Über 200 Schulen blockiert:Zehntausende Schüler protestieren in Frankreich
In Frankreich sind erneut Zehntausende Schüler auf die Straßen gegangen. Sie fordern mehr Investitionen der Regierung in Schulen und Bildung. Die macht ihnen jedoch wenig Hoffnung.
Schüler demonstrieren in Rennes (Frankreich) gegen die unzureichende Ausstattung von Schulen.
Quelle: Jeremias Gonzalez / APIn zahlreichen Städten in Frankreich haben Schüler und Studenten am Dienstag erneut für eine bessere Ausstattung von Schulen und bessere Lernbedingungen demonstriert. Bei Protestmärschen und Kundgebungen in Paris und anderen Großstädten erhielten sie Unterstützung von Bildungsgewerkschaften.
Landesweit seien mehr als 200 Lycées blockiert worden, berichtete das Bildungsministerium, das von einem schrumpfenden Rückhalt für die seit über zwei Wochen andauernden Proteste sprach. Einem Streikaufruf seien nur wenige Beschäftigte gefolgt. Das Lycée entspricht als Schulform der gymnasialen Oberstufe.
Landesweit demonstrieren Schüler für bessere Lernbedingungen. Ihre Forderungen werden von Lehrkräften und Gewerkschaften unterstützt.
06.10.2026 | 2:03 minTränengas in Nantes, Wasserwerfer in Paris
Polizisten und Demonstranten gerieten wie schon bei vorangegangenen Protesten in einigen Städten aneinander. In Nantes setzte die Polizei zum Ende einer Kundgebung Tränengas ein. In Lyon ging die Polizei gegen eine Gruppe schwarz gekleideter Randalierer am Rande des Demonstrationszuges vor, an dem sich rund 11.000 Menschen beteiligten.
In Paris setzte die Polizei nach eigenen Angaben Wasserwerfer und Tränengas gegen Randalierer im Umfeld eines Demonstrationszuges ein, die sie mit Gegenständen beworfen sowie Geschäfte und Cafés beschädigt hatten. Außerdem hätten Demonstranten Brände entfacht und versucht, Barrikaden zu errichten und ein Seil über den Boden gespannt, um das Vorrücken der Polizeibeamten zu behindern. Ein geparktes Auto wurde in Brand gesetzt.
An den Demonstrationen beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 161.500 Menschen, wobei allein bei zwei Protestzügen in Paris 41.500 Menschen dabei waren. Die Gewerkschaften sprachen von landesweit 480.000 Teilnehmern.
Greta Thunberg unterstützt Schulprotest
Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mischte sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten. "Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen, was jungen Menschen einfach signalisiert, dass sie in unserer Gesellschaft keine Priorität haben", sagte Thunberg vor Journalisten.
Die Schulproteste seien klar von denen linksextremer Gruppen zu trennen, sagt Politikwissenschaftler Ross. Auch sozial schwache, gewaltbereite Jugendliche mischten sich unter die Demonstranten.
02.10.2026 | 12:09 minRegierung steht unter Sparzwang
Vor dem Hintergrund, dass Frankreichs Staatsverschuldung inzwischen auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen ist und Premier Sébastien Lecornu gerade erst einen Haushalt mit Milliardeneinsparungen vorgelegt hat, dürfte es ein Kraftakt werden, die protestierenden Schüler zufriedenzustellen.
Bislang sind im Budget für das kommende Jahr 1,2 Milliarden Euro an Mehrausgaben für Bildung vorgesehen. Außerdem sagte die Regierung kurzfristig mehr als 3.000 Vertretungslehrer zu, um den ärgsten Unterrichtsausfall zu bekämpfen.
Die Regierung kann die Forderungen der Schüler nach besseren Lernbedingungen nicht einfach erfüllen. Der Premierminister gestand ein, Frankreich müsse sein Haushaltsdefizit begrenzen.
08.10.2026 | 2:10 minAuch Protest gegen Verteilsystem von Studienplätzen
Die Schüler fordern jedoch zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen, wo häufig Fenster kaputt und Decken in Klassenzimmern herabgestürzt sind. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die Schüler mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Viele Schüler leiden auch unter Notendruck. Sie verlangen, dass das Verteilsystem für Studiengänge und Ausbildungen abgeschafft wird, das als komplex und intransparent gilt.
Demonstrierende in Paris: "Wenn wir brennen, brennt ihr mit uns."
Quelle: Firas Abdullah / epaGewaltsame Ausschreitungen und Vorwürfe gegen Polizei
Die Proteste haben in Frankreich nicht nur wegen ihrer Länge für Aufsehen gesorgt, sondern vor allem wegen der mitunter gewalttätigen Ausschreitungen. Immer wieder gab es Berichte über angegriffene Einsatzkräfte und Lehrpersonal. 147 Schulbeschäftigte wurden seit Start der Proteste verletzt, teilte das Bildungsministerium mit. Tausende junge Leute wurden bei den Protesten festgenommen.
Zugleich wurde das Vorgehen der Polizei teils als rabiat kritisiert und es gab den Vorwurf von Polizeigewalt. Mittlerweile laufen Dutzende interne Verfahren gegen Beamte.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu den Schülerprotesten in Frankreich
- FAQ
Regierung unter Druck:Schülerproteste in Frankreich: Warum die Lage eskaliert
mit Video27:09 - Interview
Schülerproteste in Frankreich:Soziologin: Proteste "Symbol einer verzweifelten Jugend"
mit Video2:03 Hunderttausende auf Frankreichs Straßen:Schulproteste weiten sich aus - Macron ruft zu Krisensitzung
mit Video0:21Fast jede dritte Schule betroffen:Schulprotest in Frankreich eskaliert: Fast 2.000 Festnahmen
mit Video1:33