Weitere zehn Jahre statt Freiheit:Hongkong: Neue Haftstrafe für Demokratie-Aktivisten Wong
Die Freiheit schien nah: Der Demokratie-Aktivist Joshua Wong sollte eigentlich im Januar aus dem Gefängnis in Hongkong freikommen. Nun wurde er zu weiteren zehn Jahren verurteilt.
Eigentlich sollte Joshua Wong im Januar aus dem Gefängnis in Hongkong freikommen. Nun ist der bekannte Demokratieaktivist in einem weiteren Verfahren zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.
05.11.2026 | 0:26 minDer inhaftierte Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong ist wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit "mit ausländischen Kräften" zu weiteren zehn Jahren Haft verurteilt worden.
Ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungszone bezeichnete Wong in seiner Urteilsbegründung am Donnerstag als einen der "Drahtzieher" einer Verschwörung zur Gefährdung der nationalen Sicherheit. Die USA und Taiwan übten scharfe Kritik an dem Urteil. Die chinesische Regierung wies dies zurück.
Joshua Wong ist einer der bekanntesten Vertreter der Hongkonger Demokratiebewegung, die von den Behörden mit massivem Druck zum Erliegen gebracht wurde. Der Aktivist wurde 2014 durch die von Studenten angeführten Proteste bekannt und war auch an den großen und teils gewalttätigen Massenprotesten beteiligt, die zur Verhängung des nationalen Sicherheitsgesetzes führten.
Wegen angeblicher "Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften" war auch der Demokratie-Aktivist Jimmy Lai (78) im Februar in Hongkong verurteilt worden. Die Bundesregierung übte scharfe Kritik.
09.02.2026 | 2:38 minWong sollte eigentlich im Januar freikommen
Wong sitzt bereits seit fast sechs Jahren im Gefängnis. Nach der Verbüßung einer Haftstrafe wegen "Subversion" sollte er eigentlich im Januar freikommen. Der Aktivist war damals auf Grundlage des sogenannten nationalen Sicherheitsgesetzes verurteilt worden. Auch das am Donnerstag verkündete Urteil beruht auf dem umstrittenen Gesetz, das 2020 von Peking erlassen worden war.
Wong drohte in dem Verfahren eine lebenslange Haftstrafe. Richter William Tam erklärte jedoch, eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren sei ein "angemessener Ausgangspunkt". Aufgrund von Wongs Schuldbekenntnis sei das Strafmaß schließlich auf zehn Jahre herabgesetzt worden.
Bei der Parlamentswahl in Hongkong war die Beteiligung im vergangenen Dezember gering: Nur knapp 32 Prozent der Wahlberechtigten stimmten ab. Pekingtreue Politiker gewannen die Wahl.
08.12.2025 | 0:22 minWong fühlt sich zurückgeworfen - und dankt Unterstützern
Wong wirkte ruhig, als er am Donnerstag auf der Anklagebank saß. Er nickte seinen Unterstützern im Gerichtssaal zu. In einem Schreiben an das Gericht hatte er erklärt, er habe ursprünglich gehofft, im kommenden Jahr aus dem Gefängnis freizukommen. Das neue Verfahren gebe ihm aber das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Seine Zeit im Gefängnis beschrieb er zugleich als die "tiefgreifendsten Lektionen" seines Lebens.
Nach der Urteilsverkündung bedankte sich Wong bei seinen Unterstützern und winkte ihnen zu. Einige weinten und riefen ihm zu: "Wir werden auf deine Freilassung warten."
Die ehemaligen Mitglieder der Gruppe "Scholarism", Tiffany Chin (Mitte links) und Louis Lee (Mitte rechts), verlassen den High Court in Hongkong nach der Strafmaßverkündung gegen den pro-demokratischen Aktivisten Joshua Wong.
Quelle: epa | MAY JAMESUSA verlangen Wongs Freilassung
Das US-Konsulat in Hongkong verlangte die "sofortige Freilassung" Wongs. Die USA verurteilten die Entscheidung des Gerichts in Hongkong, erklärte ein Sprecher des Konsulats:
Wong ist seit Dezember 2020 zu Unrecht inhaftiert, was zeigt, dass Peking zu außergewöhnlichen Mitteln greift, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich für die Grundfreiheiten in Hongkong einsetzen.
Sprecher des US-Konsulats in Hongkong
Auch Taiwan kritisierte nach Wongs Verurteilung die "endlose politische Verfolgung" von Demokratieaktivisten in Hongkong. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer "grausamen und ungerechten" Entscheidung und rief die internationale Gemeinschaft auf, Sanktionen gegen die für die "zunehmende Unterdrückung in Hongkong" verantwortlichen Behördenvertreter zu erlassen.
Die chinesische Regierung wies die Kritik als "unverantwortliche Äußerungen" scharf zurück und mahnte zum "Respekt für Chinas Souveränität" und für das Hongkonger Justizsystem.
Kameras, Gesichtserkennung, Handy-Ortung: Ein Punktesystem braucht Chinas Kontrollstaat längst nicht mehr. Kritiker wie der Anwalt Wang Quanzhang werden rund um die Uhr überwacht.
26.08.2026 | 6:27 minMeinungsfreiheit in Hongkong durch "Sicherheitsgesetz" unter Druck
Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong galt bis vor wenigen Jahren als Bastion der Meinungsfreiheit in China. Seit Peking im Jahr 2020 das "Sicherheitsgesetz" erlassen hat, gehen die Behörden in der Sonderverwaltungszone jedoch massiv gegen alle pro-demokratischen Aktivisten und andere Peking-kritische Stimmen vor, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen.
Viele Oppositionelle sind ins Ausland geflohen, andere wurden verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
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