Feuer in Griechenland :Waldbrände nahe Athen wüten weiter
In Griechenland hat eine Feuerwalze aus Waldbränden Vororte der Hauptstadt Athen erreicht und tausende Menschen in die Flucht getrieben. Krankenhäuser mussten geräumt werden.
Es ist der bislang größte Waldbrand des Jahres: Nur wenige Kilometer nordöstlich der griechischen Hauptstadt Athen bekämpft die Feuerwehr auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern unzählige Brandherde. Den Behörden zufolge ist die Front fast 30 Kilometer lang.
13 Menschen mussten mit Atemwegsbeschwerden behandelt werden, ein Feuerwehrmann wurde durch Verbrennungen schwer verletzt, einer leicht. Mittlerweile sind laut Bürgerschutzministerium knapp 700 Feuerwehrleute mit rund 200 Löschfahrzeugen im Einsatz, zudem Hunderte Freiwillige und Dutzende Flugzeuge.
Immer wieder brechen Brände aus
"Die Winde der Stärke 7 erschweren uns die Arbeit. Im Moment liegen unsere Verteidigungslinien in den Regionen im Osten der Stadt Marathon und im Raum der Gemeinde Penteli, wo das Feuer besonders dynamisch ist", sagte ein Sprecher der Feuerwehr.
Die Situation sei extrem schwierig, bestätigte auch Bürgerschutzminister Vassilis Kikilias im Fernsehen.
EU-Katastrophenschutz läuft
Die griechische Regierung hat auch um Aktivierung des EU-Katastrophenschutzmechanismus' gebeten. Bereits am Abend soll Medienberichten zufolge ein erster Hubschrauber aus Frankreich ankommen, sowie 180 Zivilschützer und 55 Fahrzeuge. Italien will zwei Löschflugzeuge schicken, aus Tschechien sind 75 Feuerwehrleute mit 25 Fahrzeugen auf dem Weg. Zudem wurden Feuerwehrleute aus Rumänien mobilisiert.
Ein Team aus der Republik Moldau ist bereits vor Ort, zudem haben Zypern und die Türkei Hilfe angeboten, auch mit Unterstützung aus Spanien wird gerechnet. "Wir stehen Griechenland im Kampf gegen die verheerenden Brände bei", schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X.
Flammen rücken näher an Athen heran
Es sei das erste Mal, dass ein Großbrand so nah an die griechische Hauptstadt gelange, sagten Fachleute im Fernsehen. Die Entfernung der Flammen vom Stadtzentrum betrug am Nachmittag noch rund elf Kilometer Luftlinie. Die Rauchwolken sind schon längst da, die Feinstaubwerte laut Umweltexperten sehr hoch.
Die Situation sei auch wegen der anhaltenden Dürre und des unwegsamen, waldigen Geländes so herausfordernd, sagte Kikilias. Der Wind soll zwar am Abend nachlassen, doch die Flugzeuge und Hubschrauber können im Dunkeln nicht löschen und der Wind soll am Dienstag wieder stärker werden und anhalten.
Ganze Ortschaften evakuiert
Die Polizei evakuierte nahegelegene Häuser und Ortschaften, zum Teil gegen den Willen der Menschen. Vielfach sind es ältere Menschen, die ihre Häuser nicht verlassen wollen. Dabei ist dieses Verhalten höchst gefährlich.
Gerade noch sahen wir die Flammenwand in weiter Ferne, plötzlich war das Feuer da.
Anwohnerin, die sich in Sicherheit bringen konnte
Auf den Urlaubsinseln in der Ägais wird das Wasser knapp, mitverantwortlich sind die Touristen, die in Luxushotels Unmengen Wasser verbrauchen.
02.08.2024 | 2:04 minDie Bewohner im Osten der betroffenen Region Attika sind aufgefordert, sich für eine eventuelle Evakuierung bereitzuhalten. Auch die Hauptstadt Athen ist in Bereitschaft, dort halten sich Krankenhäuser für den Ernstfall bereit. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis unterbrach seinen Urlaub und kehrte nach Athen zurück, um sich beim Krisenstab über die Lage zu informieren.
Geringe Niederschläge und hohe Temperaturen bereits im Frühjahr, gepaart mit langen, heißen Trockenperioden im Sommer können das Waldbrandrisiko künftig erhöhen. Daher wurde in den Forsten damit begonnen, waldbauliche und technische Maßnahmen umzusetzen. Sie haben eine vorbeugende, schadensmindernde Wirkung. Allerdings greifen diese Maßnahmen erst nach mehreren Jahren.
- Erhöhung des Laubholzanteils: Durch den Wandel von Kiefern-Monokulturen hin zu Mischwäldern aus Laubbäumen wird das Waldbrandrisiko gesenkt. Mischwälder (Foto) besitzen die Fähigkeit, viel Feuchtigkeit im Boden sowie in den Baumkronen zu speichern. So kann sich in einem trockenen Sommer kein Vollfeuer entwickeln.
- Anlegen von Waldbrandriegeln: Dabei handelt es sich um Flächen zwischen 100 und 300 Metern, auf denen brandhemmende Laubbäume, Sträucher und Gräser wachsen. Diese Riegel sollen im Brandfall auflaufende Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln.
- Anlegen von Schutz- und Wundstreifen: Sie sind 20 bis 30 Meter breit und werden stets von leicht brennbarem Gestrüpp befreit. Die geringe Brennstoffmenge verhindert, dass sich ein Bodenfeuer in den Kronenraum ausbreiten kann. Solche Streifen verlaufen bevorzugt entlang von Hauptstraßen, Straßen und Bahnlinien.
- Anlegen künstlicher Löschwasser-Entnahmestellen: Diese können Staueinrichtungen, im Erdboden eingelassene Behälter oder Anschlüsse an Fernwasserleitungen sein.
Sehr trockene Pflanzenteile und Gräser fangen am schnellsten Feuer. Danach folgen trockene Nadeln und kleine Zweige. Nadelwälder mit dichtem Grasbewuchs bergen eine besonders hohe Feuergefahr. Trockenes Laub und Totholz dagegen brennen erst, wenn die Flammen schon größere Ausmaße erreicht haben. Wird aus dem Flammenherd eine Feuerwalze, können nahezu alle Pflanzenteile und sogar der Humus sowie Wurzeln im Boden erfasst werden.
Kommt zum Brand starker Wind dazu, entstehen langgezogene Brandstellen, die sich auch in der Geschwindigkeit schnell ausbreiten. Kronenfeuer gelten als besonders problematisch und sind bei Feuerwehrleuten besonders gefürchtet. Denn starke Winde übertragen die Flammen in der Höhe. Durch den Dominoeffekt im Kronenbereich werden die Löscharbeiten erschwert. Es entsteht schließlich ein Megafeuer.
Zur Brandbekämpfung gibt es in Deutschland zwei Verfahren:
- Direkter offener Angriff der Feuerfront mittels Löschmannschaften, Löschfahrzeugen und Löschwasserabwürfen: Dabei setzen die Feuerwehrleute den Löschangriff gegen die Windrichtung an. In der Regel erfolgt der Löschangriff von der Flanke zur Spitze der Feuerfront. Das Verfahren wird nur bei geringer Flammenhöhe angewendet. Denn schwer einschätzbare Windböen können dazu führen, dass Einsatzkräfte vom Feuer eingeschlossen werden.
- Defensiver Angriff: Er wird angewendet, wenn die Flammen zu hoch schlagen oder die Fläche mit Munition kontaminiert ist. Defensiv bedeutet, es werden Feuerschneisen angelegt, die frei von trockenem Gestrüpp und oder dürren Sträucher sind. Feuerfeste Barrieren wie Straßen und Wege halten das Feuer ebenfalls auf. Auf den defensiven Angriff setzt man auch bei Waldbränden im Bergland. Dort breitet sich das Feuer hangaufwärts sehr viel schneller aus als hangabwärts. Mittels großer Planierraupen oder Bergepanzer der Bundeswehr werden Feuerschneisen angelegt. Der trockene Bewuchs wird plattgemacht. Die vegetationsfreie Schneise hilft, die Flammenausbreitung abzubremsen.
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