Finnland wirbt bei Wadephul um Verständnis :Grenze zu Russland: "Grausamkeit ist Teil der Abschreckung"
von Andreas Kynast
Finnlands Regierung wirbt beim Besuch von Johann Wadephul um Verständnis. Die Streitkräfte bereiten die Verlegung international geächteter Landminen an der Grenze zu Russland vor.
Mehrere EU-Staaten fordern ein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen. Die EU-Außenminister sind sich in der Frage uneins. Deutschland lehnt die Sanktionen ab.
13.07.2026 | 2:35 minAuf die Frage nach den Landminen antwortet die finnische Außenministerin auf Deutsch - es ist ihr wichtig:
Wir hoffen auf das Verständnis unserer engsten Partner.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnland
Elina Valtonen ist in Deutschland, in Bonn, aufgewachsen. Sie beherrscht nicht nur die Sprache, sondern kennt auch die Skepsis der Deutschen gegenüber fast allem Militärischen. Und sie muss fürchten, dass die Deutschen die Finnen diesmal nicht verstehen.
"Wir schützen 1.340 Kilometer Grenze zu Russland", sagt Valtonen. "Und es ist nicht nur im Interesse Finnlands, sondern im Interesse von ganz Europa, dass diese Grenze sicher bleibt".
Deutschland soll nach dem Iran-Krieg bei der Sicherung der Straße von Hormus helfen. Dafür wird ein Minensucher plus Verband in die Region geschickt, so Boris Pistorius in der "Rheinischen Post".
25.04.2026 | 0:22 minFinnland schafft geächtete Landminen an
Die Außenministerin steht neben Johann Wadephul, ihrem deutschen Kollegen, und muss einen spektakulären militärischen Schritt verteidigen. In den kommenden Monaten wollen die Streitkräfte international geächtete Antipersonenminen anschaffen. Um sie im Ernstfall verlegen zu dürfen, hat Finnland gemeinsam mit Polen und den baltischen Staaten im vergangenen Jahr den Austritt aus der Ottawa-Konvention zum Verbot von Landminen beschlossen.
Valtonen verspricht, dass Finnland die Landminen "nicht willkürlich in der Gegend fallen lässt", wie es andere Länder in der Vergangenheit getan hätten. Die Finnin nennt keine Namen, aber jeder denkt an die verminten Felder in Kambodscha, an die Sprengfallen in Klöstern und Schulen Myanmars, an die arm- oder beinamputierten Kinder in der Ukraine. Die USA und Russland haben das Landminen-Abkommen nie ratifiziert.
Verminung der Grenze zu Russland?
"Das würde in Finnland natürlich nie geschehen", sagt Valtonen. Die Landminen sollen nur entlang der Grenze zu Russland verlegt werden und nur dann, wenn sich die Lage dramatisch verschärft.
Es geht darum, diese Fähigkeit einsetzen zu können, aber nur im Kriegsfall.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnland
Außenminister Wadephul will Finnland nicht kritisieren, aber auch das Landminen-Abkommen nicht verraten. "Die Ottawa-Konvention bleibt aus humanitären und rüstungspolitischen Gründen von hoher Bedeutung", sagt der Gast aus Deutschland, räumt aber ein, dass es "eine völlig neue Bedrohungslage" an der Grenze zu Russland gebe.
Ob am Straßenrand, auf Feldern oder Schulhöfen – überall lauern noch Landminen. Für viele Rückkehrer in Syrien sind sie eine tödliche Gefahr. ZDF-Reporterin Susana Santina hat eine Hilfsorganisation begleitet, die aufklärt und Minenopfer unterstützt.
22.09.2025 | 3:32 minWadephul vermeidet Kritik
Die Außengrenze Finnlands zu Russland ist länger als die aller übrigen Nato-Staaten zusammen. "Das war mir gar nicht bewusst", sagt Wadephul, der am Donnerstag den neu aufgebauten Grenzzaun und einen der inzwischen komplett geschlossenen Grenzübergänge besichtigen will.
Ich glaube, es ist nicht richtig, hier als deutscher Oberlehrer aufzutreten.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Landminen sind "ziemlich grausame Waffen", erklärte Eoin Micheal McNamara, Sicherheitsexperte am finnischen Institut für internationale Beziehungen, unmittelbar nach dem Beschaffungs-Beschluss, als die erste Kritikwelle Finnland erreichte. "Sie sind nicht die präzisesten, sie reagieren auf Körperwärme und zünden dann. Aber Grausamkeit ist natürlich ein Teil der Abschreckung."
Wer diese Grausamkeit nicht erleben will, der sollte nicht in fremdes Gebiet eindringen oder gar einmarschieren.
Eoin Micheal McNamara, finnischer Sicherheitsexperte
Dass Landminen einen Überfall zwar verlangsamen, aber nicht aufhalten können, zeigt sich in der Ukraine, einem der meistverminten Länder der Welt. Eine Fläche so groß wie Deutschland ist mit Minen und Blindgängern verseucht. Experten schätzen, dass ihre Beseitigung Jahrhunderte dauern wird.
Andreas Kynast ist Korrespondent im Hauptstadtstudio.
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