Bosnien-Herzegowina: Serbenführer Dodik gibt nicht auf

Bosnien-Herzegowinas Machtprobe :Der ewige Unruhestifter Milorad Dodik

Christian von Rechenberg, ZDF-Korrespondent in Wien
von Christian von Rechenberg und Noah May, Wien
|

Er hat als Präsident einer Teilregion die Gesetze Bosnien und Herzegowinas gebrochen und droht regelmäßig mit Abspaltung. Nun ist Milorad Dodik sein Amt los. Gehen will er nicht.

Milorad Dodik.

Ein Gerichtsentscheid enthebt Milorad Dodik wegen Machtmissbrauchs seines Präsidentenamtes. Er ignoriert die Entscheidung, will ein Referendum. Das gefährdet die fragile Balkan-Nachkriegsordnung.

27.08.2025 | 2:20 min

Es sind Menschen wie Suad Bešlić, die noch immer Hoffnung für Bosnien und Herzegowina haben. Bešlić ist, gegen den Trend, vor acht Jahren aus Deutschland in seine Heimat zurückgekehrt und hat eine Firma für Feuerwehrfahrzeuge aufgebaut. Die Auftragsbücher sind voll.

Vor knapp 30 Jahren, im Jugoslawienkrieg, waren bosnische Serben zum Teil seine Feinde. Heute sind sie seine Kunden:

Wir arbeiten hervorragend mit allen Teilen des Landes zusammen.

Suad Bešlić, Unternehmer

Bešlić zeigt im Kleinen, was der Politik im Großen nicht gelingt: Er vereint einst verfeindete Ethnien. Ein kleines Wunder.

Ex-Präsident Dodik schürt Feindschaft zwischen Ethnien

Denn der komplizierte Friedensvertrag von Dayton, der den Krieg in Bosnien 1995 beendete, wollte drei Ethnien gerecht werden: Kroaten, Serben und Bosniaken, und hat das Land praktisch unregierbar gemacht. Populisten wie Milorad Dodik nutzen das aus.

Dodik war bis vor kurzem Präsident der Republika Srpska, einer überwiegend von bosnischen Serben bewohnten Region, ähnlich einem Bundesland hierzulande, mit eigenen Rechten und Befugnissen. Dodik hat diese immer wieder missbraucht, Gesetze des Zentralstaates ignoriert und mit Abspaltung der Republika Srpska gedroht.

Dodik wurde nach einem Urteil des bosnischen Höchstgerichts deswegen abgesetzt. Aber auch darüber will er sich hinwegsetzen und am 25. Oktober die Bevölkerung seiner Region über das Urteil abstimmen lassen. Eine Farce - sagen sie selbst dort, wo man Dodik gewogen ist. "Dieses Urteil gefällt mir, jenes Urteil gefällt mir nicht. Er kann sich das nicht einfach aussuchen", meint Sanja Tešić.

Dodik war zu lange im Amt. Genug ist genug. Er soll Platz machen.

Mirko, Bürger

Politische Krise auf dem Balkan
:Haftstrafe für bosnischen Serbenführer Dodik

Milorad Dodik wurde verurteilt. Für diesen Fall hatte er mit der Abspaltung des serbischen Landesteils von Bosnien und Herzegowina gedroht. Droht ein neuer Konflikt auf dem Balkan?
Benedikt Karl, Wien
Milorad Dodik winkt seinen Unterstützern in Banja Luka zu.

Neuwahlen in Teilregion Republika Srpska

Am 23. November 2025 soll neu gewählt werden - Dodik wäre laut Urteil ausgeschlossen. Aufgeben wird er trotzdem nicht, sagt die politische Analystin Ivana Marić von der Universität Sarajevo:

Dodik wird alles tun, um Neuwahlen unmöglich zu machen.

Ivana Marić, Politikanalystin Universität Sarajevo

Die geplante Abstimmung über das Urteil sei Teil dieser Strategie: "Das ist nur eine Show, um sich selbst als Gewinner darzustellen, während er in Wirklichkeit ein großer Verlierer ist", sagt Marić.

Dass Dodik angeschlagen ist, erkenne man auch daran, "dass bei seinen Solidaritätsveranstaltungen immer weniger Menschen auftauchen", analysiert der Politologe Florian Bieber von der Universität Graz. "Außer Beamte aus dem öffentlichen Dienst, weil sie es müssen." Und die bisher starke Unterstützung aus Serbien bröckele ebenfalls, da der dortige Präsident Alexander Vučić unter massivem Druck stehe.

Dodik steht eigentlich am Ende seiner politischen Karriere.

Florian Bieber, Politologe Universität Graz

Trotzdem bleibe er brandgefährlich, solange er weiter eine Abspaltung vorantreiben könne. Diese würde den gesamten Westbalkan destabilisieren.

Bosnien-Herzegowina, Banja Luka: Der bosnisch-serbische Präsident Milorad Dodik (r) schüttelt die Hände von Anhängern, die sich versammelt haben, während die Spannungen am Vorabend eines geplanten Gerichtsurteils, das ein Politikverbot oder sogar eine Gefängnisstrafe für den pro-russischen Serbenführer bedeuten könnte, in der bosnischen Stadt zunehmen.

Dodik, Vučić und Orbán – politische Allianz mit Einfluss auf den Westbalkan. In Bosnien sorgt die Lage rund um die Republika Srpska erneut für Spannungen.

16.04.2025 | 2:04 min

Hoher Repräsentant ist Wächter über Frieden

Dodik entgegentreten könnte der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft, derzeit der Deutsche Christian Schmidt. Der Vertrag von Dayton ermächtigt ihn zum wichtigsten Wächter über Frieden und Demokratie in Bosnien und Herzegowina.

Doch Schmidt sieht zunächst die Zentralregierung in der Verantwortung. Er könne "nicht auf Dauer der Patenonkel für die gute Entwicklung sein." Daher komme seine Zurückhaltung. "Macht es bitte selbst", so Schmidt.

Wir unterstützen und - wenn ganz notwendig - dann greifen wir auch ein, im Sinne der Demokratie.

Christian Schmidt, Hoher Repräsentant

Das kann man, je nach Standpunkt, als optimistisch oder als fatalistisch interpretieren.

Hoffnung auf positiven Einfluss von "Auslandsbosniern"

Schmidt hoffe zudem auf "Auslandsbosnier", die zurück in ihre Heimat kehren, um dem instabilen Land einen anderen Geist zu verleihen. Menschen wie Feuerwehrfahrzeug-Unternehmer Suad Bešlić. Sie sind noch die Ausnahme. Für Politiker wie Dodik hat Unternehmer Bešlić eine Botschaft: "Los, lasst uns Jüngere mal ran. Ihr habt es lange genug versucht, jetzt seht ihr, dass es nicht funktioniert. Und wir können uns hier ein tolles Leben aufbauen."

Auch seine Tochter arbeitet inzwischen in seiner Firma. "Ich plane, sie nächstes Jahr an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften in Tuzla einzuschreiben", erzählt er. Denn: "Sie muss jemand sein, der das fortführt, was ich tue." Das Geschäft und den Glauben an die Zukunft.

Mehr zu Bosnien und Herzegowina