Nach Ceuta-Ansturm: Marquardt kritisiert EU-Chefs scharf

Interview

Grünen-Europapolitiker zu Ceuta:"Armutszeugnis": Marquardt kritisiert EU-Länderchefs scharf

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Nach dem Ansturm auf Ceuta fordert der EU-Abgeordnete Marquardt Konsequenzen. Er sieht Desinformation als wichtigen Faktor - und kritisiert die Reaktion vieler EU-Regierungschefs.

Ceuta: Hysterie in Marokko durch die Sozialen Medien

phoenix tagesgespräch mit Erik Marquardt (MdEP, Grüne, Ausschuss für Justiz und Inneres) zur Asyl- und Migrationspolitik der EU und der aktuellen Situation in Ceuta.

03.08.2026 | 6:38 min

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt hat die Reaktion von EU-Staats- und Regierungschefs auf die Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta scharf kritisiert.

22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs hatten kurz nach dem Ansturm einen offenen Brief veröffentlicht. Darin werde laut Marquardt implizit unterstellt, die Migrationspolitik Spaniens habe den Massenandrang provoziert.

Für diese Darstellung gibt es laut Marquardt "gar keine Faktenbasis": Die Zahl der Asylanträge in Spanien liege wie in der gesamten EU auf einem Tiefstand und sei in den vergangenen Jahren stark gesunken.

ceuta-opferzahl-krisensitzung-

Die spanischen Behörden gehen davon aus, dass "die Opferzahl noch weiter steigen wird“, berichtet ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg aus Ceuta. Es ginge um die "Glaubwürdigkeit Europas“, so ZDF-Reporterin Susanne Freitag-Carteron aus Brüssel mit Blick auf die Krisensitzung der EU-Innenminister.

03.08.2026 | 4:33 min

Besonders kritisch merkte er an, dass sich die Lage bereits wieder entspannt hatte und die meisten Migranten nach Marokko zurückgekehrt waren, während der Brief noch unterwegs gewesen sei.

Das sei "wenn man es freundlich formulieren will, unvernünftig, wenn man es klar sagen will: ein Armutszeugnis, das sich diese 22 Staats- und Regierungschefs da selbst ausgestellt haben", sagte er im Interview bei Phönix vor Ort.

Grünen-Politiker: Menschliche Tragödie zu kurz gekommen

Zugleich mahnte Marquardt, dass die menschliche Tragödie hinter den Ereignissen in der öffentlichen Debatte zu kurz gekommen sei. Mindestens 72 Menschen kamen ums Leben, viele von ihnen Jugendliche, die nach seiner Einschätzung perspektivlos und leicht manipulierbar gewesen seien. Dass dies in Europa nicht stärker im Fokus gestanden habe, empfinde er als beschämend.

Moderator im Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondentin Scarlett Sternberg

Rund 60.000 Menschen waren in den vergangenen Tagen von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta gelangt, die Zahl der Toten ist inzwischen auf 72 gestiegen. Scarlett Sternberg berichtet.

02.08.2026 | 1:15 min

In Sozialen Medien verbreitete Falschinformationen sollen den Ansturm mit ausgelöst haben. Europa habe bislang keine strategische Antwort auf digitale Desinformation als Teil der Migrationspolitik gefunden, kritisierte Marquardt. Er sieht dabei auch die großen Plattformen in der Pflicht, gegen die schnelle Verbreitung von Desinformation vorzugehen, die Menschen auf lebensgefährliche Fluchtwege locke.

Marquardt: Legale Migrationswege statt "Lotterie auf dem Meer"

Ganz grundsätzlich stellte der Grünen-Politiker das europäische Modell der "ausgelagerten Grenzsicherung" infrage. Die EU bezahle Länder wie Marokko dafür, Migration mit Mitteln zu unterbinden, die Europa selbst aus menschenrechtlichen Gründen nicht anwenden dürfe.

Man bezahlt im Prinzip andere Staaten dafür, die Drecksarbeit zu machen.

Erik Marquardt, Europaabgeordneter

Dieses Modell sei an seine Grenzen gestoßen. Stattdessen brauche es ein anderes Anreizsystem für Staaten wie Marokko, Menschen von der Flucht übers Meer abzuhalten. Außerdem fordert Marquardt mehr legale Migrationswege, etwa Möglichkeiten, sich bereits aus Marokko heraus auf Arbeitsplätze in Europa zu bewerben. Damit "diese Lotterie auf dem Meer" aufhöre.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete Phoenix vor Ort am 03.08.2026 ab 09:08 Uhr.

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