Tod von elf Menschen:Wilke-Wurst-Skandal: Angeklagte schweigen zu Prozessauftakt
Mit Listerien verseuchte Wurst der Firma Wilke soll elf Menschen das Leben gekostet haben. Zum Prozessauftakt in Kassel schwiegen die drei Angeklagten zu den Vorwürfen.
Es war ein riesiger Lebensmittelskandal: Durch keimverseuchte Wurst der Firma Wilke starben vor über sechs Jahren elf Menschen. Nun hat in Kassel der Prozess gegen drei Ex-Mitarbeiter begonnen.
06.07.2026 | 1:34 minMit Skibrille und Gesichtsmaske vermummt betritt eine der Angeklagten den Gerichtssaal des Landgerichts Kassel, um sich vor den zahlreichen Kameras der anwesenden Presse zu schützen. Die 55-Jährige sitzt zusammen mit zwei 57- und 58-jährigen Männern nach einem der schwersten deutschen Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre seit heute auf der Anklagebank des Landgerichts Kassel.
Die drei ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren im nordhessischen Twistetal sollen dafür verantwortlich sein, dass mit Listerien verseuchte Fleisch- und Wurstwaren über Jahre in den Handel gebracht wurden, die den Tod von elf Menschen zumindest mitverursacht haben sollen. Listerien sind eine Bakteriengattung, die sich auch in kühler Umgebung vermehrt.
Was wird der Firma Wilke vorgeworfen?
Der Vorwurf gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Fabrik, seine Stellvertreterin sowie den damaligen Produktionsleiter lautet unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen.
Zum Prozessauftakt vor der 2. (Wirtschafts-)Strafkammer äußerten sich die Beschuldigten nicht. Ein Versuch der Verständigung, die dem Gericht erlaubt hätte, den Angeklagten im Gegenzug für ein Geständnis eine bestimmte Strafe in Aussicht zu stellen, scheiterte zunächst.
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17.06.2026 | 1:39 minDie Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten am ersten Verhandlungstag vor, sie hätten von 2015 bis 2019 "unter katastrophalen hygienischen Bedingungen" keimbelastete Wurst produzieren lassen.
Bereits durch die gesamte bauliche Situation des Betriebs, den die Staatsanwaltschaft nicht namentlich nennt, durch Feuchtigkeit und eine fehlende Schwarz-Weiß-Trennung, also die fehlende Trennung reiner und unreiner Bereiche der Produktion, hätten sich Listerien ansiedeln und verbreiten können. Außerdem habe es gravierende Reinigungsmissstände gegeben.
Haltbarkeitsdatum soll gefälscht worden sein
Überdies sollen die Beschuldigten der Anklage zufolge teilweise verdorbene Ware aufbereitet beziehungsweise überlagerte Ware mit einem gefälschten Mindesthaltbarkeitsdatum versehen und in den Handel gebracht haben, um dem finanziell angeschlagenen Unternehmen die Einnahmen zu sichern.
Den Angeklagten sei klar gewesen, dass die in dem Betrieb produzierten Lebensmittel gesundheitsschädlich gewesen seien, erklärte die Staatsanwaltschaft.
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24.11.2025 | 1:42 minWegen Listerienkeimen: Betrieb bereits 2019 geschlossen
Die Firma Wilke in Twistetal (Landkreis Waldeck-Frankenberg) war im Oktober 2019 geschlossen worden, nachdem in ihrer Wurst Listerienkeime nachgewiesen worden waren. 37 Menschen sollen nach dem Verzehr der verunreinigten Produkte des Betriebs eine Listeriose entwickelt haben. Bei elf von ihnen soll die Infektion zumindest mitursächlich für deren Tod gewesen sein. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Sieben Menschen sollen erhebliche Krankheitssymptome entwickelt haben.
Am Mittwoch soll der Prozess mit der Aussage von zwei Sachverständigen fortgesetzt werden. Sie sollen laut dem Vorsitzenden Richter Mirko Schulte Auskunft dazu geben, "wie die gesundheitliche Seite bei den Patientinnen und Patienten zu beurteilen ist, die gestorben sind".
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