Verkehrserziehung im TV: Warum "Der 7. Sinn" ein Klassiker wurde

TV-Premiere vor 60 Jahren:"Der 7. Sinn": Die Mutter der Verkehrserziehung

von Martin Schiffler

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Ein eigenes Auto und ein Fernseher: das Ziel der meisten Deutschen in der Wirtschaftswunder-Ära. Doch es gab immer mehr Verkehrstote. Eine TV-Sendung sollte das ändern.

Rückblick auf 60 Jahre "Der siebte Sinn"

Mit Tipps für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer sorgte die Sendung "Der siebte Sinn" Jahrzehnte für mehr Wissen auf den Straßen. Wir schauen zurück auf 60 Jahre Verkehrssicherheit.

02.02.2026 | 10:49 min

Anfang der 1960er Jahre starb alle halbe Stunde ein Mensch im Straßenverkehr in Deutschland. Im Jahr 1966 gab es in der BRD 10,3 Millionen Pkw. Verkehrsministerien und Verkehrswacht waren sich damals einig: Die Deutschen brauchen Nachhilfeunterricht in Sachen Verkehrssicherheit.

Die Idee zu einer Fernsehsendung war geboren: Weil die Verkehrsteilnehmer ihre Sinne schärfen und aufmerksamer am Verkehr teilnehmen sollten, nannte der WDR seine neue Sendung "Der 7. Sinn".

"Der 7. Sinn" hatte am 4. Februar 1966 Premiere

Zu Beginn war die Sendung noch zwischen zwei und fünf Minuten lang, später einmal wöchentlich drei Minuten im Abendprogramm. Nach den ersten Sendungen fand sich ein fester Stil, eine immer gleiche Machart.

Zunächst die Probleme und Fehler im Straßenverkehr, Unfälle und Gefährdungen, und dann das Gegenbeispiel, die Lösung: Wie verhält sich Mann oder Frau richtig - unfallfrei - im Verkehr?

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11.08.2025 | 2:31 min

TV und Autos wurden Massenphänomene

Was machte den Erfolg aus und was ist an der Sendung für Medienwissenschaftler so bemerkenswert?

"1966 war Fernsehen das wirkmächtigste Massenmedium, das es jemals gab. Und dasselbe kann man über Autos sagen", sagt Björn Sonnenberg-Schrank von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. "Das waren beides plötzlich Massenphänomene geworden, die im wahrsten Sinne des Wortes so stark wie nichts anderes die Menschen bewegten."

Teil des Erfolgsrezepts: Die Titelmelodie gleich zu Beginn der Sendung wurde für Generationen von Fernsehzuschauern ein Erkennungsmerkmal wie die vom "Tatort", "Wetten dass…" oder "Winnetou" ein Markenzeichen. Dann die sonore Stimme von "Mr. 7. Sinn"-Sprecher Egon Hoegen, der zusammen mit dem Redakteur und Autor der Sendung, Alfred Noell, der Sendung seinen Stempel aufdrückte.

Selbst wenn das jetzt veraltet aussehen mag, so ist das (…) eine sehr moderne und handwerklich gut gemachte Sendung gewesen, die sich verschiedener Techniken aus dem Spielfilm, aus der Fernsehproduktion und auch aus den Werbefilmen bedient.

Björn Sonnenberg-Schrank, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

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Jährlich sterben Hunderte Fußgänger im deutschen Straßenverkehr. Die Gründe dafür sind verschieden. Andere Länder machen vor, wie es besser geht.

23.03.2025 | 3:05 min

Neue Sehgewohnheiten durch YouTube & Co.

Mit dem Aufkommen neuer Medien endete die Erfolgsgeschichte im TV. Im November 2005 wurde die letzte Sendung ausgestrahlt.

Das Ende der Sendung markiert einen Zeitpunkt, wo sich medial ganz schnell sehr viel veränderte.

Björn Sonnenberg-Schrank, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

Medienwissenschaftler Sonnenberg-Schrank fügt hinzu: "Das hat zum Beispiel auch mit YouTube zu tun, was dann vor allem für junge Leute eher das Medium wird, was sie konsumieren. Also die jungen Leute, die vorm Fernseher zappen und letztlich auch einfach gucken, was kommt, die gibt es so nicht mehr."

Das Fernsehpublikum konnte damals viel lernen über die Gefahren auf der Straße, und auch über rücksichtsloses Fahren, Unarten wie Rasen, Bedrängen, Nötigen und über Regeln: Wie verhalte ich mich sicher und komme heil durch den Straßenverkehr?

Die Gurtpflicht setzte sich erst langsam durch

Das Beispiel Sicherheitsgurt ist sinnbildlich: Die Deutschen waren absolute Gurtmuffel. Auch nachdem 1976 die generelle Anschnallpflicht eingeführt wurde - allerdings zunächst nur für Fahrer und Beifahrer, und erst 1979 auch für die Rücksitze - dauerte es noch Jahre, bis der Sicherheitsgurt als normal akzeptiert wurde.

Ich glaube schon, dass 'Der 7. Sinn' beim Thema Gurtpflicht auch aufgeklärt hat, dass es eben nicht der böse Staat ist, der einem was aufzwingt, sondern dass es wirklich für die Sicherheit für alle wichtig ist.

Iko Tönjes, Verkehrswissenschaftler, Verkehrsclub Deutschland

Die Gefahren im Straßenverkehr sind mit seiner Komplexität und der modernen Technik und einem neuen Tempo vielseitiger geworden. Und es gibt reichliche neue Gefährdungen, etwa durch E-Bikes oder E-Scooter.

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Tempo 30 auf Straßen führt laut einer Studie zu weniger Unfällen und in der Regel dauert die Fahrt trotz geringerer Geschwindigkeit kaum länger. Das hat die Björn-Steiger-Stiftung untersucht.

03.01.2026 | 0:31 min

Wiederholung der Führerscheinprüfung noch in weiter Ferne

Ein Problem: Der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer kommt mit der Entwicklung gar nicht mehr mit. Und wer frischt schon freiwillig seine Fahrschulkenntnisse wieder auf, selbst wenn sie schon Jahrzehnte alt sind? Eine regelmäßige Wiederholung der Führerscheinprüfung, zum Beispiel alle zehn Jahre, ist noch lange nicht in Sicht.

'Der 7. Sinn' hat das gemacht, was wir auch gerne hätten, dass Leute mehr informiert sind über aktuelle Verkehrsregeln, über das richtige Verhalten im Verkehr.

Iko Tönjes, Verkehrswissenschaftler, Verkehrsclub Deutschland

Das fehle heute ein bisschen, sagt Verkehrsforscher Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland. "Und es wäre vielleicht nicht schlecht, so was wieder aufleben zu lassen."

Zwei Seniorinnen machen den Fahrtauglichkeits-Check

Ältere Auto-Fahrer haben oft eine schlechte Reaktionszeit und geringe Konzentration. Zwei Seniorinnen machen den Check.

08.05.2025 | 7:25 min

Heute haben übrigens fast fünfmal mehr Deutsche einen Pkw als vor 60 Jahren. Trotzdem ist die Zahl der Verkehrstoten gesunken: Aktuell stirbt alle drei Stunden - statt alle halbe Stunde - ein Mensch auf deutschen Straßen.

Zwei Autos sind frontal kollidiert.

Jeden Tag werden auf Deutschlands Straßen durchschnittlich 1000 Menschen verletzt, acht davon sterben: Dabei könnten es viel weniger sein. Der Stadtstaat Singapur macht vor, wie es geht.

26.04.2025 | 29:45 min

Über dieses Thema berichtete hallo deutschland in dem Beitrag Retro: 60 Jahre 7. Sinn am 02.02.2026 um 17:10 Uhr

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