Haushoher Sieg des 35-Jährigen:Ex-Rapper Balendra Shah gewinnt Wahl in Nepal
von Lea Scholz
Vom Hip-Hop-Star zum Regierungschef: Balen Shah könnte das mit dem Erdrutschsieg bei den Parlamentswahlen in Nepal gelingen. Doch kann der Hoffnungsträger seine Versprechen halten?
In Nepal hat der frühere Rapper und Ex-Bürgermeister Balendra Shah die Parlamentswahl gewonnen. Das Land steht vor einem Umbruch, die Erwartungen an den 35-Jährigen sind hoch.
13.03.2026 | 1:36 min"Ich will die Nepalesen glücklich sehen", rappte Balendra Shah, der meist nur Balen genannt wird, noch im vergangenen Herbst. Nun hat er mit seiner wirtschaftsliberalen Partei Rastriya Swatantra Party (RSP) die Parlamentswahlen in dem Himalaya-Staat gewonnen. Mit 182 von 275 Sitzen im Parlament dürfte er Nepals jüngster Premier-Minister werden.
Sein Rückenwind: Die Gen-Z mit rund 800.000 Erstwählern, die erst im Herbst vergangenen Jahres gegen Korruption, Machtmissbrauch und die Sperrung von Social-Media-Plattformen protestierten. Gewaltsam schlug die Polizei die Massenproteste nieder, es gab mehr als 70 Tote.
Infolgedessen trat der bisherige Regierungschef Khadga Prasad Sharma Oli zurück, das Parlament wurde aufgelöst. Während sich der 74-jährige Sharma Oli für die Neuwahlen wieder aufstellen ließ, wurde Balendra Shah zur Gallionsfigur der Rebellion der jungen Menschen gegen eben jenes Establishment.
Die vorgezogene Parlamentswahl in Nepal galt als Test für den Einfluss der jüngeren Wähler, die zuletzt nach einer Sperrung von Social-Media-Plattformen protestierten.
05.03.2026 | 0:21 minVom Rebell-Rapper zu Kathmandus Bürgermeister
Balen Shah hat einen eigenen Stil: Er schimpft gegen das politische System, nannte den ehemaligen Premierminister Oli einen "Terroristen" und warf ihm im Zuge der brutalen Niederschlagungen der Proteste Landesverrat vor. Es sind Töne, die seit Balens Rap-Karriere ab den 2010er Jahren Millionen erreichen. So wurde etwa der Song "Balidan" ("Opfer") über 15 Millionen Mal auf YouTube geschaut. Darin rechnet Shah mit der korrupten Elite seiner Heimat ab und singt: "Führer, alle Diebe, plündern des Landes Juwelen."
Bereits im Jahr 2021 galt für den studierten Bauingenieur das Motto: "Wir machen es jetzt selbst." Als unabhängiger Kandidat trat er bei der Bürgermeisterwahl in Nepals Hauptstadt Kathmandu an. Und er gewann - mit gerade einmal 32 Jahren.
Nach dem Rücktritt von Premierminister Oli letzten September gab es weiterhin Massenproteste in Nepal. Tausende gingen erneut auf die Straßen, setzten das Parlamentsgebäude in Brand.
11.09.2025 | 1:54 minUnumstritten ist der Jungpolitiker allerdings nicht. Als Bürgermeister Kathmandus ließ er illegale Privatbauten nach nur kurzer Räumfrist abreißen. Menschenrechtsgruppen kritisierten die Vertreibung von Straßenhändlern, zu der Shah die Polizei angewiesen hatte.
Der Hoffnungsträger der Gen-Z
Für einen Großteil der jungen nepalesischen Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren ist Balen trotzdem ein Star. Sein Markenzeichen: Die rechteckige Sonnenbrille, die zwischenzeitlich zu einem Ausverkauf ähnlicher Modelle in Nepal führte. In den sozialen Medien inszeniert er sich als Macher und Visionär - und erreicht damit ein beispiellos großes Publikum. Knapp vier Millionen Menschen folgen Shah auf Facebook, 1,3 Millionen Follower hat er auf Instagram. Von klassischen Medien hielt sich Balen Shah im Wahlkampf hingegen fern.
Im vergangenen Herbst probten vor allem junge Menschen in Nepal den Aufstand - gegen eine als korrupt empfundene Regierung und die Sperrung sozialer Medien.
17.09.2025 | 6:18 minNun ging seine Strategie auf: Balendra Shah erzielt mit seiner Partei RSP einen Erdrutschsieg. Von 165 Direktmandaten gewinnt die RSP 125, nur knapp verpasst sie eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Damit ist klar: Jetzt muss der Jungpolitiker liefern.
Hohe Erwartungen und große Herausforderungen
Denn Balen Shah hat seinen Wählern Großes versprochen: Er will 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und der Zwangsmigration der Nepalesen nach Malaysia oder in die Golfstaaten infolge der hohen Arbeitslosigkeit und der niedrigen Löhnen den Kampf ansagen. Außerdem hat Shahs Partei RSP versprochen, innerhalb von fünf Jahren das Pro-Kopf-Einkommen auf 3.000 Dollar zu erhöhen - von heutigen 1.447 Dollar. Gleichzeitig soll die Wirtschaft mit einem BIP von 100 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt werden.
Doch um Nepals Wirtschaft in Schwung zu bringen, wird Shah auch auf die Nachbar-Rivalen China und Indien angewiesen sein. Die Herausforderungen für den 35-Jährigen sind groß. Nun hat er die Macht, zu beweisen, dass er mehr kann als nur zu rappen und zu predigen - und sein Land zum Besseren für die Nepalesen verändern kann.
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