Verschuldung von Städten und Gemeinden:Kommunen in Finanznot: Was auf dem Spiel steht
von Anja Kapinos
Viele Kommunen befinden sich im "dramatischen Abwärtsstrudel", betont der Städte- und Gemeindebund in seiner Jahresauftakt-Bilanz. In Neubrandenburg kommt alles auf den Prüfstand.
25 Prozent aller staatlichen Leistungen werden durch die Kommunen erbracht. Sie bekommen aber nur ein Siebtel aller Steuereinnahmen - das sieht der Bund der Städte und Gemeinden als klaren Missstand.
05.01.2026 | 2:32 minDie Finanzlage der deutschen Städte und Gemeinden droht sich nach zwei schwierigen Jahren 2026 nochmals zu verschärfen. 31,6 Milliarden Euro Miese könnten bis Jahresende zusammenkommen, laut einer Schätzung nach Daten des Statistischen Bundesamtes und des Bundesfinanzministeriums.
"Die Lage ist dramatisch. Viele Städte und Gemeinden wissen nicht mehr, wie sie ihre Ausgaben finanzieren sollen. Bereits jetzt müssen Bauprojekte gestoppt werden. Die Förderung von Kultur- und Vereinsleben liegt notgedrungen auch auf Eis", betonten Bürgermeister Ralph Spiegler, Präsident des kommunalen Spitzenverbandes und Hauptgeschäftsführer Dr. André Berghegger am Montag in Berlin.
Bundespressekonferenz: Rückblick 2025 / Ausblick 2026 des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB)
05.01.2026 | 56:59 minBundesweit Minus in Milliardenhöhe
Denn in den letzten zwei Jahren hat sich republikweit schon ein Minus von mehr als 55 Milliarden Euro angehäuft. Grund sind rasant steigende Kosten für Sozialleistungen, überwiegend beschlossen durch den Bund. Damit könnten die Kommunen nicht länger allein gelassen werden, warnten die Verbandschefs.
"Wir schlagen vor, dass Bund, Länder und Kommunen sich zu je einem Drittel an der Finanzierung der sozialen Leistungen beteiligen, durch die Kommunen besonders belastet sind und für die es bislang keine Gegenfinanzierung gibt", forderten Spiegler und Berghegger mit Blick auf Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe und Hilfen zur Pflege.
"Wir sind bereit, auch weiterhin Verantwortung dafür zu tragen, dass diese wichtigen Leistungen erbracht werden. Die finanzielle Last, diese Menschen zu unterstützen kann aber nicht allein auf den Schultern der Städte und Gemeinden lasten", hieß es weiter.
Die kommunale Wärmeplanung wird ein Kraftakt für die Kommunen - sie bringt Milliardenkosten für den Umbau. Wie gehen Kommunen mit den Herausforderungen der Wärmewende um?
22.12.2025 | 6:20 minVorzeigestadt Neubrandenburg vor Finanzloch
Im mecklenburgischen Neubrandenburg sind rund 20 Millionen Euro pro Jahr für das Kultur- und Vereinsleben vorgesehen. Die Stadt steht besser da als andere. Noch. Sie hatte einmal 90 Millionen Euro Schulden. Durch verkaufte Wohnungen und verschobene Investitionen verbesserte sich die Lage Neubrandenburgs. Gewerbesteuer und Landesmittel flossen recht gut.
Doch der neue Oberbürgermeister sieht ein Finanzloch auf sich zukommen. Spätestens im Haushalt 2027. Denn auch Neubrandenburg ist bei Pflichten im Sozialbereich mit explodierenden Kosten konfrontiert. Und der hoch verschuldete Kreis bekommt mehr Geld. Deswegen Vereins- und Kulturförderung auf Eis legen, das sei gefährlich, sagt Oberbürgermeister Nico Klose (parteilos):
Die Kommunen sind die kleinste Zelle der Demokratie.
Nico Klose, Oberbürgermeister Neubrandenburgs
"Die Menschen merken hier, wie sehen die Straßen aus, können wir Spielplätze sanieren, überhaupt bauen, ist Sport- oder Kulturförderung möglich", so Klose.
Und wenn aufgrund von schlechter Finanzausstattung die Menschen merken, das geht nicht mehr, dann verlieren sie Vertrauen. Vor allem darin, dass Politik etwas bewirken kann. Das steht gerade auf dem Spiel.
Nico Klose, Oberbürgermeister Neubrandenburgs
Im Sport steckt die 60.000 Einwohner-Stadt das Meiste in Turnhallen und -Plätze. Aber auch hauptamtliche Trainer und Fitness für kleines Geld werden finanziert. "Wir haben 1.000 Kinder und Jugendliche im Verein von drei bis 18 Jahren. Und die werden jede Woche hier betreut, einmal, zweimal, manche dreimal. Das ist eine enorme Leistung, die wir da im Sozialbereich bringen", sagt Jörg Knospe von SV Turbine Neubrandenburg.
Bund und Länder ringen um die Verteilung von Geldern. "Es gibt unfassbare Unterschiede in der Finanzkraft der Kommunen", so DStGB-Präsident Ralph Spiegler.
04.12.2025 | 4:48 minHoffen auf Zuschüsse von Bund und Ländern
Über einen neuen Sparkurs beraten Stadtparlament und Verwaltung in den nächsten Wochen. Oder auch über Gebühren- und Steuererhöhungen. Doch ohne mehr Zuschüsse von Bund und Ländern wird selbst in Städten wie Neubrandenburg gutes Haushalten nur noch schwer möglich sein.
Bürgermeister landesweit erwarten, dass der Vorschlag einer deutlichen Entlastung der Kommunen Berücksichtigung findet bei den nun anstehenden Diskussionen im Bund über eine Sozialstaatsreform - und bei der Erarbeitung des im Koalitionsvertrag angekündigten "Zukunftspakt Bund, Länder und Kommunen".
Anja Kapinos ist Korrespondentin im ZDF-Studio Mecklenburg-Vorpommern.
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