Albertina in Wien: 250 Jahre Aufklärung für alle

Museum in Wien:Albertina: 250 Jahre Aufklärung für alle

Christian von Rechenberg, ZDF-Korrespondent in Wien

von Christian von Rechenberg

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Die Wiener Albertina feiert ihren 250. Geburtstag mit Dürers Feldhasen, einer lange übersehenen Gründerin und Plänen für eine jüngere, weiblichere Zukunft.

Albertina Museum Wien, Albrecht Dürer

Die Albertina feiert ihr 250-jähriges Bestehen. Das Wiener Museum zeigt 2026 hochkarätige Ausstellungen. Ein Höhepunkt: Dürers "Feldhase", der exklusiv im Tresor besichtigt werden kann.

02.07.2026 | 2:11 min

Behutsam schiebt Eva Glück das rechteckige Blatt unter ihr Mikroskop. Es ist nicht irgendein Blatt, das die Diplomrestauratorin da in den Händen hält, es ist das kostbarste Objekt des Hauses: Der Feldhase von Albrecht Dürer. Generaldirektor Ralph Gleis ist höchstpersönlich zur Begutachtung gekommen, er will den Hasen zum Jubiläum der Albertina unbedingt ausstellen.

Er ist tatsächlich so etwas wie unsere Mona Lisa und das Hauptwerk dieser Sammlung.

Ralph Gleis, Generaldirektor der Albertina

1796 kam der Hase in die Albertina und wurde seitdem nur zehnmal aus dem Tresor geholt - kein Wunder, dass die Farben noch immer leuchten. "Er ist ja über 500 Jahre alt und so gut erhalten." Nach eingehender Untersuchung ist sich Restauratorin Glück sicher: Der Hase darf in die Ausstellung. Gleis atmet auf.

ALBERTINA: RALPH GLEIS

Der deutsche Kunsthistoriker Ralph Gleis ist neuer Direktor der Wiener Albertina. Er führt uns durch die Ausstellungsräume und sorgt für manche Überraschung.

07.03.2025 | 2:26 min

250 Jahre Albertina - das Museum im Herzen Wiens gegenüber der Staatsoper feiert sein Jubiläum mit vielen Ausstellungen. "Sammeln für die Zukunft" ist das Herzstück, das Schaulaufen der Superstars: Michelangelos Rückgrat, Schieles Selbstbildnis oder der Blick auf Arkona von Caspar David Friedrich. Die Grafiksammlung der Albertina zählt zu den bedeutendsten weltweit - und erzählt gleichzeitig die Geschichte der Albertina:

Albertina: Im Zeichen der Aufklärung gegründet

Wer den Saal betritt, wird von den Konterfeis des Gründerpaars begrüßt: Erzherzogin Marie Christine und ihr Gemahl Albert von Sachsen-Teschen. Beide ließen 1776 in Venedig rund 10.000 Kupferstiche erwerben - mit dem Ziel, der Allgemeinheit zu "nützen und Freude zu bereiten". Der Grundstein der Albertina - und der war von Anfang an dem Gedanken der Aufklärung gewidmet, blieb zunächst aber nur dem Hochadel vorbehalten.

Spielszene - Albrecht Dürer (Jakob Tögel) steht neben einer Staffelei mit seinem Selbstportrait.

Albrecht Dürers Kunst kennt fast jeder: Betende Hände, der Feldhase, die Selbstbildnisse. Das Genie aus Nürnberg hat die Kunst für immer verändert. Wer war dieser Superstar?

08.09.2019 | 43:24 min

Erst nach dem Untergang der Monarchie öffnete sich das Haus für alle. "Enteignet" schimpfte der damalige Direktor, um schon zwei Wochen später zu frohlocken: "Das Haus ist völlig verändert!" Durch seine Besucher und viele neue Künstler.

Gut, dass wir das haben.

Christine Schönhardt, Besucherin

Nach dem Ersten Weltkrieg verschmolz die Sammlung mit der Hofbibliothek - schon damals zählte man eine Million Stücke. Genauso viele Besucherinnen und Besucher lockt die Albertina mittlerweile pro Jahr an.

Großer Bestand, große Verantwortung

Das vergangene Jahrhundert brachte der Albertina weitere entscheidende Zuwächse: eine Fotosammlung mit heute über 120.000 Werken, 2007 die Sammlung Batliner, 2017 die Sammlung Essl. "Wir können sowohl Altmeisterliches zeigen als auch Gegenwart. Das Schöne ist, dass wir das einzeln zeigen können, aber auch einen möglichen Dialog haben", sagt Gleis.

Zwischen Monet etwa, der die altmeisterliche Tradition auflöste - und Picasso, der sie radikal zerlegte. Die Albertina will anregen, aufregen, inspirieren. Kunst mit der Gegenwart konfrontieren. "Tolle Wechselausstellungen, dafür steht die Albertina für mich", sagte Penelope Zilliox, eine Besucherin.

Marina Abramovic

Abramovic ist Mitbegründerin der Performance Art, sie vereint Kunst und Künstlerin in ihrem Werk. Die Retrospektive in der Albertina Modern gibt Einblicke in ihr außergewöhnliches Schaffen.

21.11.2025 | 2:11 min

Zum Jubiläum, so Gleis, habe man begonnen, den Bestand "neu zu hinterfragen" - und geprüft, was bislang zu wenig Beachtung fand. Künstlerinnen etwa: Mehr als 5.000 Werke von Frauen seien bereits gesichtet, eine eigene Ausstellung in Vorbereitung.

In der Vergangenheit wurden Künstlerinnen nicht so beachtet. Wir wollen uns vermehrt mit Künstlerinnen der Gegenwart beschäftigen.

Ralph Gleis, Generaldirektor der Albertina

Jünger, moderner, weiblicher

Auch das Publikum soll künftig stärker eingebunden werden. Viele Besucher wollten selbst aktiv werden, so Gleis. Wie etwa in der Jubiläumsausstellung "Papier", wenn sie sich dort unter Anselm Kiefers Installation legen oder eine mittelalterliche Sonnenuhr nachbauen.

Zudem setze die Albertina auf umfangreiche Digitalisierung der 1,2 Millionen Objekte, vernetzte Online-Services und interaktive Formate. Die Sammlung sei kein Schatz zum Bewundern, sondern Antrieb für das, was kommt.

Nicht jeder steht auf ältere Gemälde. Um junge Leute ins Museum zu holen, braucht es Abwechslung.

Sven Dörrbächer, Besucher

Die Albertina sei mehr als nur ein Museum, sie sei der Ort, an dem Wien mit der Welt kommuniziert. Und die gratuliert: Auf die nächsten 250 Jahre.

Skulptur in Übergröße liegt in einem Museum. Die Skulptur ist eine große, Comicartige Figur in schwarz.

Der US-Künstler KAWS gehört zu den erfolgreichsten Pop-Art-Künstlern der Gegenwart. Die Albertina Modern in Wien widmet ihm eine große Ausstellung.

07.05.2026 | 2:04 min

Christian von Rechenberg ist Korrespondent im ZDF-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete heute in Europa am 02.07.2026 ab 16:00 Uhr.

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