Staatliche Zwangsverwaltung in Russland:Wie Putin zunehmend gegen europäische Unternehmen vorgeht
von Felix Klauser, Moskau
Europäische Unternehmen werden in Russland vermehrt unter Zwangsverwaltung gestellt. Der Kreml will so Druck aufbauen - und nebenbei geht’s womöglich mal wieder ums große Geld.
Russland setzt europäische Firmen zunehmend unter Zwangsverwaltung. Betroffene Konzerne suchen Wege, ihr Geschäft zu sichern. Der Druck des Kremls auf Unternehmen aus Europa wächst deutlich an.
08.10.2026 | 1:54 minWährend Donald Trump und Wladimir Putin ihren "Diesel-Deal" abschließen und in Russland die Hoffnung auf US-Investitionen wächst, wird die Lage verbliebener europäischer Unternehmen im Land immer prekärer.
Allein in den vergangenen Monaten hat Russland mehrere europäische Unternehmen unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt: "Nestlé", den französischen "Auchan"-Konzern - die Liste ließe sich fortsetzen.
Russland-Geschäft der Metro AG unter Zwangsverwaltung
Zuletzt ließ der Fall der deutschen Metro AG aufhorchen. Mit immerhin 91 Filialen und etwa 9.000 Mitarbeitern hatte Metro sein Russland-Geschäft trotz des Krieges in der Ukraine weiterhin betrieben. Nach eigenen Angaben auch aus Verantwortung gegenüber Kunden und Mitarbeitern im Land.
Im September aber wurde die russische Tochtergesellschaft des Konzerns unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Kontrolle übernahm ein erst kurz zuvor gegründetes Unternehmen in Moskau. Metro hat damit keinen direkten Einfluss mehr auf sein Russland-Geschäft. Angeordnet wurde all das per Dekret des russischen Präsidenten.
Russland stellt das Geschäft von Metro per Dekret unter die eigene Verwaltung. Der russische Markt machte in den ersten neun Monaten 2026 fast neun Prozent des Konzernumsatzes aus.
28.09.2026 | 0:30 minPutin rechtfertigt Maßnahmen gegen europäische Unternehmen
Zu seinen Beweggründen äußerte sich Putin Anfang Oktober: Europäische Länder hätten Russland "unter eklatantem Bruch aller denkbaren und undenkbaren Regeln riesige Unternehmen weggenommen", so Putin. Falls es in Europa zur Verstaatlichung russischer Unternehmen käme, wolle man - so das Narrativ des Kreml - vorbereitet sein. Und spiegelbildliche Maßnahmen ergreifen.
Konkret würde das bedeuten, auch europäische Unternehmen in Russland zu enteignen. Die externe Zwangsverwaltung wäre in diesem Szenario nur ein erster Schritt.
Das Kalkül des Kreml bei alldem scheint klar: den Druck auf europäische Staaten zu erhöhen. "Natürlich spielt bei diesen Entscheidungen die Tatsache eine wesentliche Rolle", so Kremlsprecher Dmitri Peskow, "dass die betroffenen Unternehmen mit 'unfreundlichen' Staaten in Verbindung stehen".
Die Angriffe Russlands auf die Ukraine gehen auch nach der von US-Präsident Trump angekündigten Energie-Waffenruhe weiter. Die EU verhängte unterdessen neue Russland-Sanktionen.
12.10.2026 | 2:09 minÖkonom: Finanzielle Interessen hinter Zwangsverwaltung
Doch hinter den Maßnahmen gegen "unfreundliche Staaten" - also aus Kreml-Sicht jene, die nach wie vor an der Seite der Ukraine stehen - dürften nicht nur politische Interessen stehen.
Wirtschaftsexperten wie Dmitri Nekrasow sehen neben der politischen Komponente auch mögliche finanzielle Interessen hinter den Zwangsmaßnahmen.
Im Wesentlichen ist das die Geschichte einer korrupten Aufteilung von Vermögenswerten.
Dmitri Nekrasow, russischer Ökonom
Mehrere europäische Unternehmen wurden von Russland unter Zwangsverwaltung gesetzt. Es könnten weitere, ähnliche Maßnahmen folgen, sagt ZDF-Korrespondent Felix Klauser.
08.10.2026 | 5:27 min"Mir scheint, dass hier reine Geschäftsinteressen im Spiel sind", so Nekrasow. Russische Geschäftsleute sähen in der aktuellen Lage die Chance, die Kontrolle über Konkurrenten zu übernehmen.
Europäische Unternehmen in Sorge vor weiteren Maßnahmen
Die jüngsten Maßnahmen dürften all jene beunruhigen, die weiterhin in Russland aktiv sind. Für Schlagzeilen sorgte jüngst das Unternehmen "Hyperglobus". Der Einzelhändler ging im Jahr 2025 aus dem Russland-Geschäft des deutschen Mutterkonzerns "Globus" hervor. Mittlerweile agiere man, betont das Unternehmen, "unabhängig".
Zumindest die Kontakte nach Deutschland aber sind wohl geblieben. Erst kürzlich berief "Hyperglobus" den deutschen Altkanzler Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat. Womöglich auch, um möglichen Problemen durch gute Kontakte in den Kreml zu entgehen. Das Unternehmen selbst hält sich dazu bedeckt.
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist in den Aufsichtsrats des russischen Ablegers der Globus-Gruppe berufen worden. Der Altkanzler werde an der Unternehmensführung teilhaben.
02.10.2026 | 0:32 minKremlberater zu Trump-Putin-Telefonat: "freundschaftlich"
Während Russland den Druck auf europäische Unternehmen weiter erhöht, geben sich Donald Trump und Wladimir Putin nach ihrem "Diesel-Deal" derweil als "best buddies". Sinnbildlich dafür steht die Erzählung von Juri Uschakow, dem außenpolitischen Berater des Kreml.
Uschakow, der sonst nicht für übermäßig gefühlige Analysen bekannt ist, bezeichnet das Trump-Putin-Telefonat als "sehr substantiell und freundschaftlich". Sein Fazit: "Keiner von beiden wollte der Erste sein, der auflegt."
Felix Klauser leitet das ZDF-Studio Moskau.
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