Israel und Libanon: "Hisbollah ist wirklich geschwächt"

Interview

Waffenruhe zwischen Israel und Libanon:"Die Hisbollah ist wirklich geschwächt" - was kommt jetzt?

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Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon könnte US-Präsident Trump Luft verschaffen, glaubt Nahost-Expertin Bente Scheller. Doch was macht die Hisbollah?

SGS- Scheller-Goekdemir

"Seit 40 Jahren hat es keine direkten Gespräche zwischen der libanesischen und israelischen Regierung gegeben", so Bente Scheller. Die Waffenruhe sei ein guter Auftakt.

17.04.2026 | 4:22 min

Zehn Tage sollen die Waffen im Libanon schweigen - ein "historisches Friedensabkommen" sei nun möglich, meint Israels Regierungschef Netanjahu. In Vororten von Beirut seien derweil Freudenschüsse zu hören, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Im heute journal update spricht Nahost-Expertin Bente Scheller über die Chancen auf Frieden im Libanon und die Rolle westlicher Staaten.

Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Könnte die Waffenruhe zu einem echten Frieden führen?

"Das denke ich schon", so Nahost-Expertin Bente Scheller im heute journal update. Seit 40 Jahren habe es keine direkten Gespräche zwischen Beirut und Jerusalem gegeben, so Scheller.

SGS Sievers Reichart

Die Waffenruhe sei eine sehr gute Nachricht. Die Frage sei aber, ob die Waffenruhe mehr sein wird als die Ruhe vor dem nächsten Sturm, so ZDF-Korrespondent Reichart aus Tel Aviv.

16.04.2026 | 3:27 min

Der Druck aus den USA halte den Gesprächsfaden hoch, denn auch für US-Präsident Trump stehe ein großer Deal in Aussicht. Immerhin sei der Konflikt indirekt mit dem Krieg in Iran verbunden.

Und deswegen ist es für Trump auch schon gut, wenn er einen dieser beiden Kriegsschauplätze befrieden könnte.

Bente Scheller, Heinrich-Böll-Stiftung

Doch welche Rolle wird die Hisbollah spielen?

...leitet das Referat Nahost und Nordafrika der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Zuvor führte die Politikwissenschaftlerin unter anderem das Böll-Büro in Beirut und arbeitete als Referentin für Terrorismusbekämpfung an der deutschen Botschaft in Damaskus.


Expertin: Libanons Regierung soll "Hisbollah einhegen"

Die Miliz sei zwar libanesisch, aber durch den Iran gesteuert und finanziert, so Scheller weiter - "deswegen hat das natürlich ein paar Fallstricke." Nun sei es Aufgabe der libanesischen Regierung, die Hisbollah während der Waffenruhe einzuhegen. Ob sie das schafft? "Das wird abzuwarten sein."

US President Trump departs the White House

Israels Ministerpräsident Netanjahu bestätigte die Waffenruhe. Es bestehe die Chance auf ein "historisches Friedensabkommen", so Netanjahu.

17.04.2026 | 2:16 min

Getötetes Führungspersonal, ein kleineres Waffenarsenal - die vergangenen zwei Jahre hätten die Miliz geschwächt. "Allerdings ist sie nicht ganz zahnlos", warnt die Expertin, die selbst in Beirut gelebt hat. Immerhin habe die Miliz in den vergangenen Wochen permanent Israel beschossen.

Die Bevölkerung im Libanon habe derweil unter den Kriegswochen erheblich gelitten. "Viele wünschen sich dort einen Moment zum Durchatmen und auch Durchschlafen", so Scheller. Im Norden Israels sehe es ähnlich aus.

Wehende Hisbollah-Flagge vor den Trümmern im Libanon

Nach Jahrzehnten unter dem Einfluss der Hisbollah regt sich Widerstand im Libanon. Die Menschen beginnen zu zweifeln am Versprechen der Miliz, nur sie könne den Libanon beschützen.

15.04.2026 | 11:41 min

Wie beeinflusst die Waffenruhe zwischen Iran und den USA den Libanon?

Im großen Iran-Krieg spiele der Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel eine Nebenrolle, so Scheller - zumindest aus Sicht des US-Präsidenten. Trump brauche einen Deal mit Iran, doch auch in Teheran werde man die Verhandlungen nicht für die Hisbollah opfern.

Dementsprechend bleibt eigentlich alles im Libanon in der Schwebe.

Bente Scheller, Heinrich-Böll-Stiftung

Deutschlands Rolle im Konflikt um Iran und Israel

Und Deutschlands Rolle im Krieg? Offenbar plant Bundeskanzler Merz (CDU) ein Angebot an die USA: Die Bundeswehr soll unter anderem Minenjagdboote bereitstellen, um die Straße von Hormus zu sichern. Für Politikwissenschaftlerin Scheller will Merz damit mehrere Signale senden:

  1. Innenpolitisches Signal: Die Bundesregierung wolle zeigen, dass sie alles tut, um die Energiepreise zu senken.
  2. Außenpolitisches Signal: Mit den Booten sei eine symbolische Unterstützung gewährleistet, nachdem die USA die Nato-Partner immer zur Teilnahme am Iran-Krieg aufgefordert haben.

Allerdings zähle auch hier das Kleingedruckte - denn Deutschland wolle die Boote erst dann entsenden, wenn ein dauerhaftes Ende der Kampfhandlungen erreicht sei, so Scheller weiter. "Und da steht in den Sternen, wer das garantieren soll."

Hinweis: Wenige Stunden nach dem ZDF-Interview mit Expertin Scheller warf die libanesische Armee Israel vor, gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Seit Inkrafttreten der Feuerpause habe es zeitweiligen Beschuss auf südlibanesische Dörfer gegeben, teilte das Militär mit. Die Bürger seien aufgerufen worden, ihre Rückkehr in die Ortschaften im Süden des Landes vorerst zu verschieben.

Quelle: ZDF, dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 17.04.2026 um 00:30 Uhr.

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