Landtagswahl in Baden-Württemberg :Wählen ab 16: Worauf es jungen Menschen ankommt
von Luisa Houben, Norea Rüegg
Erstmals liegt das Wahlalter bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg bei 16 Jahren. Die Gruppe der Erstwähler ist klein. Ihre Anliegen sind aber nicht weniger wichtig.
Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen. Wir haben mit Erstwählern gesprochen und sie gefragt, welche Themen ihnen besonders wichtig sind.
26.02.2026 | 1:57 min"Wir sind die nächste Generation", sagt Adrian. Er hat eine Podiumsdiskussion mit Kandidierenden aus dem Wahlkreis seiner Schule in Fellbach moderiert. Zu besprechen gab es ihrerseits viel.
Rund 650.000 der 7,7 Millionen Wahlberechtigten bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sind Erstwähler. Dazu zählen laut Statistischem Landesamt neuerdings auch 180.000 16- und 17-Jährige.
Welche Themen treiben die Schülerinnen und Schüler um?
"Ich lege großen Wert auf innere Sicherheit", sagt Kian. Er macht sich Sorgen, wenn man sich abends oder an Bahnhöfen unsicher fühle. Johanna macht sich über Löhne Gedanken. Es sei wichtig, "dass die Leute richtig bezahlt werden", sagt sie. Das Ländle steckt tief in der Wirtschaftskrise.
Droht das "Musterländle" zum Sorgenkind zu werden? Die Wirtschaftskrise ist das zentrale Thema zur Wahl in Baden-Württemberg. Wie ist die Lage und was schlagen die Parteien vor?
10.02.2026 | 1:56 minFür Lina ist vor allem Bildung ein relevantes Thema. G8 oder G9? Ein Dauerthema hier. "Da geht es nicht mehr um uns, aber die Zukunft von Kindern", sagt die Zehntklässlerin.
Ihre Lehrkräfte vom Kolping Gymnasium haben ihnen die Politik in die Schule geholt. Im Unterricht haben sie den Austausch vorbereitet, das Auftreten und die Aussagen der Kandidierenden reflektiert. Vielen Schülerinnen und Schülern begegnet Politik sonst nur auf Social Media.
Politik im Klassenzimmer, statt nur in der Timeline
"Das spielt schon eine recht große Rolle, weil auf Wahlplakaten steht nicht viel drauf", findet Gustav. Sein Interesse an Wahlprogrammen weckten erst TikToks. Ihm und seinen Klassenkameraden aber entgeht nicht: "Es sind online tendenziell vor allem extreme politische Ansichten von Parteien vertreten," sagt Kian. Er vermisst in seiner Timeline gemäßigte Ansichten und Forderungen.
Junge Menschen haben bei der Bundestagswahl vor allem auf Linke und AfD gesetzt. Woher der Erfolg kommt und warum er nicht so überraschend ist.
24.02.2025 | 3:32 minAnalysen zu vergangenen Wahlen, wie der Bundestagswahl 2025, zeigen: Es sind zunehmend AfD und Linke, die bei jungen Wählerinnen und Wählern punkten. Laut Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann liegt das zum einen an deren Social Media-Auftritten und zum anderen dem Angebot der anderen Parteien – wie CDU, Grüne, SPD und FDP.
Junge Wähler haben den Eindruck, ihre spezifischen Sorgen werden nicht sorgfältig genug betont.
Klaus Hurrelmann, Sozialwissenschaftler
Hurrelmann ist Herausgeber zahlreicher Jugendstudien und hat sich in der Vergangenheit für die Absenkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre ausgesprochen.
Die Menschen in Baden-Württemberg wählen einen neuen Landtag. Laut Umfrage ist ein Drittel der Wählerinnen und Wähler noch unentschlossen. Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten liegt Cem Özdemir vorne.
27.02.2026 | 2:01 minDas schlagen die Parteien für junge Menschen vor:
- Einführung einer individuellen Bildungs-ID für eine durchgängige Dokumentation des Bildungswegs sowie der Ausbau schulischer Hilfsangebote
- Stärkung von KI-, Demokratie- und Finanzbildung
- Erhöhung der Landeszuschüsse für Studierendenwerke für Mensamahlzeiten oder Wohnraum
- verpflichtendes "Deutschlandjahr" und mehr Plätze für Jugendfreiwilligendienste
- Smartphone-Nutzung an Schulen verbieten
- Kompetenzen in Mathematik, Informatik sowie in Naturwissenschaft und Technik stärken
- ein zweigliedriges Schulsystem aus Gymnasium und weiterentwickelter Gemeinschaftsschule
- kostenfreie digitale Endgeräte im Unterricht
- komplett gebührenfreie Meisterausbildung
- das Leistungsprinzip als "Grundlage schulischer Bildung"
- "Task-Force-Jugend" zur Bündelung jugendrelevanter Themen über Ministerien hinweg
- Einführung nachlaufender Studiengebühren im Sinne eines Generationenvertrags
- Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht, um Homeschooling zu ermöglichen
- "Gemeinschaftsdienst-Jahr" für alle Schulabgänger in der Pflege, Feuerwehr etc.
- ein durchlässiges gegliedertes Schulsystem und eine verbindliche Grundschulempfehlung
- kostenloses Deutschlandticket
- Einführung eines flächendeckenden Ethikunterrichts und Angebote zur Friedensbildung
- Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der demokratischen Willensbildung in Kommunen – z. B. durch Kinder- und Jugendräte
Warum Erstwähler nicht zu unterschätzen sind
Die Schülerinnen und Schüler in Fellbach haben nicht den Eindruck, dass ihre Themen in diesem Wahlkampf zu kurz kommen. Auch weil das, was sie umtreibt – Wirtschaft, Bildung oder Sicherheit – auch ältere Wählergruppen beschäftigt und damit zu den Top-Themen im Wahlkampf zählt.
Am 8. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. In Umfragen liegt CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagen vorn, doch Grünen-Politiker Cem Özdemir holt weiter auf.
23.02.2026 | 3:00 minBefremdlich finden sie eher, wie manch eine Partei um ihre Stimme wirbt: Lina hat als Erstwählerin von Parteien Gutscheine zugeschickt bekommen. Das fühlt sich für sie an, als wolle man ihre Stimme "kaufen".
Ich wähle eine Partei nicht, weil ich etwas kostenlos bekommen habe, sondern weil ich ihre Werte unterstütze.
Lina, 10. Klässlerin
8,4 Prozent der Wahlberechtigten sind Erstwähler. Und nur etwas mehr als zwei Prozent sind erst 16 oder 17 Jahre alt. Eine kleine Gruppe, die ernst genommen werden will.
"Sie wollen das Gefühl haben, dass eine Partei ihre Sorgen tatsächlich versteht," erklärt Hurrelmann. Junge Wählerinnen und Wähler hätten ein sehr sensibles Gespür dafür, ob sie wirklich gemeint sind oder ob nur so getan werde. Ihr Wahlverhalten sage zudem viel darüber aus, was in der Zukunft relevant werde.
In Stuttgart hat die CDU ihren Parteitag beendet. Diskutiert wurde unter anderem über eine mögliche Altersbeschränkung für Minderjährige auf Social-Media-Plattformen und über eine Rentenreform.
21.02.2026 | 1:50 minExperte: Junge Wähler von Bedeutung
In dieser 10. Klasse in Fellbach sympathisieren sie mit ganz verschiedenen Parteien. Und eine Mehrheit von ihnen will am 8. März mit stimmen.
Die Relevanz der Schülerinnen und Schüler bei dieser Landtagswahl dürfe nicht unterschätzt werden, betont Hurrelmann: "Selbst wenn sie von ihrer Zahl her im Moment nicht wahlentscheidend sind, inhaltlich sind sie von ungeheurer Bedeutung."
Luisa Houben ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
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