Sinti und Roma: Europas vergessene Minderheit

Europäischer Holocaust-Gedenktag:Sinti und Roma: Europas vergessene Minderheit

von Alida Kehlenbach und Christian von Rechenberg

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Sinti und Roma gelten als Europas größte ethnische Minderheit - und die am meisten ausgegrenzte. EU-Daten zeigen: Armut und Diskriminierung nehmen kaum ab. Was muss sich ändern?

Eine Frau und ein Kind stehen vor einem Haus in der Siedlung Pata Rât in Rumänien, oben auf einer Treppe steht ein Mann mit nacktem Rücken.

In Rumänien, einem der ärmsten Länder Europas, leben die meisten Sinti und Roma. Hunderte von ihnen wurden in das Gebiet Pata Rât umgesiedelt – dort sind die Bedingungen besonders schlecht.

02.08.2026 | 1:47 min

Cluj-Napoca gilt als Rumäniens Musterstadt: florierende Universität, boomende IT-Branche. Wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt Pata Rât - eine Siedlung nahe einer Mülldeponie, in der knapp 2.000 überwiegend Roma in prekären Umständen leben. Für die Soziologin Cristina Raţ von der Universität Cluj ist der Ort ein Symbol für die Situation von Roma in ganz Europa:

Diese Formen der Ungleichheit zeigen sich darin, dass gerade jene Menschen, die als Randfiguren der Stadt wahrgenommen werden und mitten im Müll leben, diejenigen sind, die frühmorgens […] die Straßen von Cluj reinigen.

Cristina Raţ, Soziologin

Schätzungen zufolge leben zehn bis zwölf Millionen Roma und Sinti in Europa. Viele sind bis heute von Armut und Ausgrenzung betroffen - trotz jahrelanger EU-Strategien.

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Sinti und Roma: Viermal häufiger arm, öfter diskriminiert

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Für Elisabeta Szabo, die in Pata Rât mit acht Personen auf 14 Quadratmetern lebt, sind diese Zahlen Alltag.

Wir sind auch Menschen mit Fähigkeiten, genau wie alle anderen. Und wir sollten nicht diskriminiert werden.

Elisabeta Szabo, Einwohnerin von Pata Rât

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Rumänien: Sinti und Roma gehören oft zu den Ärmsten

FRA nennt für Roma in den untersuchten Ländern Probleme bei Armut, Diskriminierung, Bildung, Wohnen, Gesundheit und Segregation. In Rumänien lebt die größte Roma-Bevölkerung der EU. Je nach Schätzung 1,5 bis 2,5 Millionen Menschen. Viele gehören zu den ärmsten im Land. Rumäniens EU-Beitritt 2007 brachte Fördermittel - eine systematische Verbesserung der Lebenslage blieb aus.

So auch in Pata Rât. Als die Stadtverwaltung von Cluj-Napoca im Dezember 2010 etwa 300 bis 350 Roma von der Coastei-Straße nach Pata Rât nahe einer Mülldeponie zwangsräumte, wurden 76 Familien in neuen Wohneinheiten am Stadtrand nahe der Mülldeponie untergebracht. Linda Greta Zsiga arbeitet für den Verein ADI ZMC und kennt Pata Rât in und auswendig. Auch sie wurde 2010 hierher umgesiedelt.

Niemand hat es verdient, neben eine Mülldeponie umgesiedelt zu werden.

Linda Greta Zsiga, Mitarbeiterin bei ADI ZMC

Obwohl einzelne Familien bereits umziehen konnten, beschreiben aktuelle Berichte weiterhin prekäre Lebensbedingungen in Pata Rât: Baracken ohne Strom und fließendes Wasser, Rauch und Gestank von der früheren Deponie. EU-Förderdaten aus 2017 belegen: 90 Prozent der Wohneinheiten hatten keine Küche oder Badezimmer. Pata-Rât gilt als eines der bekanntesten Beispiele für Umwelt-Rassismus und räumliche Segregation in Europa.

Roma und Sinti in Sorge
:"Antiziganismus ist wieder salonfähig"

Vor der Wahl sieht Zentralratschef Romani Rose die Werte der Bundesrepublik in Gefahr. Große Sorge mache ihm die AfD mit ihrer "Renaissance" alter Positionen für Roma und Sinti.
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Interview

Cluj plant die Wende - aber das Unrecht sitzt tiefer

Am 21. Juli 2026 beschloss der Stadtrat von Cluj ein Programm im Umfang von mehr als 75 Millionen Euro. Bis 2036 sollen rund 350 Wohnungen entstehen. Bürgermeister Emil Boc kündigte an, die Bewohner stärker in die Stadtgesellschaft zu integrieren und kein zweites Pata Rât entstehen zu lassen. Dieses Engagement kann sich auszahlen, denn zarte, regionale Fortschritte gebe es durchaus:

Wir beobachten eine höhere Beteiligung von Kindern am Schulunterricht.

Cristina Raţ, Soziologin

Was Sinti und Roma fordern, ist klar: Gleichheit in Schule und Recht, würdiger Wohnraum, ein Ende des Antiziganismus in Institutionen und Köpfen. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, fasst es zusammen: Der Kampf dagegen sei eine europäische Aufgabe, getragen von den demokratischen Werten, zu denen sich alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet hätten.

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Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 02.08.2026 ab 17:00 Uhr.

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