Erste Details zu "d-you" vorgestellt:Wird die digitale Brieftasche rechtzeitig fertig?
von Jan Henrich
Digitalminister Wildberger hat erste Details zur neuen digitalen Brieftasche vorgestellt. Viel gibt es noch nicht zu sehen, dabei rückt der geplante Starttermin immer näher.
Digitalminister Karsten Wildberger hat die staatliche App "d-you" vorgestellt. Ab 2027 soll die digitale Brieftasche Ausweise und Karten bündeln und eine sichere Identifikation ermöglichen.
09.09.2026 | 0:28 minSie soll "d-you" heißen, die App, die künftig als Identitätsnachweis in der digitalen Welt dienen soll. Die Idee dahinter: Führerschein, Personalausweis und viele weitere Dokumente werden auf dem Smartphone gebündelt. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat den Namen und das dazugehörige Logo heute vorgestellt. Es erinnert an eine stilisierte Brieftasche.
Viel mehr Informationen, beispielsweise über die genaue Handhabung der App, gab es noch nicht. Dabei soll die deutsche Version des EU-Projekts "EUDI-Wallet" bereits in wenigen Monaten an den Start gehen. Experten sind skeptisch, wie alltagstauglich die digitale Brieftasche zu diesem Zeitpunkt sein wird.
Ministerium rechnet mit Ökosystem um die Brieftasche
Dass die App theoretisch in vielen Bereichen Verwendung finden könnte, darauf deuten die bereits jetzt an dem Projekt angedockten Unternehmen und Institutionen hin. Rund 40 sogenannte "Launch-Partner" zählt das Digitalministerium, darunter die Deutsche Post, Vodafone, der Sparkassen- und Giroverband, aber auch beispielsweise die Technische Universität München oder das Land Baden-Württemberg. Viele Vertreter waren bei der Vorstellung des Logos anwesend. Sie sprachen über Anwendungsfälle, beispielsweise beim Abschluss von Mobilfunkverträgen oder der Abholung von Paketen.
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf für digitale Identitäten beschlossen. Es ebnet den Weg für das "EUDI-Wallet", in dem künftig Ausweise, Nachweise und Verträge digital gespeichert werden können.
20.05.2026 | 0:29 minPerspektivisch würden noch weitaus mehr Unternehmen, Behörden und Institutionen an die App angegliedert. Ein ganzes Ökosystem soll sich um die digitale Brieftasche entwickeln, so der Plan des Digitalministeriums.
Den gesetzlichen Rahmen für die Brieftasche hat die Bundesregierung im Sommer auf den Weg gebracht. Der Bundestag berät aktuell darüber.
Wildberger hält an Starttermin "Anfang Januar" fest
Der offizielle Start soll "Anfang Januar" erfolgen, wie Wildberger heute erneut betonte. An dem angepeilten Termin hält er fest. Was weitergehende Versprechen angeht, ist der Digitalminister mittlerweile aber etwas zurückhaltender geworden.
Es werde ein "unaufgeregter Start", unter anderem mit der geplanten Ausweisfunktion, so Wildberger. Schritt für Schritt käme mehr hinzu. Es handele sich um ein "nie fertiges Produkt". Auch auf die Frage, ob ab Januar ein in der digitalen Brieftasche hinterlegter Personalausweis bei Polizeikontrollen akzeptiert würde, gab es noch keine eindeutige Antwort.
Ein Jahr ist Digitalminister Wildberger im Amt. Er wollte die Digitalisierung in Deutschland voranbringen und die überbordende Bürokratie abbauen. Doch es geht nur schleppend voran.
10.05.2026 | 3:56 minExperten befürchten geringe Attraktivität zum Start
Aus Sicht von Experten könnte der Zeitplan für "d-you" noch zum Problem werden. Markus Beckedahl vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie geht davon aus, dass die App zum Start nur mit minimalen Funktionen erscheinen wird. Das wiederum würde bedeuten, dass die Anwendung nicht besonders attraktiv sei.
Es sei zudem wünschenswert, dass die digitale Brieftasche von Anfang an das Bedürfnis nach Sicherheit und Datenschutz abdecke, so Beckedahl. Das aktuelle Datenleck aus der Berliner Verwaltung sei eine Warnung. Der Digitalexperte befürchtet allerdings, dass die Cybersicherheit zugunsten anderer Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt werden könnte.
Nachdem eine Hackergruppe geklaute Daten der Berliner Verwaltung im Darknet veröffentlicht hat, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nun vor erhöhter Cyber-Bedrohung.
05.09.2026 | 1:37 minDer politische Druck auf Wildberger wächst
Für Digitalminister Wildberger hängt politisch viel an dem Projekt, das räumt er selbst ein. Ihm sei bewusst, dass er ein Risiko damit eingehe, an einem konkreten Termin festzuhalten, sagte er bei der Vorstellung des App-Namens. Viele Alternativen hat er allerdings nicht.
Zum einen verpflichtet die EU zu einer zeitnahen Umsetzung des Projekts. Zum anderen wächst der Druck, angekündigte Großprojekte aus dem Koalitionsvertrag nicht nur anzufangen, sondern auch abzuschließen. Andere digitalpolitische Vorhaben, wie etwa die Unternehmensgründung innerhalb von 24 Stunden, gehen derzeit nur schrittweise voran.
Mit einigen Vorschusslorbeeren war der frühere Konzernmanager in sein Amt als Digitalminister gestartet. Die Praxiserfahrung, die Wildberger nachgesagt wurde, wird er jetzt unter Beweis stellen müssen.
Jan Henrich berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
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