Rassismus-Debatte in Großbritannien:Tod eines 18-Jährigen: Bodycam-Aufnahmen empören Briten
Im Dezember vergangenen Jahres wurde der Student Henry Nowak niedergestochen. Nun befeuern veröffentlichte Bodycam-Aufnahmen eine Rassismus-Debatte um den Fall.
In Großbritannien wurde 2025 der 18-jährige Student Henry Nowak durch eine Messerattacke getötet. Bodycam-Aufnahmen der Polizei sorgen nun für Empörung und Kritik am Vorgehen der Polizei.
03.06.2026 | 1:19 minDie Bodycam-Aufnahmen von einem Polizeieinsatz nach einem Messerangriff im vergangenen Jahr in Southampton sorgen in Großbritannien für Empörung. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 18-jährige Student Henry Nowak nach dem Angriff am Boden liegend stirbt - während die Polizisten ihm nicht helfen, sondern ihm stattdessen Handschellen angelegt haben. Dabei ruft der Student mehrmals "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen").
Nowak war im Dezember 2025 auf dem Nachhauseweg von dem 23 Jahre alten Vickrum Digwa niedergestochen worden. Digwa gehört der Glaubensgemeinschaft der Sikh an. Als die Polizei am Tatort eintraf, belog Digwa die Beamten und erklärte, der Weiße Nowak habe ihn rassistisch beleidigt.
Auf den im Prozess gegen Digwa gezeigten Bodycam-Aufnahmen war zu sehen, wie die eintreffenden Polizisten dem Messer-Angreifer glaubten und dem schwer verletzten Opfer Handschellen anlegten. Zwar erklärte Nowak, dass auf ihn eingestochen worden war, doch die Polizisten antworteten: "Wo denn? Ich glaube das nicht!"
Nachdem sich die Briten für einen Brexit entschieden haben, wächst die Angst der europäischen Ausländer in England. Denn es gibt immer öfter rassistisch motivierte Angriffe auf sie.
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In der Folge rief der Student mehrmals "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen!"), was an die letzten Worte des schwarzen US-Bürgers George Floyd erinnert. Floyd war 2020 bei einem brutalen Polizei-Einsatz von einem weißen Beamten getötet worden und hatte - ebenfalls am Boden liegend - immer wieder "I can't breathe" gesagt. Im Anschluss hatte es in den USA und vielen anderen Ländern eine Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt unter dem Motto "Black Lives Matter" gegeben.
Der Prozess gegen Digwa ging am Montag mit der Verhängung einer lebenslangen Haftstrafe gegen den 23-Jährigen zu Ende. Das Video des Polizeieinsatzes war im Laufe des Prozesses an die Öffentlichkeit gelangt. Die Aufnahmen wurden vielfach in Onlinediensten geteilt und kommentiert, unter anderem auch von US-Milliardär Elon Musk, der den Angehörigen des Opfers Geld für eine Privatklage gegen die Polizei anbot.
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Nigel Farage, forderte am Dienstag ein Ende "anti-weißer Vorurteile". Er warf Premierminister Keir Starmer vor, sich nach dem Tod von George Floyd mit der "Black Lives Matter"-Bewegung solidarisiert zu haben - nach Nowaks Tod aber habe Starmer geschwiegen.
Während Zehntausende in London gegen Starmers Regierung protestieren, kündigt Ex-Gesundheitsminister Streeting an, als seine mögliche Nachfolge kandidieren zu wollen.
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"In diesem Land zählen die Rechte der Weißen weniger als die der ethnischen Minderheiten", fügte Farage hinzu. Starmer hatte im Onlinedienst X am Montag von einem "schrecklichen, schockierenden Fall" gesprochen. Es sei richtig, dass eine unabhängige Aufsichtsbehörde das Verhalten der Polizei untersuche, fügte er hinzu.
Der liberaldemokratische Abgeordnete Max Wilkinson warf Farage hingegen vor, "eine Tragödie dazu auszunutzen, um Gemeinschaften in Großbritannien auseinanderzubringen". Das sei "spaltend, gefährlich und fundamental unbritisch", so Wilkinson.
Es wurden "zum Teil auch Hotels abgefackelt". Diese "neue Qualität" der Proteste habe man "in Großbritannien bisher noch nicht gesehen", erklärte Rechtsextremismus-Experte Prof. Peter Neumann während der Ausschreitungen 2024.
06.08.2024 | 4:51 minUnterdessen versammelten sich am Dienstag vor einem Polizeigebäude in Southampton mehr als tausend Menschen, unter ihnen auch der bekannte rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson. Robinson hatte eine unrühmliche Rolle beim Anheizen rassistischer Ausschreitungen im Sommer 2024 gespielt. Damals wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert.
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