Seltene Zeremonie für Wadephul:Berlin startet formale Beziehungen zu Pazifikstaat Niue
Deutschland hat formal bilaterale Beziehungen mit kleinen Pazifik-Inselstaat Niue aufgenommen. Es geht um Selbstbestimmung, den Klimawandel und Einflussbereiche.
Sehen Sie hier, wie Außenminister Johann Wadephul eine Erklärung mit Dalton Tagelagi unterzeichnet, dem Premierminister von Niue.
03.02.2026 | 0:35 minDie kleine Südseeinsel Niue liegt rund 4.500 Kilometer östlich von der australischen Küste. An diesem Dienstag hat Berlin nun auch formal diplomatische Beziehungen mit dem Inselstaat im Pazifik aufgenommen.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) unterzeichnete bei seinem Besuch im neuseeländischen Auckland gemeinsam mit dem Regierungschef von Niue, Dalton Tagelagi, eine entsprechende Erklärung. Auch für den deutschen Minister hat solch eine Zeremonie Seltenheitswert.
Das ist ein besonderes Erlebnis, dass ich heute diese Zeremonie begehen darf.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Deutschland hat den winzigen Inselstaat Niue im Südpazifik völkerrechtlich anerkannt und will diplomatische Beziehungen aufnehmen. Bis 1974 gehörte Niue zu Neuseeland.
08.01.2026 | 0:29 minIn Niue beginnt und endet der Tag zuallerletzt
Niue liegt im Südpazifik - zwischen Fidschi und den Cookinseln, rund 2.400 Kilometer nordöstlich von Neuseeland, mit dem es eng zusammenarbeitet. Die Entfernung zur australischen Grenze beträgt 4.500 Kilometer. Der Inselstaat hat etwa 1.700 Einwohner. Seine Grundfläche misst rund 260 Quadratkilometer. Niue liegt östlich der Datumsgrenze. Der Tag beginnt und endet hier also zuallerletzt.
Karte: Insel Niue
Quelle: ZDFDie Insel ist die Spitze eines erloschenen Vulkans und erhebt sich 4.000 bis 5.000 Meter über dem Meeresgrund. Die zerklüftete Küste hat viele Höhlen und Schluchten, Strände gibt es nicht.
"Zeichen der Kooperationsbereitschaft"
Die Anerkennung Niues "zeigt die Wertschätzung, die Deutschland diesem Land gegenüber bringt, die Bedeutung, die wir dem Selbstbestimmungsrecht der Völker beimessen und die Bedeutung, die wir den pazifischen Inseln beimessen", sagte Wadephul. Denn die pazifischen Inseln seien "besonders bedroht vom Klimawandel, sie sind in ihrer Existenz bedroht".
Außenminister Wadephul hat seinen neuseeländischen Amtskollegen Peters getroffen. Deutschland will angesichts der Außenpolitik Donald Trumps die Partnerschaften im südlichen Pazifik stärken.
03.02.2026 | 0:16 minDie Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Niue sei ein Zeichen der Kooperationsbereitschaft in die Region hinein. Dort versucht China, immer mehr Einfluss zu bekommen. Wadephul ergänzt:
Wenn Chinas Einfluss hier steigt, dann sinkt auch gleichzeitig unser Einfluss.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Deutschland kandidiert für UN-Sicherheitsrat: Jede Stimme zählt
Das Bundeskabinett hatte das Pazifik-Eiland erst am 7. Januar als eigenen Staat anerkannt. Bis 1974 gehörte die Insel zu Neuseeland und ist heute immer noch enger Partner des Landes. Die Einwohner sind neuseeländische Staatsbürger. Eine eigene deutsche Botschaft auf der Insel ist nicht geplant - zuständig ist die deutsche Vertretung in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington.
Mit dem persönlichen Termin zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen dürfte Wadephul auch einen ganz pragmatischen Hintergedanken gehabt haben: Im Juni kandidiert Deutschland für die Jahre 2027 und 2028 für einen der nichtständigen Sitze im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Auch wenn Niue noch gar nicht UN-Mitglied ist: Da zählt jede Stimme. Natürlich auch jene der kleinen Südseestaaten, die schon heute UN-Mitglied sind.
Der UN-Sicherheitsrat ist das wichtigste und mächtigste UN-Gremium: Zuständig für "die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit", soll der Sicherheitsrat zur Bewältigung von Krisen und Konflikten beitragen.
Der Sicherheitsrat besteht aus 15 Mitgliedern, fünf ständigen und zehn nichtständigen Mitgliedern. Die fünf Veto-Mächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sind ständige Mitglieder. Die übrigen zehn Sitze werden jeweils für zwei Jahre vergeben. Die UN-Generalversammlung entscheidet mit Zweidrittelmehrheit über die Vergabe.
Deutschland saß zuletzt 2011/12 im UN-Sicherheitsrat und war insgesamt schon fünf Mal nicht-ständiges Mitglied. Die Bewerbung für den Sitz im Sicherheitsrat für 2019/20 hat Deutschland im Sommer 2016 abgegeben. Der damalige Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, bezeichnete den Sicherheitsrat zum Zeitpunkt der Bewerbung als "zentralen, globalen Krisenmanager, den wir in diesen unruhigen Zeiten mehr denn je brauchen."
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