Iran-USA Gespräche gescheitert: Experte sieht Eskalationsfalle

Ergebnislose Gespräche mit Iran:Nahost-Experte Schneider: USA sitzen in "Eskalationsfalle"

Katia Rathsfeld

von Katia Rathsfeld

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Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen Iran und den USA sieht Nahost-Experte Schneider Washington in einer Eskalationsfalle. Er warnt vor neuen Risiken im Konflikt.

Nahost-Experte Marcus Schneider in einem Zimmer

Das Interview in voller Länge.

12.04.2026 | 19:27 min

Die Verhandlungen zwischen Iran und den USA unter Vermittlung Pakistans zogen sich bis in die frühen Morgenstunden. Doch es wurde keine Einigung erzielt. Der Nahost-Experte Marcus Schneider von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung betont im Interview mit ZDFheute live, dass die Amerikaner das Wesen des Regimes in Iran verkannt hätten. Es sei in einem Überlebenskampf bereit dazu, viel zu ertragen, ohne klein beizugeben.

Die USA auf der anderen Seite wollten, dass das Regime kapituliert. "Und das lässt sich eben nicht durchsetzen."

Das heißt, die USA sitzen jetzt in einer Art Eskalationsfalle.

Marcus Schneider, Nahost-Experte

12.04.2026, Pakistan, Islamabad: US-Vizepräsident JD Vance (r) spricht während einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Vertretern aus Pakistan und Iran, während Jared Kushner (l) und Steve Witkoff, Sonderbeauftragter für Friedensmissionen, zuhören.

Das Interview mit Schneider in voller Länge.

12.04.2026 | 1:14 min

Schneider: USA konnten Ziele militärisch nicht durchsetzen

Da die USA auf die Kapitulation des Iran gesetzt hätten und es auf militärischem Wege nicht hätten durchsetzen können, versuchten sie es jetzt auf dem Verhandlungsweg, betont Schneider.

Der Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Beirut nennt im Interview auch Möglichkeiten zur Lösung des Konflikts. Um ein für den Iran annehmbares Angebot vorzulegen, müssten die USA anerkennen, dass das Kriegsziel eines Regime-Wechsels militärisch verfehlt worden sei, so Schneider.

Und das hat natürlich seinen eigenen Preis.

Marcus Schneider, Nahost-Experte

Denn es würde bedeuten, dass die Weltmacht USA gescheitert wäre an einer Mittelmacht im Persischen Golf. Und dass Iran der strategische Gewinner sei.

Das ist für Washington eigentlich nicht hinnehmbar.

Marcus Schneider, Nahost-Experte

Houthi supporters wave an Iranian flag and brandish a weapon during a solidarity rally with Iran following the US-Iran ceasefire deal, in Sana'a, Yemen, 10 April 2026.

Seit fast sechs Wochen greifen die USA und Israel Ziele in Iran an. Dennoch bleibt ein Sieg bisher aus und die USA kämpfen zunehmend mit steigenden Kriegskosten.

10.04.2026 | 2:33 min

Iran-Krieg kein "Venezuela-Spaziergang"

Insgesamt sähen sich die Iraner in einer besseren Position. "Und sie erkennen natürlich auch das amerikanische Dilemma." Die USA hätten anfangs geglaubt, der Iran-Krieg werde eine Art "Venezuela-Spaziergang". "Das ist es aber nicht geworden."

Und Washington wolle angesichts der anstehenden Fußball-WM, der hohen Spritpreise und der Midterm-Wahlen raus aus dem Iran-Krieg.

Die Amerikaner haben eigentlich keine Zeit, einen monatelangen Krieg zu führen. Sondern sie müssen eigentlich so schnell wie möglich aus diesem Krieg raus. Und damit kalkuliert das Regime.

Marcus Schneider, Nahost-Experte

Zudem drohe bei einem anhaltenden Krieg und der Blockade der Straße von Hormus eine globale Weltwirtschaftskrise, möglicherweise eine Finanzkrise, sagt der Experte im ZDF.

Die einzige Möglichkeit für ein schnelles militärisch herbeigeführtes Kriegsende sei es, eine Art Bodeninvasion zu starten. Dazu bräuchte man laut Schneider mindestens 100.000 Soldaten. Doch die Amerikaner hätten eine sehr geringe Toleranz für eigene Verluste.

ZDF-Reporterin Phoebe Gaa vor einer Wiese mit Bäumen und einem weißen Gebäude in Islamabad

Das Interview mit Gaa in voller Länge.

12.04.2026 | 11:23 min

ZDF-Korrespondentin: Delegationen wollten Gesprächen "Stempel aufdrücken"

ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa war während der Verhandlungen in Islamabad und berichtet rückblickend von einem "Auf und Ab".

Allen Beteiligten war klar, wie viel auf dem Spiel steht, und auch wie weit die Positionen der Iraner und der Amerikaner auseinanderlagen.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin

Ihrer Einschätzung nach gab es bei den Verhandlungen "von beiden Seiten den Willen, zu einer Einigung zu kommen. Allerdings auch unter sehr verhärteten Voraussetzungen". So hätten beide Seiten vorab nochmal Maximalforderungen aufgestellt oder bekräftigt. Aus den Statements vom Sonntag höre man jedoch auch heraus, dass beide Delegationen davon ausgegangen seien, dass sie den Gesprächen "ihren Stempel aufdrücken" könnten.

Grafik der Straße von Hormus

Quelle: ZDF

Auch sie sieht die Blockade der Straße von Hormus als wichtigen Faktor für die Haltung der Iraner. Sie hätten das Gefühl, eine zusätzliche Einnahmequelle gefunden zu haben, etwa durch geplante Gebühren.

Ganz klar ist, dass den Iranern jetzt wirklich bewusst geworden ist, welchen Schatz oder welches Druckmittel, besser gesagt, sie da in der Hand halten.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin

Das Interview führte Ralph Szepanski.

Über das Thema berichtete ZDFheute live am 12.04.2026 ab 10 Uhr.
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