Kommunalwahlen in Frankreich:Paris, Marseille und Lyon wählen links
von Lukas Nickel
Etwa 1.500 Gemeinden haben in Frankreich bei den Kommunalwahlen abgestimmt. In Paris und Marseille gewinnen Linksbündnisse, die Rechtsnationalen scheitern in mehreren Großstädten.
Der Sozialist Emmanuel Grégoire, künftiger Bürgermeister von Paris, fuhr noch am Abend von seiner Wahlparty mit einem Vélib-Leihfahrrad bis vor das Rathaus - und gab im Fahren erste Interviews.
Quelle: AFPBei der Kommunalwahl in Frankreich ging es um eine Richtungsentscheidung in Paris: Bleibt die Stadt nach über 25 Jahren sozialistisch regiert, oder übernehmen die Konservativen das Rathaus? Umfragen vom Ende der Woche zufolge lagen die beiden Spitzenkandidaten eng beieinander: Der Sozialist Emmanuel Grégoire mit einem Linksbündnis aus Grünen und Kommunisten auf der einen Seite, und die konservative Rachida Dati auf der anderen Seite.
Seinen Sieg hat der Sozialist nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse medienwirksam mit einer Fahrradtour durch Paris gefeiert und stellt sich damit in das Erbe seiner bisherigen Bürgermeisterin und Parteikollegin Anne Hidalgo.
Linksbündnisse punkten in mehreren Großstädten
Auch in zwei weiteren Großstädten konnten sich Linksbündnisse durchsetzen: In Frankreichs zweitgrößter Stadt Marseille hat wie in Paris ein Linksbündnis um den amtierenden Bürgermeister Benoît Payan gewonnen. Hier machte sich vor allem der Gegenkandidat vom rechtsnationalen Rassemblement national (RN) Hoffnungen.
In Lyon hat der amtierende grüne Bürgermeister mit Unterstützung der Sozialisten und der Kommunisten gewonnen.
In einem Großprojekt in Marseille investiert die französische Regierung in Schulen, öffentlichen Nahverkehr und Sicherheit, um Armut und Drogenhandel zu bekämpfen. Der läuft trotzdem weiter.
25.02.2026 | 2:13 minFrankreichs radikale Linke La France Insoumise (LFI) hat nach dem Pariser Banlieue Saint-Denis im ersten Wahlgang auch die nordfranzösische Stadt Roubaix gewonnen. "Der Durchbruch bestätigt sich und verstärkt sich noch weiter", erklärte Parteisekretär Manuel Bompard am Abend. Laut Zahlen von der französischen Tageszeitung Le Monde hat LFI allerdings nur in insgesamt neun Gemeinden in ganz Frankreich gewonnen.
Im nordfranzösischen Le Havre setzte sich der frühere Premierminister Edouard Philippe durch und konnte seinen Bürgermeisterposten verteidigen. Damit bringt er sich auch als Präsidentschaftskandidat im kommenden Jahr als Kandidat des politischen Zentrums in Stellung. Der ehemalige Premierminister François Bayrou hingegen hat in Pau seine Wiederwahl als Bürgermeister nicht geschafft.
In Frankreich starb ein junger Rechtsradikaler bei einer Schlägerei mit Linksextremen. Die Linksaußenpartei LFI soll rhetorisch zur Gewalt beigetragen haben, so der Vorwurf rechter Parteien.
23.02.2026 | 2:10 minRassemblement national setzt sich in Großstädten nicht durch
Auch Frankreichs Rechte gibt sich zufrieden mit dem Ergebnis. Der Rassemblement National (RN) habe in der zweiten Runde der Kommunalwahlen "Dutzende von Gemeinden" gewonnen, erklärte Marine Le Pen im französischen Fernsehen. Sie sprach von einem gewaltigen Sieg für ihre Partei, die nun tausende Gemeinderäte mehr zähle. Auf X beanspruchte die Partei den Erfolg in mehreren mittelgroßen bis kleinen Gemeinden, unter anderem Carcassonne und Orange. Nizza hat mit Éric Ciotti einen RN-Verbündeten als Bürgermeister.
Ein erhoffter Achtungserfolg blieb allerdings aus. Die Partei konnte sich in zahlreichen Großstädten nicht durchsetzen, etwa in Nîmes und Toulon. Einzige Ausnahme bildet die südfranzösische Stadt Perpignan.
Villers-Cotterêts, eine Kleinstadt nordöstlich von Paris, hat nach zwei Amtszeiten RN eine parteilose Bürgerliste des politischen Zentrums gewählt.
In Paris beginnt das Berufungsverfahren der rechtsnationalen Marine Le Pen. Bei einer endgültigen Verurteilung droht ihr eine Haftstrafe und der Verlust des passiven Wahlrechts.
12.01.2026 | 1:03 minStimmungstest für die Präsidentschaftswahlen?
Eine eindeutige landesweite Tendenz lässt sich trotz der Zugewinne vor allem am rechten Rand nur schwer herauslesen. Viele Kandidaten in kleinen Gemeinden sind parteilos und wollen sich nicht in ein klassisches Schema einteilen lassen. Das Bild, das sich ergibt, ist sehr heterogen, politische Extreme spielen in der Fläche eine kleinere Rolle. Der Großteil der Rathäuser gehört parteilosen Bündnissen von links, Mitte und rechts. So haben in dieser zweiten Runde nur gut 1.500 Kommunen in der Stichwahl abgestimmt. Die restlichen 33.000 haben sich schon in der ersten Runde entschieden. Dort gab es häufig nur eine oder zwei Wahllisten.
In Frankreich finden an diesem Sonntag Kommunalwahlen statt. Sie werden als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 angesehen.
15.03.2026 | 0:19 minDie Kommunalwahlen werden als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr betrachtet. Bei den Wahlen um die Rathäuser in Frankreich geht es allerdings vor allem bei kleinen Gemeinden häufig um sehr lokale Themen. Häufig steht die Persönlichkeit der Kandidaten mehr im Fokus als die Parteizugehörigkeit. Der Ausgang der Kommunalwahlen entscheidet über die Zusammensetzung des französischen Senats, der Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren hat.
In den nächsten zwei Wochen sind in Frankreich Kommunalwahlen. Dabei ist es schwierig geworden, Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden - Symptom einer zunehmenden Politikmüdigkeit.
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