Trotz Protest: Kanye West in den Niederlanden aufgetreten

Nach Konzertverboten in vielen Ländern:Trotz Protest: Kanye West in den Niederlanden aufgetreten

von Sophie Burkhart, Arnhem

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Der Rapper Ye - ehemals Kanye West - ist im niederländischen Arnhem aufgetreten. Zuvor hatten mehrere Länder Konzerte wegen seiner antisemitischen Äußerungen untersagt.

Ye Konzert in Arnheim

Trotz Kritik an früheren antisemitischen Äußerungen ist der Rapper Kanye West unter seinem neueren Künstlernamen "Ye" in den Niederlanden aufgetreten.

07.06.2026 | 1:15 min

Vor dem GelreDome, dem Stadion, in dem der Rapper Ye alias Kanye West am Samstag auftritt, bildet sich eine lange Schlange. Gekommen sind überwiegend junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Auch viele Deutsche sind da. Arnhem ist nur 20 Kilometer von der deutsch-niederländischen Grenze entfernt.

Für sie gehe ein Traum in Erfüllung, erzählt eine Gruppe junger Männer. Von dem Konzert würden sie ihren Kindern noch erzählen, es sei eine einmalige Chance. Die Kontroverse um den Musiker wollen sie deshalb lieber ausblenden, auch wenn sie nicht unterstützen, was er gesagt hat.

Monatelang war über diesen Auftritt diskutiert worden: im niederländischen Parlament in Den Haag, in der Regierung und zuletzt auch vor Gericht. Trotzdem: Rapper Kanye West, der sich inzwischen Ye nennt, darf am Samstag in Arnhem in den Niederlanden auftreten. Für Montag ist dort ein weiteres Konzert geplant.

Andere Länder wie Polen, Italien und die Schweiz hatten in den vergangenen Monaten Konzerte des Musikers abgesagt. Der Grund: seine antisemitischen Äußerungen in der Vergangenheit.

Hakenkreuz-T-Shirts und "Heil-Hitler"-Song

Ye hatte unter anderem Bewunderung für Adolf Hitler geäußert, T-Shirts mit Hakenkreuzen verkauft, zum 80. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs einen Song mit dem Titel "Heil Hitler" veröffentlicht und sich selbst als Nazi bezeichnet. Daraufhin wandten sich viele von ihm ab. So beendete beispielsweise der deutsche Sportartikelhersteller Adidas bereits 2022 die Zusammenarbeit mit West. Zeitweise wurden Wests Accounts bei Instagram und X gesperrt.

Kanye West entschuldigt seinen Antisemitismus

Der Rapper veröffentlichte einen offenen Brief im "Wall Street Journal". Darin bittet er um Entschuldigung für seine antisemitischen Äußerungen, die er auf seine bipolare Störung zurückführt.

27.01.2026 | 0:46 min

In jüngster Zeit versuchte der Rapper allerdings, seinen Ruf zu retten. Anfang des Jahres schaltete er eine ganzseitige Anzeige in der Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal", um sich darin zu erklären und zu entschuldigen.

West entschuldigt sich für Äußerungen

In seinem Schreiben begründete er seine Entgleisungen mit einem Autounfall vor 25 Jahren, bei dem er Verletzungen am rechten Frontallappen erlitten habe. Dies sei aber erst 2023 diagnostiziert worden. "Dieses ärztliche Versäumnis hat meiner psychischen Gesundheit schweren Schaden zugefügt und zu meiner Diagnose einer bipolaren Störung Typ 1 geführt", schrieb West. Seine Äußerungen bedauere er zutiefst.

Aufgrund des Zeitpunkts stellten jedoch einige die Glaubwürdigkeit seiner Entschuldigung infrage, da Ye im März 2026 ein neues Album veröffentlichte.

Einreiseverbot in Großbritannien und Konzertabsagen

Einige europäische Länder überzeugte die Entschuldigung dann auch nicht. Im Juli sollte Ye beim Wireless Festival in London als Top-Act auftreten. Die Veranstalter hielten bis zuletzt an ihm fest, doch das britische Innenministerium machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und verweigerte dem Rapper die Einreise. Die Begründung: Seine Anwesenheit sei dem öffentlichen Wohl nicht zuträglich.

Daraufhin wurden auch Auftritte in Polen und Italien gestrichen. Ein in Frankreich geplantes Konzert verschob West vorerst selbst.

Jetzt also Arnhem, eine rund 170.000-Einwohner-Stadt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Der stellvertretende Premierminister und Minister für Asyl und Migration, Bart van den Brink, sagte, er verurteile die antisemitischen Äußerungen Wests. Rechtlich gebe es jedoch keinen Grund, ihm die Einreise zu verbieten.

Kanye West in London im Jahr 2020. (Archiv)

Kanye West soll beim Wireless Festival in London auftreten. Premierminister Starmer findet das "besorgniserregend", Sponsoren ziehen sich zurück. West hatte sich zuvor antisemitisch geäußert.

06.04.2026 | 0:46 min

Jüdische Organisationen entrüstet über Auftritt

Jüdische Organisationen reagierten empört. "Wir können die Begründung der niederländischen Regierung nicht verstehen", sagte Naomi Mestrum, Direktorin des Informations- und Dokumentationszentrums über Israel, CIDI. Andere Länder hätten es geschafft, eine moralische Grenze zu ziehen. "Dieses Konzert zeigt uns, dass Geld wichtiger ist, als Charakter zu zeigen", sagte Mestrum vor dem Konzert im Interview mit ZDFheute. "Antisemitismus wird dadurch normalisiert."

Vor dem GelreDome protestieren am Samstag jüdische Organisationen gegen den Rapper und machen mit Plakaten auf seine Aussagen aufmerksam. Auf einem steht: "Warnung: Der Künstler, dessen Auftritt du dir ansehen wirst, hat in seinem Webshop T-Shirts mit diesem Aufdruck verkauft." Darunter das Hakenkreuz-Symbol.

Demonstranten stehen neben einem Schild mit der Aufschrift "Achtung, der Künstler, den Sie gleich sehen werden, hat in seinem Webshop T-Shirts mit diesem Aufdruck verkauft: Wir dachten, Sie sollten das wissen", das am GelreDome Stadium vor dem Konzert des Rappers Ye, früher bekannt als Kanye West, am 06.06.2026 aufgebaut ist.

""Warnung: Der Künstler, dessen Auftritt du dir ansehen wirst, hat in seinem Webshop T-Shirts mit diesem Aufdruck verkauft. Wir dachten, Sie sollten das wissen", ist auf einem Protestschild vor dem Veranstaltungsort in Arnhem zu lesen.

Quelle: dpa

Einige Fans treten aus der Schlange heraus, machen Fotos von der Aktion. Die meisten, mit denen ZDFheute spricht, wissen um das Verhalten Wests, wollen aber den Künstler von seinem Werk trennen.

"Ich bin nicht hier, weil ich denke, dass es richtig ist, was er gesagt hat", sagt Konzertbesucherin Ingrid von der Hoff.

Ich bin nur wegen der Musik hier. Jeder sagt mal etwas Dummes.

Ingrid von Hoff, Konzertbesucherin

Wests erstes Konzert am Samstagabend war ausverkauft, für sein Zusatzkonzert am Montag gibt es noch Tickets. Insgesamt werden gut 70.000 Fans erwartet.

Archiv:  Passanten gehen an dem zerstörten Wandbild des Künstlers Günther Schäfer an der East Side Gallery vorbei. Das Wandbild «Vaterland», das die schwarz-rot-goldene Deutschlandfahne mit einem blauem Davidstern zeigt, wurde von Unbekannten mit schwarzen Graffitis beschmiert

Jüdische Gemeinden in Deutschland fühlen sich weiter unsicher. Das zeigt eine Umfrage des Zentralrats der Juden. Antisemitische Vorfälle gegen Gemeinden nehmen zu, etwa in Form von Drohanrufen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 07.06.2026 um 16:30 in dem Beitrag "Kanye West: Umstrittenes Konzert in Arnhem".

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