Militär-Experte bei "Lanz": Mehr als ein symbolischer Angriff

Experte zu Iran bei "Lanz":Masala: "Mehr als ein symbolischer Schlag"

von Michael C. Starke

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Im iranischen Raketenangriff auf Israel sieht Militärexperte Masala eine neue Qualität. Einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm hält er für schwer durchführbar.

Militärexperte Carlo Masala in der Sendung "Markus Lanz" vom 2. Oktober 2024.

Sehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 2. Oktober 2024.

03.10.2024 | 44:35 min

Die Ereignisse im Nahen Osten haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen. Seit der Nacht zum Dienstag geht das israelische Militär im Südlibanon auch am Boden gegen die Hisbollah vor. Erklärtes Ziel Israels ist es, die Schiitenmiliz von der Grenze zu vertreiben, damit rund 60.000 evakuierte Israelis in ihre Häuser zurückkehren können.

Am Dienstagabend griff der Iran dann Israel mit etwa 180 Raketen an. Im ganzen Land wurde Luftalarm ausgelöst, Millionen Menschen harrten in Bunkern und Schutzräumen aus. Die meisten Geschosse konnten allerdings abgefangen werden - größere Schäden gab es nicht.

Zweiter iranischer Angriff auf Israel

Es war bereits der zweite Angriff des Irans auf Israel in diesem Jahr. Die Frage, die sich nun viele stellen: Wie geht es weiter? Wie wird die israelische Regierung reagieren? Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte bereits Vergeltung an.

Dass sich der Konflikt intensivieren könnte, hielt der Militärexperte Carlo Masala am Mittwochabend bei "Markus Lanz" für durchaus möglich. Er warnte in der Sendung vor einer "unkontrollierbaren Eskalation", in der die beteiligten Akteure in einen umfassenden Krieg hineingeraten, ohne es eigentlich zu wollen.

  • Der Iran hatte Israel am Dienstag mit zahlreichen Raketen angegriffen
  • Mehr als 100 ballistische Raketen gingen in mehreren Landesteilen nieder
  • Ein Todesopfer gab es im Westjordanland und zwei Verletzte in Tel Aviv
  • Inzwischen können Menschen die Bunker wieder verlassen, Israels Armee gab am späteren Abend vorerst Entwarnung
  • Bei einem separaten Terrorangriff in Tel Aviv starben am Abend mindestens sechs Menschen


Masala zieht "Schlafwandler"-Vergleich

Der Politikwissenschaftler von der Universität der Bundeswehr München zog an dieser Stelle eine Parallele zur Entstehungsgeschichte des Ersten Weltkrieges. Er mahnte, Israel, Hisbollah und der Iran könnte nun zu "Schlafwandlern" werden:

Wir haben diesen Angriff des Irans. Der Iran signalisiert jetzt seine defensiven Intentionen und im Prinzip sagt er: 'Das war's jetzt. Wenn wir aber angegriffen werden, dann werden wir hart zurückschlagen.'

Carlo Masala, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München

Wenn Israel nun wie angekündigt zurückschlagen werde, so Masala weiter, würde der Iran wiederum alle seine Verbündeten in Gang setzen. Am Ende dieser Spirale skizzierte Masala ein düsteres Worst-Case-Szenario für Israel: ein Krieg an fünf Fronten.

Iran-Angriff: "Nur zwölf Minuten Vorwarnzeit"

Im Vergleich zum ersten iranischen Angriff im April erkannte der Sicherheitsexperte in der jüngsten Attacke eine neue Qualität. Masalas Argument: Im Frühjahr seien vom iranischen Militär vor allem Drohnen mit langer Flugzeit eingesetzt worden.

Zudem sei die Attacke seitens Teheran vorher angekündigt worden, so dass Israel sowie seine Verbündeten Zeit hatten, auf den Angriff zu reagieren, sagte der Politikwissenschaftler.

Beim Angriff am Dienstag zeigte sich Masala zufolge ein anderes Bild: Der Iran setzte dabei ballistische Raketen ein - dementsprechend deutlich kürzer war die Flug - und damit auch die Vorwarnzeit. Eine entscheidende Rolle hätten auch die USA gespielt: Erst durch deren Satelliten sei man gewarnt worden, "dass die Iraner was vorbereiten."

Auch, weil nun drei Militärflugplätze und das Mossad-Hauptquartier Angriffsziele des Irans waren, sprach für den Sicherheitsexperten wenig dafür, nur von "einem symbolischen Angriff" zu sprechen.

Nimmt Israel iranisches Atomprogramm ins Visier?

Ein potenzielles Ziel Israels könnten nun die iranischen Atomanlagen sein. Diese betrachtet die israelische Regierung seit Jahren als existenzielle Bedrohung. Die Hauptsorge: Der Iran könnte in Kürze fähig sein, eigene Atomwaffen zu entwickeln.

In der Vergangenheit standen vor allem Mitarbeiter und Experten des Atomprogramms im Fadenkreuz des Israelis, sagte Politikwissenschaftlerin Bente Scheller. Das Atomprogramm selbst zu treffen, hielt die Nahost-Expertin allerdings für schwierig.

Eine Einschätzung, die Masala teilte: "Wir haben es mit unterirdischen Anlagen zu tun, die sehr gut gehärtet sind." Statt auf einen gezielten Schlag müsste das israelische Militär auf viele Angriffswellen setzen: "Es ist nichts, was sie in einer Nacht machen können", so der Experte.

Biden gegen Angriff auf iranische Atomanlagen

Schon beim Hisbollah-Hauptquartier in Beirut sei zu sehen gewesen, welch immenser Aufwand nötig war, um es zu zerstören: "Da haben die Israelis mehr als 80 Bomben geworfen", gab Masala zu bedenken.

Und er ergänzte, für einen etwaigen Angriff auf die Atomanlagen des Mullah-Staates hätte Israel keine Rückendeckung der USA. US-Präsident Joe Biden hatte dies explizit abgelehnt.

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