Fahrausbildung
- Die verpflichtenden Sonderfahrten sollen von bisher zwölf auf drei reduziert werden - je eine Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrt.
- Wer auch einen Schaltwagen fahren will, muss statt bislang zehn nur noch sieben Fahrstunden in einem Auto mit Gangschaltung absolvieren.
- Die Fahrprüfung soll 40 Minuten dauern, die Fahrtzeit dabei 25 Minuten. Derzeit dauert eine Prüfung 55 Minuten mit einer Fahrtzeit von 30 Minuten. Zweck der Verkürzung auch: mehr Prüfungen pro Tag und damit verkürzte Wartezeiten auf die Prüfung.
- Zudem sollen die Regeln für die Qualifikation der Prüfer in Theorie und Praxis verändert werden: Die theoretische Prüfung soll künftig nicht mehr nur von einem amtlich anerkannten Sachverständigen überwacht werden müssen. Um als Fahrerlaubnisprüfer anerkannt zu werden, soll zudem künftig kein Ingenieursstudium mehr nötig sein.
Fahrlehrer Lukas Can kennt den Druck, unter dem Fahrschüler stehen. Mit seinen Fahrstunden auf Social Media erreicht er ein Millionenpublikum. Wir begleiten ihn bei der Arbeit.
24.03.2026 | 8:07 minMehr Transparenz bei Preisen und bestandenen Fahrprüfungen
- Bisher müssen die Fahrschulen ihre Preise nur vor Ort aushängen. Stattdessen sollen sie die Preise den Eckpunkten zufolge nun an eine zentrale Datenbank melden - von dort können Vergleichsportale sie abrufen und aufbereiten, so dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Preise vergleichen können.
- Ähnliches soll für die Bestehensquoten gelten: Die Technischen Prüfstellen sollen Angaben zum Erfolg der praktischen Prüfungen melden müssen.
"Sehr bedenklich": Darum üben Fachverbände deutliche Kritik
Bei ZDFheute live kritisieren Fachverbände die Pläne der Bundesregierung deutlich. Der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Manfred Wirsch, lobt das Verkehrsministerium zwar für die Bemühung, den Führerschein günstiger zu machen. "Der Führerschein darf nicht zum Privileg betuchter Bevölkerungsgruppen werden", mahnt Wirsch. "Aber wir sagen auch ganz klar, dass das natürlich nicht auf Kosten der Ausbildungsqualität gehen darf."
Wenn diese Deregulierung kommt, muss irgendwie kompensiert werden, damit die Fahrschulen ihren Betrieb aufrechterhalten können, sagt Jürgen Kopp von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.
20.05.2026 | 19:42 minWas Wirsch und Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, im Detail kritisieren, können Sie im Video über diesem Absatz sehen - oder hier zusammengefasst nachlesen:
Kritikpunkt I: Digitalisierung des Theorie-Unterrichts
Wirsch lehnt die komplette Digitalisierung des Theorie-Unterrichts ab. Aspekte wie Gefahreneinschätzung oder der Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern könnten per App nicht vermittelt werden, kritisiert er.
Aus der Praxis der Fahrlehrer heraus ergänzt Kopp, dass es im Theorieunterricht der Fahrschulen häufig um Perspektivwechsel gehe. Als einfaches Beispiel nennt er etwa ein Fahrzeug, das langsam vor einem fährt. "Dass man erstmal überlegt, vielleicht hat er gerade ein Problemchen, er weiß nicht wohin, man schaut aufs Kennzeichen - hoppla, er ist vielleicht gar nicht von hier", sagt Kopp. "Diese soziale Kompetenz im Straßenverkehr, das ist enorm wichtig" - und "die kann man sehr gut in der Gruppe im Präsenzunterricht trainieren".
Weniger Fahrpraxis und Online-Theoriestunden. Das sieht der Gesetzentwurf vor, der den Führerschein billiger machen soll. ZDFheute live analysiert die geplante Reform.
20.05.2026 | 26:38 minKritikpunkt II: Vereinfachte Theorieprüfungen
Dass die Prüfungsfragen von derzeit 1.169 auf 840 Fragen reduziert werden sollen, nennt Jürgen Kopp "Augenwischerei". Manche Fragen gäbe es mittlerweile in zehn verschiedenen Varianten, angepasst auf verschiedene Szenarien - Frage und Antwort blieben aber immer gleich, weshalb das Lernvolumen bei der Streichung solcher Fragen nicht geringer werde.
Kritikpunkt III: Laienausbildung durch Eltern
"Ein Stück weit ausbilden dürfen Eltern tatsächlich heute schon", sagt Kopp - und verweist auf Verkehrsübungsplätze.
Was man nicht darf, ist am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen - und das lehnen wir auch in Gänze ab.
Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrer
Die Pilot-Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass Fahrschüler bereits nach sechs Fahrstunden in Begleitung ihrer Eltern fahren dürfen. "Nach sechs Stunden kann ein durchschnittlicher Fahrschüler in der Beurteilung - Stand heute - noch nicht viel", warnt Kopp vor allem vor Situationen, die noch nicht erlernt seien. "Wir halten das Vorgehen hier für sehr, sehr bedenklich."
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