Venezuela nach den Erdbeben: Hilfe ist noch am Anfang

Interview

Humanitäre Hilfe in Venezuela:Helferin: Die Not reicht weit über die Trümmer hinaus

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Sechs Wochen nach den Erdbeben in Venezuela bleibt die humanitäre Lage angespannt. Tausende leben in Zelten, die Aufräumarbeiten gehen nur schleppend voran.

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Sechs Wochen nach dem Erdbeben in Venezuela suchen Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Viele Freiwillige arbeiten am Limit und fühlen sich allein gelassen. Die Notlage im Katastrophengebiet hält an.

07.08.2026 | 2:13 min

Ersthelfer aus der ganzen Welt kamen nach den zwei Erdbeben Ende Juni nach Venezuela. Das Deutsche Rote Kreuz ist noch da und hilft bei der medizinischen Versorgung. Die Soforthilfe soll jetzt in langfristige Unterstützung übergehen. Maria del Pilar vom Roten Kreuz spricht über die größten Herausforderungen ihrer Arbeit im Krisengebiet.

ZDFheute: Wie sieht Ihre Arbeit im Erdbebengebiet derzeit aus?

Maria del Pilar: Die Bevölkerung war bereits vor dem Erdbeben stark belastet. Vielerorts entsprachen die bestehenden Gesundheitsstrukturen nicht den Bedürfnissen der Menschen. Das Erdbeben hat diese Situation noch einmal deutlich verschärft. Deshalb sind wir mit einer mobilen Gesundheitsstation in den betroffenen Gebieten unterwegs.

Wir fahren zu Notunterkünften und Gemeinden, in denen Menschen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben, und bieten medizinische sowie psychologische Unterstützung an. Dabei haben wir auch Menschen gefunden, die nicht in offiziellen Notunterkünften leben. Viele von ihnen sind älter oder leben mit einer Behinderung. Gemeinsam mit dem Venezolanischen Roten Kreuz kommen wir deshalb regelmäßig zurück, um sie weiter zu versorgen.

Ein Mädchen zündet eine Kerze während einer Messe an. Vor ihr stehen viele weitere Kerzen zu Gedenken an die Erdbebenopfer in Venezuela.

Einen Monat nach den schweren Erdbeben im Juni in Venezuela haben zahlreiche Menschen der Opfer gedacht. Nach offiziellen Angaben kamen dabei Tausende Menschen ums Leben.

25.07.2026 | 0:22 min

ZDFheute: Die offizielle Zahl der Todesopfer des Erdbebens ist auf über 6.000 gestiegen. Sie dürfte noch weiter steigen, Zehntausende gelten noch als vermisst. Wie würden Sie die aktuelle Lage beschreiben?

Del Pilar: Behörden, internationale Organisationen und Hilfsorganisationen haben schon viel Hilfe geleistet, aber das ist erst der Anfang. Besonders betroffen ist La Guaira, eine Küstenstadt rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Caracas. Dort suchen viele immer noch nach ihren Angehörigen, es fehlt an medizinischer Versorgung, Notunterkünften und Lebensmitteln. In den umliegenden Regionen sind gleichzeitig viele Menschen indirekt betroffen: Sie benötigen dringend Unterstützung, auch wenn in ihrem Umkreis keine Gebäude eingestürzt sind.

ZDFheute: Was meinen Sie damit?

Del Pilar: Viele Familien haben weitere Angehörige aufgenommen und müssen dadurch unter erschwerten Bedingungen mehr stemmen. Andere haben ihren Lebensunterhalt verloren, etwa durch den Einbruch des Tourismus in der Küstenregion. Dadurch, dass medizinisches Personal in besonders betroffene Gebiete verlegt wurde, verschlechtert sich die Versorgung in anderen Regionen. Die Folgen des Erdbebens betreffen also weit mehr Menschen als nur diejenigen, deren Häuser zerstört wurden.

Ein Mann kippt einen Eimer mit Schutt aus einem zerstörten Gebäude.

Zwei schwere Erdbeben haben Venezuela erschüttert – mehrere tausend Menschen kamen ums Leben. Wie geht es in dem Land jetzt weiter? Wie verändert die Katastrophe das Land politisch?

08.07.2026 | 6:20 min

ZDFheute: Welchen Gefahren sind die Menschen derzeit ausgesetzt?

Del Pilar: Viele leben noch immer in improvisierten Behausungen, etwa in Zelten, Schulen oder Gebäuden, die nicht für eine längere Unterbringung gedacht sind. Dadurch steigt das Risiko für durch Wasser übertragene Krankheiten, Atemwegsinfekte und durch Mücken übertragene Erkrankungen. Viele konnten ihre medizinischen Behandlungen nicht fortsetzen. Auch die Müllentsorgung und die allgemeine Gesundheitsversorgung bleiben große Herausforderungen.

ZDFheute: Wie geht es jetzt weiter?

Del Pilar: Neben der akuten Hilfe muss jetzt der Wiederaufbau beginnen. Unser Ziel ist es, das Gesundheitssystem langfristig zu stärken. Deshalb unterstützen wir Gesundheitszentren, stellen Materialien bereit und schulen Personal. Die Menschen sollen auch dann Zugang zu medizinischer Versorgung haben, wenn unsere mobile Klinik eines Tages nicht mehr vor Ort ist.

Mitarbeit: Vania Demba Soares

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 06.08.2026 ab 21:45 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 07.08.2026 ab 05:30 Uhr.

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