Katholische Kirche:Bischof Wilmer: Wehret den Anfängen, schützt die Demokratie!
von Jürgen Erbacher
Die Bischofskonferenz endet mit einer eindringlichen Warnung vor der AfD. Deutsche Reformanliegen will der neue Vorsitzende schon bald im Vatikan diskutieren.
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Er wurde zum Nachfolger von Georg Bätzing gewählt.
24.02.2026 | 1:56 minNeuer Vorsitzender, neue Sprache, aber viel inhaltliche Kontinuität. So lässt sich die Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischofskonferenz in Würzburg zusammenfassen.
Wie sein Vorgänger, Bischof Bätzing zum Auftakt des Treffens, erinnerte Heiner Wilmer zum Abschluss an die Erklärung der deutschen Bischöfe vom Februar 2024, wonach völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen der AfD in der katholischen Kirche keinen Platz hätten.
Wir verwahren uns davor, unsere Themen gleichsam billig zu kopieren und in nationalistisches Denken umzuwandeln.
Heiner Wilmer, Vorsitzender der Bischofskonferenz
So gebe es etwa kein deutsches Christentum. Das christliche Menschenbild spreche allen gleiche Würde zu, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion. Der Appell des Konferenzvorsitzenden:
Von Würzburg aus sage ich deutlich: Wehret den Anfängen! Und ich füge hinzu: Schützen wir unsere Demokratie!
Heiner Wilmer, Vorsitzender der Bischofskonferenz
"Ich setze mich eindeutig dafür ein, die Kompetenz der Frauen sichtbar zu machen und zu fördern", so Heiner Wilmer, der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
24.02.2026 | 5:07 min"Synodaler Weg": Wilmer kündigt direkte Gespräche im Vatikan an
Mit Blick auf die Reformanliegen der deutschen Katholikinnen und Katholiken erklärte Wilmer, dass er schon in Kürze in den Vatikan fahren wolle, um dort direkt Gespräche zu führen. Er betonte, dass es keine deutschen Sonderwege geben werde und alles im Einklang mit der Weltkirche geschehen solle. Mit einem verschmitzten Lächeln stellte Wilmer fest:
Rom lebt den Glauben in dynamischer Treue.
Heiner Wilmer, Vorsitzender der Bischofskonferenz
Deshalb zeigte er sich zuversichtlich, dass der Vatikan etwa dem Antrag zustimmen werde, dass in Deutschland künftig auch Laien in der Heiligen Messe predigen dürfen. Bisher ist das nur Priestern und Diakonen erlaubt. Nicht geweihte Männer und Frauen dürfen nur in anderen Gottesdiensten predigen.
Vor gut sechs Jahren startete das Reformprojekt zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Ab heute zieht die letzte Synodalversammlung in Stuttgart drei Tage Bilanz.
29.01.2026 | 2:45 minBischofskonferenz gibt grünes Licht für Reformprozess
Auch bei dem Statut für die neue Synodalkonferenz erwartet Wilmer die Zustimmung des Vatikan. Hier war bis zuletzt unklar, ob die Satzung bei der aktuellen Vollversammlung die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischofskonferenz erhalten werde. Bei einer Ablehnung wäre eines der wichtigsten Projekte des sechs Jahre dauernden Reformprozesses "Synodaler Weg" geplatzt. Das hätte zu schweren Verwerfungen zwischen Bischöfen und Laien geführt und den gesamten Prozess infrage gestellt.
Nach dem grünen Licht der Bischöfe ist jetzt der Vatikan am Zug. Er muss die Statuten bestätigen. Nur dann kann im November erstmals die Synodalkonferenz zusammentreten. Das ist ein Gremium, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam über wichtige Fragen des kirchlichen Lebens in Deutschland und auch der Finanzen beraten und entscheiden.
Viele Menschen fühlen sich ihrer Kirche weniger verbunden als früher. Bei der Deutschen Bischofskonferenz geht es auch darum, wie die Kirche Menschen besser erreichen kann.
22.09.2025 | 1:48 minSynodalkonferenz: Einige Bischöfe leisten Widerstand
Großer Wermutstropfen aus Sicht der Laien ist, dass die einzelnen Bischöfe für ihre Bistümer nicht an die Beschlüsse gebunden sind. Es könnte so ein Flickenteppich im Land entstehen, wenn sich einzelne Bischöfe den Beschlüssen verweigern oder gar nicht erst mitmachen.
Bisher sind nicht alle an Bord. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, sowie die Bischöfe aus Regensburg und Passau, Rudolf Voderholzer und Stefan Oster, verweigern bisher ihre Mitarbeit. Ob sie nach einer Zustimmung Roms zu dem Gremium ihre Meinung ändern werden, ist bisher offen. Das gilt auch für die Frage, wann mit einer Antwort aus Rom zu dem Statut zu rechnen ist.
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der sechs Jahre im Amt war.
24.02.2026 | 1:39 minWilmer: Brücken bauen und Gräben zuschütten
Zwei Tage ist der neue Vorsitzende im Amt. Am Rande der Versammlung zeigten sich viele Bischöfe zufrieden mit der Wahl des Hildesheimer Bischofs. Sie verbinden mit ihm die Hoffnung, dass sich die Beziehungen zum Vatikan und innerhalb der Bischofskonferenz entspannen werden.
Wilmer selbst stellte bei der Abschlusspressekonferenz fest: "Mein Anliegen ist es, zu vermitteln, Brücken zu bauen, Gräben zuzuschütten." Denn, so der 64-Jährige: "Die Einheit ist unser größtes Zeugnis."
Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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