Tausende Soldaten in US-Hauptstadt:Ein Jahr Nationalgarde: Ist Washington jetzt sicherer?
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Vor einem Jahr rief US-Präsident Trump den Notstand in Washington aus. Er versprach, die Stadt wieder "sicher zu machen", schickte die Nationalgarde. Was hat der Einsatz gebracht?
US-Präsident Trumps Nationalgarde-Einsatz senkte in Washington laut einer Studie vor allem die Zahl der Diebstähle und Autoaufbrüche. Auf Gewaltverbrechen hatte er dagegen kaum Einfluss.
14.08.2026 | 1:38 minVor zwölf Monaten erklärte Donald Trump die Kriminalität in Washington, D.C. zum Notstand. Der US-Präsident versprach, die Hauptstadt "sicher und schön" zu machen - und schickte dafür die Nationalgarde auf die Straßen.
Heute stehen sie vor Museen, patrouillieren in Parks und an Metrostationen - meist in kleinen Gruppen, in Tarnuniform und inzwischen bewaffnet. Eigentlich sollte der Einsatz befristet sein, doch nun hat das Pentagon ihn bis 2029 verlängert.
Was hat sich in der Hauptstadt verändert?
Inzwischen sind rund 4.600 Nationalgardisten in Washington im Einsatz.
Quelle: AFP | ANDREW CABALLERO-REYNOLDSUmstrittener Einsatz
Schon Trumps Begründung für den Einsatz sorgte für Kritik. Der Präsident sprach von einer außer Kontrolle geratenen Kriminalität und einem "Befreiungstag" für Washington, als er ankündigte, die "National Guard" nach Washington zu entsenden. Aus den zunächst rund 800 Soldaten sind inzwischen mehr als 4.600 geworden.
Die offiziellen Zahlen zeichneten allerdings schon damals ein anderes Bild: Die Gewaltkriminalität war nach dem Anstieg während der Corona-Pandemie wieder deutlich zurückgegangen und hatte vor Trumps Ankündigung zuletzt den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Kritiker bezweifelten deshalb, dass es überhaupt einen Notstand gab.
Auch Proteste gegen den Einsatz gibt es seit Monaten. Die Aktivistengruppe "Free DC" organisiert unter anderem regelmäßig Protestaktionen.
Anders als Bundesstaaten untersteht Washington, D.C. in vielen Bereichen direkt der Bundesregierung. Deshalb kann der Präsident die Nationalgarde der Hauptstadt unmittelbar kontrollieren. In Städten wie Los Angeles oder Chicago ist dies nicht der Fall, Gerichte schritten bei ähnlichen Einsätzen ein.
Vor dem Weißen Haus schießt ein Mann gezielt auf zwei Nationalgardisten. Das FBI ermittelt, Trump reagiert mit einem erhöhten Einsatz von Nationalgardisten in der Hauptstadt.
27.11.2025 | 1:15 minGeteilte Meinungen in der Hauptstadt
Unter den Menschen in Washington gehen die Meinungen auseinander. Ashley, die auch abends spät mit ihrem Hund spazieren geht, sagt:
Sie sorgen für mehr Sicherheit, deshalb schätze ich ihre Anwesenheit.
Ashley, lebt in Washington, D.C.
Auch ein junger Mann, der in der Nähe des belebten Dupont Circle wohnt, erzählt, dass er sich sicherer fühlt, seit die Nationalgarde dort unterwegs ist. Zwei Freundinnen, beide Anfang 30, sehen das anders. Sie sagen, dass sie sich gar nicht oder - wenn überhaupt - eher etwas unsicherer fühlen als vor dem Einsatz "dieser Militärtruppe".
Ich finde, das ist eine kolossale Verschwendung von Steuergeldern. Es gibt absolut keinen Grund, warum sie hier sind.
Nkemka, lebt in Washington, D.C.
Regelmäßig werden die National Guards in Washington an Sehenswürdigkeiten auch um Selfies mit Besucherinnen und Besuchern gebeten.
Quelle: APStudie: Weniger Diebstähle, aber kaum Einfluss auf Gewalt
Forscher des als moderat geltenden Washingtoner Thinktanks Niskanen Center haben untersucht, welchen Effekt der Einsatz der Nationalgarde tatsächlich hatte. Dafür verglichen sie die Kriminalitätszahlen vor und nach Beginn des Einsatzes.
Ihr Ergebnis: Die Nationalgarde hat Washington tatsächlich etwas sicherer gemacht. Vor allem sogenannte opportunitische Eigentumsdelikte - Gelegenheitsdelikte - gingen zurück, also Straftaten wie Autoaufbrüche oder Diebstähle, bei denen Täter eine günstige Gelegenheit ausnutzen. Laut der Studie sanken diese Taten um rund 24 Prozent.
Bei Gewaltverbrechen fanden die Forscher dagegen kaum einen Einfluss der Nationalgarde. Dazu zählen zum Beispiel Raubüberfälle oder Angriffe mit Waffen.
Bei einem Gala-Dinner für die Presse in Washington sind Schüsse gefallen. Präsident Trump wurde rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.
26.04.2026 | 2:39 minWarum die Nationalgarde kaum gegen Gewalt hilft
Nach aktuellen Polizeidaten liegt die Gewaltkriminalität in Washington in diesem Jahr sogar leicht über dem Niveau von 2025, vor allem wegen eines Anstiegs bei Körperverletzungen.
Richard Hahn, einer der Autoren der Studie, erklärt das vor allem damit, wo die Soldaten eingesetzt werden. Sie patrouillieren rund um Bundesgebäude, an Metrostationen, auf der bekannten National Mall und an anderen Orten mit viel Publikumsverkehr - also dort, wo sich auch viele Touristen aufhalten.
Das sind normalerweise keine Orte, an denen schwere Gewaltverbrechen passieren.
Richard Hahn, Niskanen Center
An diesen Orten seien Taschendiebstähle deutlich wahrscheinlicher als Auseinandersetzungen, die in einer Schießerei enden, so Hahn. Genau deshalb sei die Nationalgarde dort eingesetzt:
Ihre Präsenz soll sichtbar sein.
Richard Hahn, Niskanen Center
Hinzu kommt: Die Soldaten übernehmen keine klassische Polizeiarbeit. Sie können Verdächtige zwar vorübergehend festhalten, Festnahmen nimmt aber die Polizei vor.
Nach Schüssen bei einer Gala in Washington ist ein 31-Jähriger wegen versuchten Mordes an US-Präsident Trump angeklagt. Er schwieg im April vor Gericht und sitzt in Untersuchungshaft.
28.04.2026 | 0:26 minHohe Kosten, anhaltende Kritik
Hahn macht im Interview deutlich: Der Einsatz habe zwar grundsätzlich einen positiven Effekt gehabt, stehe jedoch nicht im Verhältnis zu den hohen Kosten. Ein eingesetzter Nationalgardist kostet laut der Berechnung der Forscher pro Tag deutlich mehr als ein Polizeibeamter in Washington - rund 607 statt 384 US-Dollar. Mit dem gleichen Geld hätte man nach Einschätzung der Forscher "wahrscheinlich mehr erreicht, wenn es in die Polizei investiert worden wäre".
Kritiker sehen darin außerdem eine unnötige Militarisierung der Hauptstadt und einen Eingriff in die ohnehin begrenzte Selbstverwaltung Washingtons.
Die Trump-Regierung spricht weiter von einem Erfolg. Der Einsatz soll nun bis Januar 2029 laufen, es sei denn, Präsident Trump beendet ihn vorher.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Einsatz der Nationalgardisten
Tödliche ICE-Schüsse:Minneapolis fordert Nationalgarde an
Video0:29Ein Jahr im Amt:Donald Trump – Amerikas neue Revolution?
Video44:56Umbau des Staates:Trump will Nationalgarde in Chicago einsetzen
Video29:42