Polizist getötet: Ahmet G. wegen schweren Raubes verurteilt

Urteil nach Tötung von Polizist:Völklingen: Angeklagter wegen schweren Raubes verurteilt

Porträt der ZDF-Landessstudioleiterin Saarbrücken Susanne Freitag-Carteron

von Susanne Freitag-Carteron, Saarbrücken

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Im Beisein der Witwe des erschossenen Polizisten Simon Bohr wurde heute das Urteil gefällt. Das Gericht verurteilte den 19-jährigen Ahmet G. wegen schweren Raubes.

Der Angeklagte sitzt neben seinem Verteidiger Michael Rehberger in einem Sitzungssaal des Landgerichts Saarbrücken zu Beginn der Hauptverhandlung

Prozess um Mord an Polizisten in Völklingen (Archivfoto)

Quelle: dpa

Ahmet G. muss wegen der Tötung des Polizisten Simon Bohr in Völklingen in die Psychiatrie. Dies ordnete das Landgericht in Saarbrücken an. Er wurde wegen schweren Raubes verurteilt. Von den Mordvorwürfen wurde er freigesprochen.

"Das fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rheinland-Pfalz, Wolfgang Sinn. Er sei "fassungslos" über das Urteil. "Das wird die Genesung meiner Kollegen nicht vereinfachen, sie haben auf einen weiteren Schritt der Verarbeitung gehofft", so Sinn. "Wir haben darauf gepocht, dass es ein gerechtes Urteil gibt. Das ist aus unserer Sicht nicht der Fall", so Sinn.

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Angeklagter gilt wegen Schizophrenie als vermindert schuldfähig

Bohrs Witwe war auch heute im Gerichtssaal, so wie während des ganzen Prozesses. Ahmet G. hatte am 21. August eine Tankstelle überfallen. Simon Bohr und seine Kollegen verfolgten ihn. Bei einem Handgemenge entriss G. einem Polizeianwärter die Waffe, schoss 17 Mal. 6 Kugeln trafen den 34-jährigen Polizisten tödlich.

Wegen einer attestierten Schizophrenie gilt Ahmet G. Als vermindert schuldfähig. Sein Anwalt Michael Rehberger hatte auf Totschlag plädiert, sein Mandant habe aus Angst und Panik gehandelt.

Oberstaatsanwalt Christian Nassiry und die Anwältin der Nebenklage, die auch Bohrs Witwe vertritt, sahen eindeutig Mordmerkmale. Die Krankheit allein erkläre nicht die Grausamkeit, die er bei der Tat an den Tag gelegt habe, so Nassiry, Er habe den wehrlos am Boden liegenden Simon Bohr einfach hingerichtet, ihn vernichten wollen.

"Die juristische Schuld ist das eine. Was wir Menschen verstehen, ist etwas völlig anderes", sagt der saarländische Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Rinnert.

Aus unserer Sicht hat der Täter die Schuld. Er hat unseren Kollegen aus dem Leben gerissen, deshalb ist dieses Urteil nur sehr schwer hinzunehmen.

Andreas Rinnert, GdP

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Kollegen zu traumatisiert für Gerichtssaal

Seit Prozessbeginn am 11. Februar hatten zahlreiche Zeugen den Tatverlauf beschrieben. Bohrs Kollegen, die an dem Einsatz beteiligt waren, wurden per Video zugeschaltet. Sie waren zu traumatisiert, um vor Gericht zu erscheinen. Einer von ihnen beschrieb, wie Ahmet G. auf den verletzt am Boden liegenden Bohr zuging, sich neben ihn stellte und direkt auf Oberkörper und Kopf zielte.

Es war wie in einem Mafia Film. (…) Er wollte sicher sein, dass derjenige, der da liegt, das nicht überlebt.

Polizei-Kollege von Simon Bohr

Eine weitere Beamtin beschrieb die Szene fast wortgleich. Während der gesamten Aussage konnte sie nicht aufhören zu weinen. Sie hatte bei dem verletzten Simon Bohr gekniet, erste Hilfe geleistet, ihm zugeredet, seine Hand gehalten. Das Bild seiner entsetzlichen Wunden lässt sie bis heute nicht los, sie ist arbeitsunfähig. "Er (Ahmet G.) hat nicht nur Simons Leben zerstört, er hat auch mein Leben zerstört", sagt sie.

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Seelsorger: Für trainierte Polizisten "kaum zu ertragen"

Auch Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim, ist zur Urteilsverkündung gekommen. Er hat die Witwe und dutzende traumatisierte Beamte psychologisch erstbetreut. Unmittelbar nach den tödlichen Schüssen war er in der Völklinger Dienststelle. "Miterleben, wie ein Freund, ein Kollege getötet wird, es mit ansehen und es nicht verhindern können, das ist eine Extremsituation, die man sich gar nicht vorstellen kann" sagt Kesselheim. "Vor allen Dingen für Polizeibeamte, die darauf trainiert sind, es zu schaffen, Situationen in den Griff zu bekommen. Das ist kaum zu ertragen."

Der Angeklagte Ahmet G. wirkte während des Prozesses apathisch. Er saß regungslos auf der Anklagebank, schaute nach unten. Seine Familie, Lehrer, Ärzte, Menschen aus seinem Umfeld waren ebenfalls gehört worden. "Auffällig unauffällig" - eine wiederkehrende Beschreibung.

Ahmet G. hatte schon in der Kindheit Probleme, war mehrmals in psychologischer Behandlung. Keine Freunde, wenig Selbstwertgefühl, kontaktarm. Der Zustand habe sich zuletzt stetig verschlechtert, die Schizophrenie aber habe sich erst in den letzten Jahren entwickelt, so Ärtze und Gutachter.

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Witwe wartete vergeblich auf Entschuldigung

Die Nebenklage hatte die Höchststrafe, 15 Jahre nach Jugendstrafrecht gefordert. Auch wegen der schweren Folgen für Polizei und die Familie von Simon Bohr. Seine Witwe hatte vor Gericht ausgesagt:

Am 21. August wurde unser Leben in wenigen Sekunden zerstört.

Simon Bohrs Witwe

Sie hat zwei kleine Kinder. Was sie am meisten belaste sei, dass Ahmet G. sich bis heute nicht entschuldigt habe, keine Reue zeige. "Das zeigt mir, dass nicht verstanden wurde, was in diesen paar Sekunden passiert ist, und uns genommen wurde. Mir und den Kindern, den Freunden, den Kollegen. Das ganze Umfeld ist nicht mehr dasselbe, weil jeder so damit zu kämpfen hat."

Über dieses Thema berichte das heute journal update in seinem Beitrag "Der Ausblick: Was am Dienstag wichtig wird" am 31.03.2026 um 00:10 Uhr.

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