Experten weiterhin skeptisch:Privater Rettungsversuch für Wal Timmy soll sofort starten
Hoffnung für den gestrandeten Wal Timmy? Mecklenburg-Vorpommerns Regierung macht den Weg frei für einen privat organisierten Rettungsversuch. Doch Experten bleiben skeptisch.
Vor Wismar liegt seit Wochen ein verirrter, kranker Buckelwal. Tierschützer sind sich einig, dass das Tier nicht mehr zu retten ist. Doch selbsternannte Walschützer fordern weitere Rettungsaktionen.
15.04.2026 | 1:45 minMecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat einen neuen privaten Rettungsversuch für den vor der Insel Poel bei Wismar festliegenden Buckelwal erlaubt. Die zuständigen Behörden hätten ein von einer Initiative um einen Unternehmer und eine Unternehmerin vorgelegtes Konzept geprüft und abgesegnet, sagte Backhaus in Schwerin. Die Rettungsaktion soll sofort beginnen. Taucher sollen das Tier zunächst beruhigen und den Untergrund untersuchen.
Mediamarkt-Gründer finanziert das Vorhaben
Vorgesehen ist demnach eine schonende Walrettung mit Luftkissen und Pontons, um den Wal in die Nordsee oder bis in den Atlantik zu bringen. Die Verantwortung für das Projekt liege ausschließlich bei der privaten Initiative, betonte Backhaus. Geplant und finanziert wird das Vorhaben den Angaben zufolge unter anderem von Walter Gunz, einem der Begründer von Mediamarkt.
Die Behörden würden die Initiative begleiten und auf die Einhaltung tierschutz- und umweltschutzrechtlicher Vorgaben achten, hieß es.
Der gestrandete Wal bewegt Menschen bundesweit. Trotz Sperrzone demonstrieren Hunderte für seine Rettung, doch Experten sehen keine Chance. Online eskalieren Emotionen, Fake-Infos und Drohungen.
15.04.2026 | 2:34 minDas Tier sei nach wochenlangem Aufenthalt und vier Strandungen in der Ostsee weiter "in schwierigem Zustand" und nach allen bekannten Informationen "sicher schwer krank". Er habe aber immer gesagt, dass nach allen gangbaren "Lösungen im Sinn des Tiers" gesucht werden solle.
Der Buckelwal war mehrere Wochen durch die Ostsee außerhalb seines angestammten Lebensraums geirrt und liegt inzwischen seit rund zwei Wochen vor der Insel Poel vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns.
Experten hatten Bergung zuvor noch ausgeschlossen
Überlegungen, den Wal noch lebend zu bergen und in die Nordsee zu bringen, schlossen Experten zusammen mit Backhaus vor einigen Tagen eigentlich endgültig aus. Sie sahen keine realistischen Erfolgschancen dafür. Mit den am Dienstag und Mittwoch von der Initiative vorgelegten Plänen gebe es nun "eine neue Situation", sagte Backhaus. Das vorgeschlagene System aus Luftkissen und Pontons stelle einen neuen Ansatz dar.
Menschen demonstrieren an verschiedenen Orten für die Rettung des gestrandeten Buckelwals vor Poel. Eine Schwimmerin soll von einer Fähre gesprungen sein, um sich dem Tier zu nähern.
13.04.2026 | 2:21 minDas Konzept sei von Experten auf Behördenseite umfassend auf technische, veterinärmedizinische und tierschutzrechtliche Aspekte geprüft und nach einigen Nachbesserungen akzeptiert worden. Es sei mit den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes vereinbar und stelle "eine Chance" dar.
Experten bleiben skeptisch
Vor einigen Tagen veröffentlichten Experten, unter anderem Wissenschafter des Deutschen Meeresmuseums, ein Gutachten zum Zustand des rund zwölf Meter langen Wals. Darin heißt es, die wiederholten Strandungen würden auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem des Wals hinweisen. Das Tier leide durch den viel zu geringen Salzgehalt der Ostsee an schweren Hautprobleme, sei zudem verletzt.
ZDFheute Infografik
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Die Experten warnten in deutlichen Worten vor einer "großflächigen Ablösung" der Haut und Stress für den Wal, wenn das Tier bewegt würde. Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien daher "sehr gering" und würden "mit einem hohen Verletzungsrisiko" einhergehen.
In einer aktuellen Mitteilung des Meeresmuseums heißt es nun, dass seine Experten nicht in die "Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung" einbezogen wurden. Die Wissenschaftler halten an der in dem Gutachten getroffenen Einschätzung fest: "Eine neue Lagebewertung gibt es seitens der Stiftung Deutsches Meeresmuseum nicht."
Betrüger nutzen den gestrandeten Wal vor Poel offenbar für falsche Spendenkampagnen. Der Umweltminister rät, keine Zahlungen an Unbekannte zu leisten.
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