In eigener Sache:Fehler in ZDF-Beitrag über ICE - Fragen und Antworten
In einem ZDF-Beitrag über die US-Behörde ICE liefen Bilder, die nicht das zeigen, was der Sprechertext suggeriert. Der Sender entschuldigt sich. Fragen und Antworten.
Dieses KI-Bild von "Sora" wurde im Beitrag des "heute journals" am 15. Februar 2026 gesendet.
Quelle: ZDFEin TV-Beitrag im heute journal über die Abschiebepraxis von ICE-Agenten in den USA sorgt aktuell für Schlagzeilen. Der Grund: Im Beitrag, der am Sonntag, 15. Februar 2026, abends im ZDF ausgestrahlt wurde, war unter anderem ein KI-generiertes Video enthalten, das keine echte Festnahme durch die US-Behörde zeigte. Und auch an anderer Stelle wurden Aufnahmen verwendet, die nicht das zeigen, was der Sprechertext des Beitrags suggeriert.
Worum geht es genau?
Bei Sekunde 50 hieß es im Sprechertext der TV-Version: "Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit." Zu sehen war dabei zunächst ein Video, das zeigt, wie eine Frau von Männern abgeführt wird, während zwei Kinder verzweifelt weinen. Das Problem: Dieses Video ist nicht echt.
Die Aufnahme ist deutlich mit dem Wort "Sora" und entsprechendem Logo gekennzeichnet - dem Video-KI-Tool der Firma OpenAI. Verwendet wurde in dem TV-Beitrag also ein klar erkennbar durch Künstliche Intelligenz erzeugtes Video - ohne dass es in Text oder Bild des ZDF entsprechend gekennzeichnet wurde. Auf der Aufnahme sieht man auch den Usernamen "@hss404".
Instagram-Post vom 27. November 2025 mit KI-generiertem Video von Sora.
Quelle: Instagram/@allthebestusDirekt nach dieser KI-Aufnahme war in dem Beitrag eine Sequenz zu sehen, in der ein Junge von einem Mann in Uniform abgeführt wird, darunter der Satz "ICE agents are detaining children at Schools" - also "ICE-Agenten verhaften Kinder in Schulen." Der Sprechertext im heute journal lautete am Sonntagabend entsprechend: "Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit."
Diese Aufnahme, die das ZDF am 15. Februar 2026 sendete, stammt von 2022. Sie zeigt keine ICE-Beamten, die Kinder in Schulen festnehmen, sondern entstand im Kontext einer Amok-Drohung.
Quelle: ZDFDiese Aufnahme ist zwar nicht KI-generiert, zeigt aber einen ganz anderen Kontext: Das Bild wurde 2022 im US-Staat Florida aufgenommen, wie eine Bilderrückwärtssuche ergibt. Hintergrund war die Amokdrohung an einer Schule. Quelle der Aufnahme ist das "Lee County Sheriff's Office":
Post des "Lee County Sheriff's Office", am 29.05.2022
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Am Dienstag hatte sich das ZDF für den Fehler entschuldigt, in einer Pressemitteilung, einem ZDFheute-Beitrag und im heute journal selbst.
"Wir haben hier im heute journal am Sonntagabend einen Bericht gesendet, der handwerkliche Fehler enthielt", erklärte Anne Gellinek, die stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität in der Sendung und sprach von einem "Doppelfehler, den wir nun sorgfältig aufarbeiten und der besonders schmerzt, weil wir hier bei den ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren, um Ihnen geprüfte Informationen zu liefern. Das ist uns diesmal nicht gelungen. Dafür bitte ich Sie, unsere Zuschauer, als ZDF-Nachrichtenchefin ausdrücklich um Entschuldigung. Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards."
Außerdem sendete das heute journal einen richtigstellenden Beitrag. Hier sehen Sie die Entschuldigung im Video:
17.02.2026 | 1:56 min
Zu dem Vorgang und Konsequenzen hat das ZDF am Mittwoch, den 18. Februar, und am Freitag, den 20. Februar, mit weiteren Statements reagiert:
Wie konnte es zu den Fehlern kommen?
Die Autorin hatte für die Redaktionen Mittagsmagazin und heute journal über die Angst von Kindern unter anderem in New York vor den Festnahmen der amerikanischen ICE-Behörde berichtet. Der Beitrag für das Mittagsmagazin wurde am Freitag, 13. Februar, gesendet und war nicht zu beanstanden. Dieser Bericht wurde von der Korrespondentin für das heute journal vom 15. Februar angepasst. In der neuen Fassung verwendete sie zwei Videoszenen aus dem Netz. Davon stammte eine Szene aus einem völlig anderen Kontext (Festnahme in Florida 2022), die andere Szene war KI-generiert.
Das KI-generierte Material hätte ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß der internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material nicht verwendet werden dürfen. Eine nach journalistischen Standards erforderliche Überprüfung der anderen Videoszene und ihres Ursprungs ist nicht erfolgt. Der Schlussredaktion des heute journal hätte bei der Abnahme des Beitrags die KI-generierte Bildsequenz auffallen müssen. Die Moderatorin Dunja Hayali wusste nichts von den handwerklichen Fehlern im Beitrag.
Welche Maßnahmen ergreift das ZDF nun?
Da der Beitrag, der ausschließlich im heute journal gesendet wurde, in dieser Form nicht hätte ausgestrahlt werden dürfen, wurde er von allen Plattformen entfernt.
Das ZDF hatte zudem angekündigt, die Fehler konsequent aufzuarbeiten. Die Überprüfung kommt zu dem Schluss, dass die Verstöße gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards so schwer wiegen, dass die New York-Korrespondentin Nicola Albrecht abberufen wird.
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten erklärt: "Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß. Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung. Wir erarbeiten zurzeit einen Maßnahmenkatalog, um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden."
Dazu gehören auch zusätzliche, verpflichtende Schulungen für Mitarbeitende.
Welche KI-Regeln gelten im ZDF?
Der Einsatz KI-generierter Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen ist im Genre Nachrichten/Info nicht erlaubt. Ausnahmsweise wäre das nur dann zulässig, wenn es sich etwa um einen Bericht über Deepfakes handeln würde und dies dann eindeutig gekennzeichnet, journalistisch eingeordnet und für das Publikum klar erkennbar wäre.
Grundsätzlich gibt es für Bild- und Videomaterial, das in Informationssendungen und digitalen Angeboten des ZDF verwendet wird, ein journalistisches Prüf- und Verifikationsverfahren. Dazu gehören eine Plausibilitäts- und Quellenprüfung durch Autoren und Redaktionen. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Verifikations- und Faktencheck-Teams.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag wurde am 17. Februar 2026 zum ersten Mal veröffentlicht und am 18. Februar 2026 und am 20. Februar 2026 aktualisiert und erweitert.
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