Polizei geht mit Tränengas vor:Proteste gegen Prüfungsbetrug: Indiens Jugend gegen Modi
Tränengas und Schlagstöcke vor Indiens Parlament: Tausende Menschen protestieren gegen mutmaßlichen Betrug bei Uni-Prüfungen - der größte Protest in Neu Delhi seit fünf Jahren.
Tausende Menschen haben in Indiens Hauptstadt gegen Premierminister Modi protestiert. Sie forderten seinen Rücktritt und den des Bildungsministers Pradhan. Auslöser sind Vorwürfe von Korruption.
20.07.2026 | 0:20 minDie indische Polizei ist am Montag in Neu Delhi mit Tränengas und Schlagstöcken gegen tausende Demonstranten vorgegangen, die vor dem Parlament gegen mutmaßlichen Betrug bei Universitätsprüfungen protestieren und den Rücktritt des Bildungsministers fordern wollten. Die überwiegend jungen Menschen brachten sich rennend in Sicherheit, als Polizisten Tränengasgranaten abfeuerten, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.
Die Demonstrierenden fordern den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan, nachdem unter anderem der Fragenkatalog für den Medizinertest vorab bekannt geworden war und es technische Pannen bei Prüfungen gegeben hatte. Es handelte sich um einen der größten Proteste in der indischen Hauptstadt seit fünf Jahren.
Politisches Ventil oder reale Gefahr für Indiens Regierung? Die "Kakerlaken-Partei" kam vom Internet auf die Straße und fordert nun Maßnahmen gegen Korruption und Reformen.
06.06.2026 | 1:59 minDemonstranten werfen Indiens Regierung Korruption vor
Mehr als zwei Millionen Bewerber mussten den Test wiederholen. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption und Betrug vor. Befeuert wurde der Unmut zuletzt noch durch das Vorgehen der Behörden gegen den hungerstreikenden Aktivisten Sonam Wangchuk. Er war am Samstag gegen seinen Willen ins Krankenhaus gebracht worden.
Dazu aufgerufen hatte die kürzlich im Internet gegründete Protestbewegung Kakerlaken-Partei, nachdem der prominente Aktivist Sonam Wangchuk, der zur Unterstützung der jungen Bevölkerung und der "Kakerlaken-Partei" in einen Hungerstreik getreten war, mit Gewalt in ein Krankenhaus gebracht worden war. Die im Mai gegründete Partei Cockroach Janta Party (CJP) zählt inzwischen in Onlinenetzwerken zwei Millionen Follower.
Anhänger der Cockroach Janta Party (CJP) halten Plakate während eines Protests, der vom Allindischen Studentenverband (AISA) organisiert wurde.
Quelle: AFPRegierung zeigt wohl Kooperationsbereitschaft
"Unser Land verdient eine Regierung, die sich darum kümmert, was die jungen Menschen zu sagen haben, und bereit ist, ihre Fehler zu korrigieren", sagte der 18-jährige Demonstrant Sumit Kumar.
Die Zukunft gehört uns und nicht diesen Politikern.
Sumit Kumar, 18-jähriger Demonstrant
Nachdem die Proteste einige Stunden angedauert hatten, teilte die CJP mit, die Regierung zeige Kooperationsbereitschaft: Gesundheitsminister J.P. Nadda habe um Zeit gebeten, um die Forderungenen der CJP innerhalb der Regierung zu besprechen. Nadda selbst erklärte nach einem Treffen mit zwei Anführern der "Cockroach"-Bewegung, er habe alle Demonstranten aufgefordert, ihren Sitzstreik zu beenden und die Behörden bei der Rückkehr zur Normalität zu unterstützen.
Nachdem der Oberste Richter des Landes junge Arbeitslose mit Kakerlaken verglich, protestieren Millionen überwiegend junge Menschen gegen fehlende Jobs.
26.05.2026 | 1:46 minWas sind die Forderungen der Kakerlaken-Bewegung?
Zu den Forderungen der Bewegung gehören die Freilassung des Aktivisten Wangchuk, der Rücktritt von Bildungsminister Pradhan sowie eine Entschädigung von jeweils zehn Millionen Rupien (umgerechnet gut 90.000 Euro) für jeden Studienbewerber, der sich das Leben genommen hat. In den Medien wird deren Zahl auf etwa ein Dutzend geschätzt. Die Bewegung teilte zudem mit, dass sich ihr Gründer Abhijeet Dipke weder in Gewahrsam noch in Haft befinde. Damit stellte sie eine frühere Erklärung richtig, wonach er von der Polizei festgenommen worden sei.
Experten zufolge spiegelt der Zulauf für die CJP, die im Internet rasch Millionen von Anhängern gewann, die wachsende Frustration junger Inder wider. Neben den Skandalen um Prüfungen treibt sie vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit um. Regierungsdaten zufolge lag die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 29-Jährigen im Jahr 2025 bei 9,9 Prozent, in städtischen Gebieten sogar bei 13,6 Prozent.
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