Fast jede dritte Schule betroffen:Schulproteste in Frankreich eskaliert: Fast 2.000 Festnahmen
In Frankreich arten Schulproteste aus. Inzwischen sind die teils gewaltsamen Ausschreitungen zum Politikum geworden. Es gibt massive Vorwürfe - und die Regierung steht unter Druck.
Lehrermangel, volle Klassen, marode Gebäude: Die Ausstattung von Schulen in Frankreich ist schlecht. Daher wächst der Protest. Mehr als 300 Einrichtungen sind von Protestaktionen betroffen.
30.09.2026 | 1:33 minDie Schülerproteste in Frankreich haben am Donnerstag einen heftigen Streit darüber ausgelöst, ob die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI) hinter der Bewegung steht. Die Regierung berief sich dabei auf Geheimdiensterkenntnisse, die LFI wies den Vorwurf zurück. Bis in die Abendstunden wurden nach Angaben des Innenministeriums 1.949 Menschen festgenommen, 305 Polizisten und Gendarmen wurden demnach verletzt.
Innenminister: Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte geschossen
Innenminister Laurent Nuñez verurteilte eine "ungezügelte Gewalt". Die Lage habe sich verschärft und habe "nichts mehr mit dem legitimen Ausdruck von Schülerforderungen" zu tun, erklärte er. Feuerwerkskörper seien auf Einsatzkräfte geschossen, öffentliche Gebäude angezündet und Geschäfte geplündert worden.
Nach Angaben des Innenministeriums waren am Donnerstag landesweit 1.027 der rund 3.700 weiterführenden Schulen von Protestaktionen betroffen - fast jede dritte. 222 Schulen wurden blockiert. Alle Départements Frankreichs waren von den Protesten betroffen.
An fast 340 Schulen in Frankreich haben Schüler gegen schlechte Ausstattungen an ihren Schulen protestiert. Teils wurden die Schulen blockiert, es gab mindestens 440 Festnahmen durch die Polizei.
30.09.2026 | 1:56 minGeheimdienste sprechen von "organisiertem Manöver"
Das Amt von Premierminister Sébastien Lecornu erklärte unter Berufung auf die Geheimdienste, die Protestbewegung sei "ein organisiertes Manöver der LFI und ihrer linksextremen Verbündeten". LFI-Koordinator Manuel Bompard wies dies zurück. Es handle sich um eine "spontane Protestbewegung angesichts unwürdiger Bedingungen im Schulwesen". Er forderte die Regierung auf, "nicht in Verschwörungstheorien zu verfallen".
LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon hatte der Regierung "Repression" vorgeworfen und erklärt, seine Partei habe zu "gewaltfreien Formen des Kampfes" aufgerufen. In einer Umfrage des Instituts Odoxa-Backbone für die Tageszeitung "Le Figaro" bezeichneten 62 Prozent der Befragten die Proteste als gerechtfertigt. Zugleich erklärten 61 Prozent, die LFI überschreite mit ihrer Beteiligung ihre Rolle.
Gewaltsame Proteste landesweit
Die Gewalt trat landesweit auf: Im westfranzösischen Nantes brannte die Eingangshalle einer Schule ab, im südfranzösischen Marseille wurden mehrere Busse und ein Feuerwehrauto in Brand gesetzt. Vor Schulen in Lille, Brest und Straßburg gingen Mülleimer in Flammen auf. Im Pariser Vorort Saint-Denis und an anderen Orten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. An mehreren Orten wurden Schulleiter verbal oder körperlich angegriffen. In Straßburg und Marseille setzten die Behörden den Straßenbahnverkehr zeitweise aus.
Chaotische Szenen während der Schülerproteste in Lille
Quelle: Jean-Francois Badias / dpaAuslöser der vor einer Woche begonnenen Proteste sind baufällige Gebäude, Lehrermangel, fehlende Materialien und lange Schultage. Zudem brechen sich ein allgemeiner Unmut und eine Politikverdrossenheit Bahn, vor allem in sozial benachteiligten Orten. Auch Studierende schlossen sich am Donnerstag an, rund 30 Hochschulstandorte wurden blockiert.
Frankreichs Premier Lecornu will wegen der Staatsverschuldung 56 Milliarden Euro sparen. Hohe Zinsen engen den Spielraum ein. Drohen neue Gelbwesten-Proteste mit Folgen für die gesamte EU?
22.09.2026 | 2:06 minLFI-Politiker zeigen sich vor blockierten Schulen
Die Proteste wurden schnell zum Politikum. Mehrere LFI-Politiker zeigten sich vor blockierten Schulen. Lecornu hatte LFI-Politikern bereits am Montag eine "unverantwortliche Eskalation" vorgeworfen. Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Bildungsministeriums 119 Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Aufsichtskräfte verletzt.
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