Wahlkampf-Endspurt in Baden-Württemberg:AfD-interner Unmut über Frohnmaier wächst
von Nicole Diekmann und David Gebhard
Die AfD ist nervös: Kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg fällt ihr Spitzenkandidat bei der Abschlusskundgebung aus - und durch neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft negativ auf.
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier für die Landtagswahl in Baden-Württemberg stellt im ZDF-Morgenmagazin seine politischen Positionen klar und nimmt Stellung zu den Vorwürfen der Vetternwirtschaft.
06.03.2026 | 10:07 minDer offizielle Wahlkampfabschluss ohne den Spitzenkandidaten und eine eilig abgesagte Pressekonferenz: In Baden-Württemberg läuft es drunter und drüber bei der AfD.
Statt Donnerstagabend mit den Parteichefs gemeinsam auf der Bühne in Rottweil zu stehen und auf den letzten Metern noch Stimmung zu machen, weilte Markus Frohnmaier für viele überraschend in den USA und verpasste seinen eigenen großen Auftritt.
Frohnmaiers Vater bei AfD-Abgeordneter beschäftigt
Alice Weidel und Tino Chrupalla, dem Vernehmen nach alles andere als amüsiert darüber, dass ihr Spitzenkandidat in der heißen Wahlkampfphase das Ausland dem Ländle vorzog, straften ihn durch konsequente Nicht-Erwähnung in ihren Reden.
Die Debatte um AfD-Abgeordnete, die Verwandte von Parteifreunden beschäftigen, verschärft sich. Ende Februar sprach die AfD von Aufbauschung, andere Parteien forderten strengere Regeln.
25.02.2026 | 1:52 minAuch aus einem anderen Grund wächst der Unmut über Frohnmaier in seiner eigenen Partei. Er ist in einem höheren Maß von Vetternwirtschaftsvorwürfen betroffen als bisher angenommen.
Zwei Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg antwortete er im ZDF-Morgenmagazin auf die Frage, ob es stimme, dass seine Frau, seine Schwester und sein Vater bei anderen AfD-Abgeordneten gegen Bezahlung beschäftigt seien oder waren: "Das ist korrekt."
Die auch innerhalb der AfD umstrittenen Beschäftigungsverhältnisse seien aber alle legal gewesen. Man versuche, behauptete Frohnmaier, "einen Skandal zu produzieren".
Wenn mal jemand in meiner Familie sich für die AfD engagiert hat und eingebracht hat, dann finde ich das super. Warum sollte ich denn sowas bitte ablehnen?
Markus Frohnmaier, AfD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg
Vorwurf der Vetternwirtschaft steht im Raum
Frohnmaier sitzt für die AfD im Bundestag. Seine Frau arbeitet als Büroleiterin bei einem anderen AfD-Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg. Sein Vater ist bei Diana Zimmer, die ebenfalls Bundestagsabgeordnete und Frohnmaiers Wahlkampfmanagerin ist, angestellt.
Die Vorwürfe von Vetternwirtschaft belasten die AfD. "Wir haben hier ein System von Vetternwirtschaftsfällen – das sind keine Einzelfälle", so Lara Louisa Siever von der Organisation Abgeordnetenwatch.
26.02.2026 | 4:26 minFrohnmaiers Schwester arbeitete vor rund acht Jahren für seinen damaligen Parteifreund, den Landtagsabgeordneten Harald Pfeiffer. Frohnmaier wiederum hatte den Sohn von Pfeiffer bei sich geringfügig beschäftigt - der Vorwurf einer "Überkreuzbeschäftigung" steht im Raum.
Pfeiffer und sein Sohn bestätigen die Anstellung. Frohnmaier entgegnet, das habe "nicht zeitgleich stattgefunden".
AfD-Chef Chrupalla spricht von "Störgefühl"
Tatsächlich verstoßen diese bisher bekannten Anstellungsverhältnisse von Frohnmaiers Familienmitgliedern gegen kein Gesetz. Trotzdem reißt die Kritik nicht ab - auch aus der eigenen Partei, die sich seit Wochen immer neuen Filzvorwürfen ausgesetzt sieht, vor allem in Sachsen-Anhalt.
Anders als seine Co-Parteivorsitzende Weidel nämlich spricht Chrupalla nicht von "haltlosen und aufgebauschten Vorwürfen", die "aus Richtung der Medien" kämen, sondern von einem "Geschmäckle" und einem "Störgefühl" angesichts der stetig wachsenden Zahl der Fälle von AfD-Familienangehörigen, die für Parteifreunde arbeiten.
Die AfD wettert gegen Vetternwirtschaft, doch intern brodelt es: In Brandbriefen ist sogar von einem "korrupten System", "mafiösen Strukturen" und einer "mutmaßlichen Veruntreuung" die Rede.
03.03.2026 | 16:56 minMassive Kritik von Thüringer AfD-Chef Höcke
Und auch Björn Höcke, einflussreicher Landesparteichef in Thüringen, übte schon massive Kritik, wie vor gut zwei Wochen auf einer AfD-Veranstaltung: "Das Problem beginnt da, wo das eigene Familieneinkommen systematisch über die Möglichkeiten von Partei oder Fraktion oder Mandat aufgebessert wird."
Am Ende oder im schlechten Fall auch noch über sogenannte Überkreuzbeschäftigungen von Abgeordneten und ihren Ehepartnern. Das - auch wenn es legal sein sollte - geht nicht.
Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen
Die AfD und die Vetternwirtschaftsaffäre - fast täglich kommt ein neuer Verdacht hinzu. Sogar der von Scheinbeschäftigungen besteht. So erkannte etwa ein AfD-Bundestagsabgeordneter auf Fotos seinen eigenen Mitarbeiter nicht, den er über viele Monate in seinem Büro angestellt hatte - für knapp 4.000 Euro pro Monat.
Vom Verdachtsfall zur gesichert rechtsextremistischen Bestrebung - diese Hochstufung der AfD ist vorerst unzulässig. Bis zum endgültigen Beschluss wird es wohl noch dauern.
27.02.2026 | 2:03 minScheitern am eigenen Anspruch?
Die AfD droht an ihren eigenen Maßstäben zu scheitern. In ihrem Grundsatzprogramm schreibt sie: "Es hat sich eine politische Klasse von Berufspolitikern herausgebildet, deren vordringliches Interesse ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen Wohlergehen gilt."
Damit meint sie die anderen Parteien, zu denen sie die Alternative sein will. Ein Anspruch, den die "Alternative für Deutschland" bereits im Namen trägt.
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06.03.2026 | 2:16 minPressekonferenz mit Frohnmaier abgesagt
Noch zwei Tage bis zur Wahl - und die AfD ist hoch nervös. Ein AfD-Bundestagsabgeordneter klagt gegenüber dem ZDF über den eigenen Spitzenkandidaten Frohnmaier:
Eine sinnlose USA-Reise im Wahlkampf-Endspurt und dann noch neue Verstrickungen in der Vetternwirtschaftsaffäre: Er macht es uns Wahlkämpfern in Baden-Württemberg nicht einfach, sondern fährt auf den letzten Metern den gut begonnenen Wahlkampf noch gegen die Wand.
AfD-Bundestagsabgeordneter
Wie die Wahl tatsächlich für die AfD ausgeht, ist natürlich schwierig vorauszusagen. Vorsorglich aber hat die Parteispitze ohne Angabe von Gründen ihre für Montagmorgen angesetzte gemeinsame Pressekonferenz mit Frohnmaier zur Wahlnachlese ersatzlos abgesagt. Ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang.
Nicole Diekmann ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio, David Gebhard ist Redakteur bei ZDF frontal.
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