US-Bundesstaat Tennessee:Pike nach gescheiterter Hinrichtung in kritischem Zustand
In Tennessee ist die verurteilte Mörderin Christa Pike nach einer gescheiterten Hinrichtung in einem kritischen Zustand. Sie hatte zwei Giftspritzen überlebt.
Christa Pike sollte am Mittwoch im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Die Verabreichung des tödlichen Mittels führte allerdings nicht zum Tod – sie überlebte zwei Giftspritzen.
01.10.2026 | 1:28 minNach einer gescheiterten Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee befindet sich die zum Tode verurteilte Christa Pike ihren Anwälten zufolge in kritischem Zustand. Ihnen sei gesagt worden, dass Pike lebensrettende medizinische Behandlung erhalte, teilten ihre Anwälte in einer Pressekonferenz mit.
Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Wie Pikes Prognose ist und welche gesundheitlichen Folgen sie davontragen könnte, ist bislang unklar.
Pike sollte mit Giftspritze hingerichtet werden
Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten Pike noch lange atmen und nach Luft ringen gehört.
Im vergangenen Jahr wurden laut Amnesty International rund 2.700 Todesstrafen vollstreckt – ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich zu 2024 und so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr.
18.05.2026 | 1:37 minEiner ihrer Anwälte sagte später, er habe sie nach der ersten Dosis sogar noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.
Pikes Anwalt Randy Spivey sagte, das Personal habe etwa eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen.
Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln.
Randy Spivey, Pikes Anwalt
Behörde: Alle Richtlinien eingehalten
Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Diese sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor.
Nach Angaben des unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist schon zuvor abgebrochen worden.
Die Häftlinge des umstrittenen Gefangenenlagers Guantánamo hätte man "längst hinrichten sollen", forderte US-Verteidigungsminister Hegseth im Juni. Von 15 Häftlingen wurden bisher nur zwei verurteilt.
11.06.2026 | 0:23 minAnwälte warnten vor Komplikationen
Ein Berufungsgericht hatte die geplante Hinrichtung am Mittwoch zunächst gestoppt. Tennessee zog daraufhin vor den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub am Abend wieder auf und machte damit den Weg für die Hinrichtung frei.
Unabhängig von diesem juristischen Tauziehen hatten Pikes Verteidiger schon seit Monaten auch vor möglichen Problemen bei der Hinrichtung selbst gewarnt. Nach ihren Angaben hat Pike kleine und schwer zugängliche Venen. Sie hatten zudem Bedenken gegen die Richtlinie zur Hinrichtung und die medizinische Versorgung für den Fall von Komplikationen erhoben und waren gerichtlich gegen Tennessees Verfahren mit der Giftspritze vorgegangen. Ein Gericht hatte die Einwände zurückgewiesen.
Christa Pike wurde 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt.
Gouverneur Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Hinrichtungstermin dennoch ab. Es ist offen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken.
Quelle: dpa
Nach dem gescheiterten Versuch erklärten Pikes Anwälte, einige der zuvor beschriebenen Befürchtungen hätten sich nun bewahrheitet. Sie warfen dem Staat mangelnde Transparenz vor. Anwalt Spivey sagte, die Vorhänge zum Zeugenraum seien über längere Zeit geschlossen gewesen; zudem habe es Minuten gedauert, telefonisch Kontakt zu weiteren Anwälten aufzunehmen.
Erneut gescheiterte Hinrichtung in Tennessee
Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.
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