Kampf gegen Drogenkartelle:Warum Mexiko den USA Resultate präsentieren will
Die Präsidentin von Mexiko, Claudia Sheinbaum, steht unter Druck und will hart mit dem eigenen Militär gegen Drogenkartelle vorgehen. Kommt es zu einer Eskalation der Gewalt?
Kartelle seien kriminelle Konzerne, denen es darum gehe, Geld zu verdienen, analysiert Lateinamerika-Experte Jonas von Hoffmann. Das Geschäft mit den Drogen werde in Mexiko weitergehen.
23.02.2026 | 17:30 minDie Milizen des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) reagieren auf den Tod ihres Anführers mit einer Welle der Gewalt. Mehr als 70 Menschen sind bislang in Mexiko ums Leben gekommen.
Der berüchtigte Drogenboss "El Mencho" starb, nachdem er bei einem Militäreinsatz verletzt und gefangengenommen wurde. Das Kartell CJNG beschäftigt mehr als 20.000 Menschen.
Der Tod des berüchtigten Kartellchefs "El Mencho" hat eine Welle der Gewalt ausgelöst. In mehreren Bundesstaaten brennen Fahrzeuge und Geschäfte. Es gibt Tote.
23.02.2026 | 2:30 minDie Eskalation und Gewaltausbrüche in mehr als 20 mexikanischen Bundesstaaten seien außergewöhnlich, erklärt Jonas von Hoffmann vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg. Es zeige, wie weit verbreitet das Kartell im Land sei.
Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.
Im Interview mit ZDFheute live betont von Hoffmann, dass ...
... es verschiedene Szenarien gibt, wie es weitergeht
Nicht absehbar ist, wer die Lücke des getöteten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes füllen werde. Sein Sohn sitze in einem Gefängnis in den USA. Einer seiner Leutnants könnte sich durchsetzen und die Führung übernehmen. Das Kartell könnte dann "in seiner jetzigen Form" weiter existieren, so von Hoffmann.
Oder es könnte zu internen Machtkämpfen kommen. Aber auch andere Kartelle wie Sinaloa könnten versuchen, Gebiete zurückzuerobern, die sie in der Vergangenheit an CJNG verloren haben.
Dann kann es zu deutlich mehr Gewalt kommen.
Jonas von Hoffmann, GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg
Doch nur vereinzelt würden die "Narcos" zur Gewalt gegen den Staat und das Militär greifen. Offene Gewalt sei nicht im "Geschäftssinn der Drogenkartelle" - auch um die Korruption mit staatlichen Institutionen weiterzuführen.
Was von diesen Szenarien in den nächsten Tagen passiere, sei schwer abzusehen.
Professor Wilfried Raussert lebt in Guadalajara in Mexiko, wo auch die Gewalt eskalierte. Das Drogenkartell führe einen Kampf um Einflusssphären mit der mexikanischen Regierung.
23.02.2026 | 4:39 min... die Kartelle ein Interesse an Normalität statt Terror haben
Mit Blick auf die Sicherheitslage in Mexiko als Austragungsort der FIFA-Fußball-WM der Männer im Sommer sollten sich die Fans nicht "allzu viele Sorgen machen", so von Hoffmann. Die Kartelle seien keine terroristischen Organisationen, sondern kriminelle Konzerne, die Geld verdienen wollten.
Die aktuelle Gewalt sei eine Reaktion auf die Tötung ihres Anführers durch das mexikanische Militär.
Es wurde gegenüber dem Staat und den Konkurrenten bewiesen, dass das Kartell Stärke und Präsenz hat, dass, wenn es das öffentliche Leben zum Erliegen bringen wollen würde, es das auch könnte.
Jonas von Hoffmann, GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg
Die gesamten Truppen des Kartells seien nicht mobilisiert worden, so der Lateinamerika-Experte. Das organisierte Verbrechen und die Regierung hätten beide Interesse daran, zur Normalität zurückzukehren.
... die Macht der Kartelle landesweit unterschiedlich ist
Es gebe Orte, die von kriminellen Organisationen beherrscht würden, die große Teile des öffentlichen Lebens kontrollieren und dafür eine "Art Schutzgeld oder eine Art Steuer" verlangen würden.
Landesweit seien Fälle bekannt, in denen die Grenzen zwischen Staat und Gewaltakteuren nicht klar seien. Es gebe Bundesstaaten, "wo es wirklich relativ gut belegt ist, sowohl in der Vergangenheit auch bis heute", dass es Kollisionen zwischen politischen Akteuren gebe.
Doch in anderen Teilen Mexikos sei es kein direktes Problem, welches zum Beispiel Touristen mitbekommen würden.
Die Geschichte eines Landes, in dem Schattenmächte und korrupte Politiker seit Jahrzehnten verflochten sind. Kartelle herrschen mit brutaler Macht, während Drogen unaufhaltsam geschmuggelt werden.
22.02.2026 | 17:24 min... Mexikos Regierung enorm unter Druck steht
Die US-Regierung unter Donald Trump habe wiederholt angedeutet, wenn weiterhin Fentanyl oder Kokain in die USA transportiert werden, dann könnte sie selbst aktiv werden - auch ohne die Beteiligung Mexikos.
"Da ist natürlich die mexikanische Regierung unter enormem Druck, Resultate zu zeigen." Im Gegensatz zu ihren Vorgängern setze Präsidentin Claudia Sheinbaum wieder mehr auf Konfrontation, so von Hoffmann. Sie gehe gezielt gegen die Anführer der Drogenkartelle vor - nach der "Kingpin-Strategie".
Wir werden in Zukunft im Kampf gegen Drogen möglicherweise noch mehr vergleichbare Schläge, also ein härteres Vorgehen der mexikanischen Regierung und des Militärs gegen diese Drogenkartelle sehen.
Jonas von Hoffmann, GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg
Sie wurde in mehreren Ländern angewendet. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war die "Kingpin"-Strategie ein zentraler Aspekt im Kampf der mexikanischen Regierung gegen organisierte Kriminalität.
Gezielt sollten die hochrangigen Anführer verhaftet werden, um so die Strukturen der Organisationen und ihren Einfluss nachhaltig zu schwächen.
Kritiker befürchten jedoch, dass so die Gewalt erhöht werde. Nach der Festnahme der Führung würden sich große Organisationen in viele kleine Untergruppen spalten und die Lage werde unübersichtlicher.
Quelle: International Crisis Group
Nachdem der mexikanische Drogenboss "El Mencho" bei einem Armee-Einsatz getötet wurde, herrscht Angst vor einer Gewalteskalation durch das Kartell. Elmar Theveßen analysiert die Lage.
23.02.2026 | 1:08 minDoch daran werde Mexikos Regierung scheitern. Immer wieder würden neue Köpfe in diesen Organisationen nachkommen. Die nächsten Generationen in den Kartellen würden nur versuchen, weniger im Rampenlicht zu stehen.
Die Gewalt zu minimieren und diese Drogenkartelle zu bekämpfen, das gleichzeitig zu schaffen, ist fast unmöglich.
Jonas von Hoffmann, GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg
Im Vorgehen gegen die Drogenkartelle werde es zu mehr Gewalt kommen und dadurch zu einer Eskalation. Am Ende leide die Zivilbevölkerung darunter am meisten.
Das Interview führte Philip Wortmann, zusammengefasst hat es Beatrice Steineke.
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