25 Jahre Wiener MuseumsQuartier:Kunst, Kultur und Chillout - hier pulsiert Wien
von Alida Kehlenbach und Christian von Rechenberg, Wien
Das Wiener MuseumsQuartier wird 25 Jahre alt. Einst kaiserlicher Hofstall, ist es inzwischen eines der bedeutendsten Kulturorte Österreichs. Eine Erfolgsgeschichte mit Geburtswehen.
In den ehemaligen Stallungen von Kaiserin Sissi befinden sich heute sieben große Museen und 60 Kultureinrichtungen. Cafés und Restaurants laden zur Erholung vom Trubel der Stadt ein.
20.07.2026 | 2:05 minMan wird von einer gewissen Leichtigkeit getragen, wenn man das Wiener MuseumsQuartier - kurz MQ - betritt. Buttergelbe, klassizistische Fassaden, sanftes Gemurmel und viel Grün.
Schnell vergißt man da, dass man sich eigentlich mitten im Herzen Wiens befindet. Eben noch umgeben von Straßenverkehr und Touristentrubel, plötzlich umarmt von Ruhe und Kultur: Mit mehr als 60 Kultureinrichtungen an einem einzigen Ort ist das MQ eines der größten "Wohnzimmer" für Kunst und Kultur in Europa.
Werke und Denkweise des Österreichers Egon Schiele
Zwei Schwergewichte dominieren das außergewöhnliche Areal: das Museum Moderner Kunst und - genau gegenüber - das Leopold Museum. Ersteres wirkt durch den dunklen Lavabasalt fast wie ein U-Boot, das versehentlich im Stadtzentrum aufgetaucht ist.
Drinnen sind herausragende Exponate, unter anderem von Andy Warhol und Pablo Picasso ausgestellt. Direkt gegenüber ist das Leopold-Museum. Ein schlicht wirkender Quader aus Muschelkalk, in dem umso ausdrucksstärkere Kunstwerke vor allem von Egon Schiele ausgestellt sind.
Wien ist wunderschön. Umrahmt von den Fassaden der k.u.k.-Epoche genießen die Menschen Kultur und Kaffee, klappern im Fiaker vorbei am Stephansdom und dem Sisi-Museum. Bis es Nacht wird.
07.08.2025 | 43:44 minDen österreichischen Ausnahmekünstler Schiele bewegte nichts weniger als die Frage nach der eigenen Existenz, erklärt Markus Hüble, der hier Führungen gibt:
Egon Schiele war der Überzeugung, es wäre zulässig, den menschlichen Körper ganz explizit nackt, verletzlich und in seiner Verwundbarkeit zu zeigen.
Markus Hüble, Kunstvermittler
Innenhof als zentrale künstlerische Plaza
Die unterschiedlichen Einrichtungen im MQ werden durch ein Element verbunden, das für viele das eigentliche Highlight ist: der Innenhof. Er ist vielleicht der vielfältigste der Stadt - mit Sicherheit aber der größte. Eine grüne Oase mit kleinen Bars, die zu Café, Aperitif oder einem Eis einladen.
Dieser Innenhof ist das Zentrum, die Agora, wo sich alles trifft und austauscht.
Bettina Leidl, MQ-Direktorin
In Österreich lebt etwa jede fünfte Person allein, in Wien sogar mehr. Kontakte finden eher online statt. Die Hauptstadt setzt dem Trend zwei Projekte entgegen: wenn Fremde zu Freunden werden.
06.05.2026 | 1:54 minKultmöbel Enzis laden zum Verweilen ein
Der heimliche Hit des Innenhofes sind die eigens für das MQ entworfenen Hofmöbel, die sogenannten Enzis. Sie sehen aus wie eine zu kubistisch geratene überdimensionale Banane aus Kunststoff. In oder auf ihnen einmal Platz genommen, lesen die einen ein Buch, andere sitzen in kleinen Gruppen zusammen und picknicken.
Obwohl die Enzis nicht sonderlich bequem anmuten, sind sie doch umkämpft. Alle zwei Jahre sind die Wienerinnen und Wiener zum Onlinevoting über die Farbe der Enzis aufgerufen. In diesem Jahr sind sie Punschkrapferl-Rosa und Sodazitron-Gelb.
Transformation vom Hofstall zur Kultstätte war umstritten
Was anmutet wie das perfekte Match zwischen Stadt und Kultur, war jedoch nicht von Beginn an eine Liebesheirat. 1725 diente das Gelände zunächst als kaiserliche Hofstallung inklusive eigener Wohnung für den Oberhofstallmeister. Mit dem Ende der Monarchie zogen die Pferde aus und das Areal wurde nach 1921 als Messehalle genutzt.
Mitte der 80er dann ein Wettbewerb um die Gestaltung des MQ als Kunstareal, wogegen sich rasch eine Bürgerinitiative formte:
Darf die zeitgenössische Kunst überhaupt in das Stadtzentrum […] oder will man nicht lieber doch ein Einkaufszentrum oder Hotels entwickeln?
Bettina Leidl, MQ-Direktorin
Mächtig und friedlich fließt sie dahin, die Donau, durch Wien. Bis zu knapp neuntausend Kubikmeter Wasser pro Sekunde strömen flussabwärts. So friedlich war es nicht immer.
08.10.2024 | 44:11 minDas Konzept: Kultur und Kunst für alle
Die Kultur setzte sich durch - und versöhnte: Im MQ, wie das Museumsquartier mitterweile nur noch genannt wird, findet fast jeder etwas für seinen Geschmack. Tanz, Theater, Architektur und hohe Kunst. Daneben residieren im MQ auch kreative Köpfe.
Einer von ihnen ist der Installationskünstler Martin Markeli. Kommt man in sein Atelier, ist es bunt. Alles leuchtet und man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Markeli setzt Rennbahnen in Szene, wie man sie aus dem eigenen Kinderzimmer kennt. Warum? Weil er das Analoge bewahren will, sagt er.
Hier kann man alles fühlen. Wenn man zu viel Gas gibt oder zu viel Volt einstellt, dann brennen die Motoren durch. […] Es ist ein anderer Zugang für mich als ein digitaler.
Martin Markeli, Installationskünstler im MQ
Manchmal öffnet Markeli sein Atelier für Besucher. Und: er organisiert Wettrennen im Pool des Innenhofs. Die ferngesteuerten Boote, die dort antreten, hat er selbst gebaut. Auch das ist Kunst.
Und so ist das MuseumsQuartier ein Mosaik, in dem es immer Neues zu entdecken gibt. Von der Sommerbühne, wo abends Lesungen stattfinden, bis zu Auftritten innovativer Bands - kostenlos. Denn auch das ist Teil der MQ-Philosophie: Kultur für alle.
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