Ex-Außenminister der Ukraine: Putin will uns zerstören

Interview

Dmytro Kuleba:Ex-Außenminister der Ukraine: Putin will uns zerstören

|

Luftalarm, kein Strom und harte Winter - das sei die Realität in Kiew. Der ehemalige ukrainische Außenminister sendet eine klare Botschaft: Putin will zerstören, man halte stand.

SGS Kuleba Slomka

"Wenn wir aufgeben, werden die Dinge für uns nicht besser, denn wenn er gewinnt, dann wird es für uns viel schlimmer", sagt der ehemalige Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba.

18.10.2026 | 9:00 min

Einen Stromgenerator an seinem Haus braucht es, damit er im heute journal überhaupt sprechen kann, erzählt der ehemalige Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba. Luftalarm, kein Strom und harte Winter seien in der Hauptstadt zur täglichen Realität geworden, dass er und seine Familie in Kiew bleiben, sei sein Akt der Zuversicht, erzählt er.

Wie lange hält die Ukraine Putins Angriffen stand?

Charles Darwin habe gelehrt, dass nicht der Stärkste überlebe, sondern derjenige, der sich am besten an die Umstände anpassen könne. Bei ihm persönlich seien das beispielsweise Entscheidungen, ob man das eigene Kind in die Schule schicke oder ob es online zur Schule gehe. Aufgeben sei keine Option, stellt er klar. "Wenn man sich entscheidet zu bleiben, dann muss man sich anpassen", sagt Kuleba.

Putin wird versuchen, uns zu zerstören, und wir werden uns weiter anpassen an die sich verschlimmernden Umstände.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

"Wir verstehen nämlich: Wenn wir aufgeben, werden die Dinge für uns nicht besser", sagt Kuleba, "wenn er gewinnt, dann wird es für uns viel schlimmer".

Angehörige und Freunde von Kriegsgefangenen nehmen am 18. Oktober 2026 an einer Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew teil und fordern angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine eine Beschleunigung des Austauschs gegen russische Gefangene.

Drohnennetze und Nächte in der Metro: Kiew bereitet sich auf einen harten Winter vor. Trumps Kehrtwende trifft die Menschen. Verachtung und Erschöpfung prägen die Stadt.

18.10.2026 | 3:05 min

Der Ukraine gelingen Gegenschläge, dass Putin an den Verhandlungstisch kommt, scheint aber weit entfernt, warum?

Er glaube, Russlands Präsident Wladimir Putin sei zum Schluss gelangt, dass jetzt zu pausieren oder den Krieg zu unterbrechen, mehr Risiken für ihn auslösen würde als weiterzumachen.

Die Frage sollte sein, wie können wir unsere Kriegsbemühungen aufrechterhalten - langfristig.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

Es gehe nicht um Druck auf Putin, der ihn irgendwie zum Kurswechsel bringen werde, sondern um das Verständnis, dass niemand ihm nachgeben werde, solange er versuche, weiterzumachen. Es sei ein strategischer Krieg, ein Krieg des Willens.

Derjenige, der den stärkeren Willen hat, der setzt sich durch.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

Für die Stimmen in Europa, die überlegen würden, die Ukraine zu "opfern" und sämtliche Unterstützung einzustellen, findet der ehemalige Außenminister ebenfalls deutliche Worte:

Wenn irgendjemand glaubt, dass wir jetzt Putin die Ukraine geben und dann hört er damit auf, dann ist er zufrieden, dann arbeitet derjenige entweder für Putin oder versteht überhaupt nichts von der Politik, weil der das nicht machen wird.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

SGS HJU SGS

Neben der Unterstützung ihres Landes beim EU-Gipfel sind die Ukrainer viel mehr damit beschäftigt, dass das Satellitensystem Starlink wohl gedrosselt wurde - Trump dementiert.

17.10.2026 | 3:01 min

Einige in Europa und auch in Deutschland würden auf den Moment warten, an die Macht zu kommen und die Ukrainehilfen einzustellen. Ihnen sei gesagt, dass die Kosten eines Sieges Putins viel höher sein würden als die Unterstützung der Ukraine, so Kuleba.

Es gehe hier nicht nur um potenzielle Flüchtlingsströme nach Europa, die ein Riesenproblem für die Ukraine, aber auch für den aktuellen Migrationsdiskurs in Europa wären, die Konsequenzen würden aber darüber deutlich hinausgehen, so Kuleba.

Man bekommt keinen Frieden in Europa, indem man die Ukraine verkauft.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht bei einer Pressekonferenz beim EU-Gipfel.

Die Ukraine braucht weitere Milliarden für Verteidigung und Staatsausgaben. Die EU hatte für 2026 und 2027 90 Milliarden Euro bereitgestellt. Laut Kiew reicht das nicht.

16.10.2026 | 1:47 min

Das gemeinsame Problem von Ukraine und Europa

Neben Putin gebe es aber noch ein weiteres "gemeinsames Problem": US-Präsident Donald Trump. Dieser zeige sich beiden gegenüber offen "feindselig". Der Prozess, ohne die USA leben zu können, sei ein schwieriger Prozess. Auch Deutschland müsse dies jetzt lernen. Gleichzeitig seien die USA natürlich ein großes Land mit sehr viel Macht und man könne nicht einfach die Brücken abbrechen mit ihnen.

Was Selenskyj jetzt versucht ist, dass er seine Konstruktivität und seine Kooperationsbereitschaft signalisiert. Heute hat er mit [Steve] Witkoff und [Jared] Kushner telefoniert über eine Fortsetzung des Dialogs zwischen den beiden Ländern.

Dmytro Kuleba, ehemaliger ukrainischer Außenminister

Gleichzeitig sende der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein klares Signal: "Ich bin bereit, konstruktiv zu sein, aber ich gebe nicht auf, weil sie mich unter Druck setzen."

Das Interview führte Marietta Slomka im ZDFheute journal, zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteur Paul Manger.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Über dieses Thema berichtet das ZDFheute journal am 18.10.2026 ab 21:45 Uhr.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine