Außenminister Wadephul will Partnerschaft mit Nigeria stärken

Bundesaußenminister auf Afrika-Reise:Nigeria: Land der Chancen für die deutsche Industrie

von Susann von Lojewski

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Johann Wadephul besucht Nigeria. Dabei geht es vor allem um die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Denn Afrikas bevölkerungsreichstes Land bietet einen enormen Markt.

Außenminister Johann Wadephul und Mohamed Merzoug, Außenminister von Mauretanien, begrüßen sich vor ihrem Gespräch.

Außenminister Wadephul hat seine Afrika-Reise in Mauretanien begonnen. Dort ging es um mögliche Lieferungen von Flüssiggas und grünem Wasserstoff. Anschließend besucht er Nigeria und Südafrika.

21.07.2026 | 0:28 min

Das waren noch Zeiten: Eine Regierungschefin - die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel -, ein führender deutscher Manager - Siemens-Chef Joe Kaeser - und Nigerias Ex-Präsident Muhammadu Buhari bereiteten 2018 bei einem Staatsbesuch den Weg für einen Deal, über den man in dem westafrikanischen Land noch heute spricht.

Mit dem Multi-Millionen-Euro-Auftrag soll Siemens Energy das Stromnetz Nigerias ausbauen, massiv leistungsfähiger machen und gleichzeitig Tausende junger Ingenieure ausbilden. 2019 wurde die "Präsidiale Energie Initiative" letztlich unterzeichnet.

Bis 2050 fast 360 Millionen Menschen - ein Wachstumsmarkt

Von solchen Multi-Millionen-Verträgen ist die deutsche Wirtschaft inzwischen weit entfernt. Dabei bietet gerade Nigeria, das schon jetzt bevölkerungsreichste Land Afrikas, ein enormes Potential: Bis 2050 wird eine Bevölkerung von fast 360 Millionen Menschen prognostiziert, bei einem Durchschnittsalter von nicht einmal 24 Jahren.

Die schiere Größe allein bietet einen riesigen Markt der Möglichkeiten: Konsumgüter, Verpackungsmaterialien, Logistik wie Schienen oder Elektrizität - all das sind Felder, in denen deutsche Unternehmen aktiv sind - allerdings wenig in Afrika.

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Großer Bedarf an Maschinen und Industrietechnologie

"Der Bedarf an Maschinen, Anlagen und industrieller Technologie wird in vielen afrikanischen Ländern in den kommenden Jahren weiterwachsen," sagt Khadi Camara, Leiterin Länder und Märkte beim Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. "Auch bei Energie, Mobilität und Digitalisierung entstehen enorme Investitionsbedarfe."

Allerdings wüssten dies auch andere Länder, die oft bessere oder günstigere Lösungen anbieten. "Afrika wird im deutschen Wirtschaftsdenken noch immer nicht als strategischer Kernmarkt wahrgenommen."

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Entscheidend: Politisches Engagement - und langer Atem

Im Fall von Siemens Energy half auch das hochrangige politische Engagement der Bundesregierung, das nicht nur in Nigeria oft vermisst wird. "Solange Afrika nicht kontinuierlich auf der politischen Agenda steht und eine klare Afrikastrategie ressortübergreifend verfolgt wird, bleibt es nur bei einzelnen Impulsen," so Khadi Camara. Gerade in der Außenwirtschaft brauche es aber Verlässlichkeit und einen langen Atem.

Vor allem diesen "langen Atem" propagiert auch Seun Suleiman, Managing Director von Siemens Energy in Nigeria. "Man muss geduldig sein und in long terms denken. Das ist wirklich wichtig und zahlt sich am Ende des Tages aus. Denn eine der Schlüsselerfahrungen, die ich hier gemacht habe, ist, dass du hier wirklich die Chance hast, einen ganzen Wirtschaftszweig zu verändern."

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Steigendes Handelsvolumen mit Luft nach oben

Tatsächlich ist das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nigeria im letzten Jahr signifikant auf etwa drei Milliarden Euro gewachsen. Zwei Drittel der Exporte gehen allerdings von Nigeria nach Deutschland, was vor allem an den reichen Erdölvorkommen des westafrikanischen Landes liegt. Es gibt also Luft nach oben.

"Das wechselseitige Potential wollen wir weiter ausschöpfen und mehr deutsche Unternehmen ermuntern, den Schritt nach Nigeria zu gehen," machte Bundesaußenminister Johann Wadephul vor seiner Abreise klar. Von "Wachstumspotential" spricht die deutsche Außenhandelskammer in Nigeria.

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Stärken nutzen im heiß umkämpften Markt

Allerdings: "Die Budgets für die Erschließung neuer Märkte sind knapper. Dadurch richtet sich der Fokus häufig stärker auf den Heimatmarkt oder auf geografisch näher liegende europäische Märkte," sagt Bastian Lidzba von der AHK Nigeria. "Die entscheidende Frage ist daher weniger, wo Deutschland verloren hat, sondern wie wir unsere Stärken noch stärker nutzen können, um unsere Präsenz in einem komplexen und zunehmend umkämpften Markt auszubauen."

Dass Deutschland auf dem Kontinent einen guten Ruf als verlässlicher Partner genießt, könnte dabei von Vorteil sein, entscheidend aber ist es nicht. Im Wettbewerb mit China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und zunehmend auch der Türkei setzen sich am Ende die Handelspartner durch, die gute und günstige Angebote machen und sich nachhaltig engagieren.

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Susann von Lojewski ist Studioleiterin und Korrespondentin im ZDF-Studio Nairobi.

Über dieses Thema berichtete die heute-Nachrichtensendung am 21.07.2026 ab 8:00 Uhr.
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