Warum Kharg für Iran so wichtig ist und eine Eroberung riskant wäre

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Irans Insel ist das Herz der Ölindustrie:Warum Kharg so wichtig ist - und eine Eroberung riskant wäre

Oliver Klein

von Oliver Klein

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Die Insel Kharg ist für Iran die zentrale Öldrehscheibe. Eine Zerstörung oder Eroberung würde das Land von Einnahmen abschneiden - wäre aber riskant für die USA. Ein Überblick.

Karte der Insel Kharg

Die USA haben laut Präsident Donald Trump militärische Ziele auf der iranischen Insel Kharg angegriffen. Über die Insel laufen rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte.

14.03.2026 | 1:38 min

Die iranische Insel Kharg war bisher vom aktuellen Krieg weitgehend verschont geblieben. Nun flog die US-Luftwaffe einen Großangriff und zerstörte nach Angaben von US-Präsident Donald Trump iranische Militäranlagen - nicht jedoch die dortige Ölinfrastruktur. Ausschließen will Trump das für die Zukunft aber nicht.

Warum ist Kharg für das iranische Regime so wichtig? Was will Trump mit den Angriffen erreichen - und welche Risiken würde eine Eroberung durch die USA bergen? ZDFheute beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Die Sorge darüber, welchen Plan die USA in Iran verfolgen, habe sich in den letzten zwei Wochen verbreitert, so ZDF-Korrespondentin Zimmermann nach der Norwegen-Reise von Merz.

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Welche Bedeutung hat die Insel Kharg für Iran?

Kharg liegt im Persischen Golf, etwa 30 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Auf einer Fläche von rund 20 Quadratkilometern prägen Ölterminals, Öltanklager, Kraftwerke und Entsalzungsanlagen das Bild. Kharg ist seit Jahrzehnten das wichtigste Exportterminal des iranischen Ölsektors, etwa 90 Prozent der iranischen Erdölausfuhren werden über die Insel abgewickelt.

Ein Großteil des von Kharg aus verschifften Öls geht nach China. Die dadurch generierten Einnahmen sind überlebenswichtig für das Regime in Teheran. So gilt Kharg als Lebensader der iranischen Wirtschaft - und gleichzeitig als ihre entscheidende Schwachstelle.

Mao Ning, Sprecherin im chinesischen Außenministerium, beantwortet Fragen von Journalisten. China ist nach Angaben aus Peking im Vorfeld nicht über die US-Angriffe auf den Iran informiert worden.

Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.

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Was geschah beim US-Angriff auf Kharg?

Präsident Trump schrieb in seinem Netzwerk Truth Social, man habe "alle militärischen Ziele" auf Kharg "völlig zerstört" - er habe sich jedoch entschieden, "die Ölinfrastruktur auf der Insel nicht auszulöschen".

Nach Angaben des US-Regionalkommandos (Centcom) wurden mit einem groß angelegten Präzisionsschlag Lagerstätten für Seeminen, Raketenbunker und zahlreiche weitere militärische Einrichtungen zerstört. Den US-Streitkräften gelang es demnach, mehr als 90 iranische Militärziele zu treffen, ohne dabei die Ölinfrastruktur zu beschädigen. Laut Militärexperten ist die Insel jetzt ohne militärischen Schutz. 

Was will US-Präsident Trump mit den Angriffen erreichen?

US-Präsident Trump will Iran offenbar dazu zwingen, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder zuzulassen. Aus "Anständigkeit" habe er die Ölinfrastruktur der Insel verschont, schrieb er bei Truth Social.

Zugleich drohte er: "Sollte jedoch Iran oder jemand anderes etwas unternehmen, um die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus zu behindern, werde ich diese Entscheidung sofort überdenken."

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Welche Folgen hätte ein Angriff auf die Öl-Infrastruktur?

Eine Zerstörung der Ölanlagen Khargs würde den Ölexport laut Experten praktisch stoppen und Iran damit seine zentrale Einnahmequelle verlieren. Das Land könnte kaum noch Gehälter für seine Beamten und Soldaten zahlen, wäre womöglich "wirtschaftlich ausgeschaltet", wie es der pensionierte US-Generalleutnant Keith Kellogg in einem Interview beim US-Sender "Fox News" formulierte.

Weil die Insel für das Regime von existenzieller Bedeutung ist, droht es mit massiven Vergeltungsschlägen, wenn die USA die Ölanlagen Khargs zerstören oder einnehmen wollten: Der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge habe Iran gewarnt, dass bei einem Angriff auf Irans Energieinfrastruktur "die gesamte regionale Öl- und Gasinfrastruktur, an der die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten ein Interesse haben, in Brand gesteckt und zerstört" werde.

Experten warnen vor den Konsequenzen für den Weltmarkt, wenn kein Öl mehr über Kharg fließt:

Wenn man die Infrastruktur von Kharg ausschaltet, nimmt man zwei Millionen Barrel pro Tag für immer vom Markt.

Dan Pickering, Investmentchef bei Pickering Energy Partners

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Zur Einordnung: Die weltweite Ölproduktion lag vor dem Krieg bei gut 100 Millionen Barrel täglich. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases wird über die Straße von Hormus verschifft. Weil die Golfstaaten diese Route derzeit praktisch nicht nutzen können, haben sie nach Angaben der Internationalen Energiebehörde (IEA) ihre gesamte Ölproduktion bereits um mindestens zehn Millionen Barrel pro Tag reduziert.

Schiffe mit iranischem Rohöl können die Straße von Hormus derzeit weiterhin passieren - laut Tanker-Trackingdaten exportiert Iran derzeit sogar etwas mehr Öl als vor dem Krieg, vor allem nach China. Doch wenn diese Exporte wegfallen, könnte das zusätzliche Auswirkungen auf die ohnehin schon hohen Weltmarktpreise haben: Experten haben vorausgesagt, dass dies die Ölpreise, die bereits bei über 100 Dollar pro Barrel liegen, auf bis zu 150 Dollar pro Barrel steigen lassen könnte.

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Können die USA Kharg nicht einfach erobern?

Auch eine Eroberung Khargs wäre riskant. Militärexperten warnen, dass Kharg für die USA zu einer strategischen Falle werden könnte: US-Truppen wären auf der Insel permanenten asymmetrischen Bedrohungen durch iranische Drohnen, Raketen und Schnellboote ausgesetzt.

Ob die USA die Insel dauerhaft halten und zugleich die Industrieanlagen unter Kriegsbedingungen betreiben könnten, ist fraglich. Ein wesentlicher Teil des Öls kommt über Pipelines von Feldern auf dem iranischen Festland, über die die USA dann auch die Kontrolle haben müssten. Zudem habe Iran bereits im Krieg gegen den Irak gelernt, Exportausfälle durch alternative Terminals abzufedern, wie es in einer Analyse des Onlineportals "The Defense Post" heißt.

Mit Material von dpa, Reuters

Über die Lage in Iran berichtete das ZDF unter anderem im heute journal Update am 14.03.2026 ab 00:30 Uhr und in der ZDFheute Xpress ab 12:35 Uhr.

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