Tennessee: Frau überlebt Giftspritze, Hinrichtung abgebrochen

Transport in Krankenhaus angeordnet:Tennessee: Frau überlebt Giftspritze, Hinrichtung abgebrochen

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Die erste Exekution einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren sorgt für Kritik. Christa Pike überlebte zwei Giftspritzen. Nun wird sie im Krankenhaus behandelt.

Einsatzfahrzeuge verlassen die Riverbend Maximum Security Institution, nachdem die Hinrichtung von Christa Pike am Mittwoch, dem 30. September 2026, in Nashville, Tennessee, gestoppt wurde.

Christa Pike sollte am Mittwoch im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Die Verabreichung des tödlichen Mittels führte allerdings nicht zum Tod – sie überlebte zwei Giftspritzen.

01.10.2026 | 1:28 min

Bei der Vollstreckung der ersten Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee ist es zu Komplikationen gekommen. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte laut Darstellung ihrer Verteidiger auch noch nach der Verabreichung zweier Giftspritzen.

Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche.

aus einem Gerichtsdokument

Pike wird in Krankenhaus behandelt

Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.

Nach Angaben von Pikes Anwälten wird sie in dem Krankenhaus behandelt. Ihr Zustand sei ihnen nicht mitgeteilt worden, so Pikes Verteidiger.

Augenzeugin: "Eindeutig sehr lebendig"

Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Pike nach dem Verabreichen einer Giftspritze weiter atmete. Eine Journalistin der Nachrichtenagentur Associated Press, Kim Chandler, sagte dem Sender CBS News, dass Pike zu Beginn der versuchten Hinrichtung noch bei Bewusstsein war:

Irgendwann fragte sie die Vollzugsbeamten, ob sie sich denn so fühlen solle.

Kim Chandler, Augenzeugin und Journalistin

Nachdem sich die Vorhänge der Todeskammer schlossen, sei zu hören gewesen, wie Pike "laut schnarchte" und "eindeutig sehr lebendig" gewesen sei, so Chandler. Die anwesenden Medienvertreter seien dann aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen.

Erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren

Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.

Symbolbild: Die Todeszelle in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Texas

Im vergangenen Jahr wurden laut Amnesty International rund 2.700 Todesstrafen vollstreckt – ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich zu 2024 und so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr.

18.05.2026 | 1:37 min

Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Kritik von Richterinnen am Entscheid

Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Pike wurde 1996 wegen Mordes zum Tode verurteilt

Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe.

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

Staat Tennessee mit Eilantrag erfolgreich

In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.

Amnesty International: Todesstrafe muss abgeschafft werden

Der Fall Pike zeige erneut, dass es keine humanen Hinrichtungsmethoden gebe, teilt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, mit. Auch die Giftspritze stelle eine "grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe" dar.

Pikes Kindheit sei von schwerem Missbrauch und Vernachlässigung geprägt worden. "Gutachten stellten bei ihr unter anderem eine bipolare Störung, eine posttraumatische Belastungsstörung und eine seit der Geburt bestehende Schädigung des Frontallappens fest und bewerteten ihre traumatischen Kindheitserfahrungen als extrem. Staatliche Stellen gewährten ihr trotz Kenntnis ihrer Situation keinen ausreichenden Schutz."

Die Todesstrafe werde laut Durchrow von Willkür, Diskriminierung und Justizirrtümern begleitet. Sie müsse überall abgeschafft werden, so die Forderung.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 01.10.2026 um 10:49 Uhr im Beitrag "USA: 50-Jährige überlebt Giftspritze".
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