Wie Brandenburg Geflüchtete in Arbeit bringen will

Chancencenter Frankfurt (Oder):Wie Brandenburg Geflüchtete in Arbeit bringen will

von Jan Meier

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Brandenburg setzt auf bessere Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Ein neues Chancencenter soll wachsen - die AfD kritisiert die Initiative.

Migranten lernen im Chancencenter der Landesübergangseinrichtung der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) in Frankfurt (Oder), Brandenburg, am 21.08.2026.

Eine Initiative in Brandenburg unterstützt Geflüchtete dabei, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

27.08.2026 | 1:38 min

Joel Pokam geht die Bestellliste durch, packt Produkte in ein Paket, füllt das Versandetikett aus. Im Chancencenter Frankfurt (Oder) absolviert der 31-Jährige ein Übungsprogramm, in dem Arbeitsabläufe in der Logistikbranche trainiert werden. Nach wenigen Monaten ist er zuversichtlich:

Nächste Woche bewerbe ich mich bei einem großen Versandunternehmen. Ich hoffe auf einen Arbeitsvertrag als Lagerarbeiter.

Joel Pokam, abgelehnter Asylbewerber

Die Branche ist als Arbeitgeber beliebt, weil sie über Mindestlohn zahlt und dringend Arbeitskräfte sucht.

Kamerun lehnt Rückkehr ab - Abschiebung ausgeschlossen

Sein Heimatland Kamerun verließ Joel "aus persönlichen Gründen". Seinen Asylantrag lehnte Deutschland ab. Doch Kamerun verweigert die Rückkehr. Eine Abschiebung ist deshalb unmöglich.

Rund 100 Migranten mit abgelehntem Asylantrag, die nur geduldet in Deutschland leben, belegen in Frankfurt (Oder) Schnellkurse in Tätigkeiten in Bereichen, die bei Unternehmen gefragt sind: etwa Pflege, Gastronomie, Gartenbau oder Malerarbeiten. Zum Tagesprogramm jedes Bewohners gehört auch ein Sprachkurs. Wer dreimal unentschuldigt fehlt, muss das Programm verlassen.

Drei Männer in Werkstatt

Bei einem Projekt der Handwerkskammer nehmen arbeitssuchende Geflüchtete an einem Integrationskurs teil. Dort lernen sie gleichzeitig Deutsch und wichtige Berufs-Qualifikationen, was ihre Arbeitschancen erhöht.

07.04.2026 | 1:51 min

"Einmalige Chance, Arbeit zu finden"

"Also das ist kein Deutschkurs wie jeder andere", berichtet Deutsch-Lehrerin Melanie Bärsch, "sondern das ist schon was Besonderes, weil die Leute hier die einmalige Chance haben, eine Arbeit zu finden, ein Praktikum aufzunehmen".

Sie sind sehr motiviert, weil sie wissen, es ist ihre einzige Chance, die sie haben.

Melanie Bärsch, Deutsch-Lehrerin

Sie brächten viel Potenzial mit, seien ganz unterschiedlich qualifiziert: "In diesem Kurs haben wir einen Hausarzt, einen Bauarbeiter und Krankenschwestern", so Bärsch.

Ziel: Weg in die Gesellschaft finden

7.749 ausreisepflichtige Personen leben derzeit in Brandenburg (Stand: 30.6.2026). Nur bei rund 3.000 ist laut René Wilke, Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Brandenburg, eine Abschiebung "realistisch durchführbar".

Das bedeutet, weit über 4.000 bleiben in Deutschland. "Was machen wir mit diesen Menschen über diesen langen Zeitraum? Verwahren wir sie einfach nur hier, was Geld kostet, dem Steuerzahler Geld kostet und niemandem hilft und Akzeptanz auch nicht stärkt oder fangen wir mit denen etwas anderes an?", fragt er.

Wegweiser für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland

Etwa die Hälfte der Erwerbsfähigen, die in den ersten sechs Monaten des Ukraine-Kriegs geflüchtet sind, hat einen Job gefunden. Ihr Vorteil: Sie haben direkten Zugang zum Arbeitsmarkt.

17.02.2026 | 1:54 min

Die Antwort liefert Wilke, der bis 2025 Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) war, mit dem Chancencenter selbst. Man fördere diejenigen, "die wollen, die können, die sich reinhängen, die eine Vereinbarung mit uns schließen und dann einen potenziellen Weg in unsere Gesellschaft finden".

Das Interesse ist groß, längst nicht alle Bewerber werden ins Programm gelassen. Einer von ihnen ist Joshua aus Nigeria. Der 36-Jährige floh nach eigenen Angaben, "weil er Christ" ist. Er hat keinen Asylanspruch. Er lernt Deutsch, hofft auf "Arbeit und ein besseres Leben". Asiphe Qutu aus Südafrika ist optimistisch, dass sie in Frankfurt (Oder) eine Chance erhält, Deutsch zu lernen und später einmal als Köchin zu arbeiten.

Widerstand von der AfD

Nicht alle in Brandenburg sind begeistert von der Verbindung aus Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik. Der Landesvorsitzende der AfD Brandenburg, René Springer, erklärt: "Brandenburg braucht kein 'Chancencenter', das abgelehnten Asylbewerbern eine zweite Chance auf ein Bleiberecht eröffnet - sondern ein Abschiebecenter. Denn eine Chance hatten diese bereits: in einem rechtsstaatlichen Asylverfahren.

Wenn dieses Verfahren rechtskräftig mit einer Ablehnung endet und Ausreisepflicht besteht, muss daraus auch eine Ausreise folgen.

René Springer, Landesvorsitzender der AfD Brandenburg

Arbeitsminister Wilke antwortet seinen Kritikern: "Wir machen ja nicht nur Chancencenter, sondern Übergangseinrichtungen und auch eine Ausreiseinrichtung, wo wir eine bessere Ausreisefähigkeit per freiwilliger Ausreise oder Abschiebung herstellen."

Ein Geflüchteter erzählt über die Integration am Arbeitsmarkt.

Es gibt viele Vorurteile über Geflüchtete, wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Wir wollen wissen, wie es wirklich aussieht. Wie viele Geflüchtete arbeiten? Was kann besser laufen?

18.04.2024 | 14:38 min

Chancencenter soll ausgebaut werden

Seinen flüchtlings- und wirtschaftsfreundlichen Kurs setzt Brandenburg fort: Nach einer Pilotphase, in der fast alle Teilnehmer in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden konnten, soll die Einrichtung auf 400 Plätze ausgebaut werden. Derzeit sind in der Gemeinschaftsunterkunft nur alleinstehende Frauen und Männer untergebracht, bald sollen aber auch Familien hier einziehen.

Kleine Kinder können in einer Kita vor Ort betreut werden, für größere sollen Willkommensklassen in der Einrichtung entstehen. Weitere Chancenzentren sollen im Land Brandenburg folgen.

Jan Meier ist Reporter im ZDF-Landesstudio Brandenburg.

Über das Thema berichtete heute am 27.08.2026 um 19:00 Uhr.

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