Erste Zivilprozesse gestartet:Sparkassen-Einbruch: Opfer kämpfen für Entschädigung
Wer haftet für den Millionenschaden beim Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen? Vor dem Landgericht Essen haben nun die ersten Zivilprozesse begonnen.
Nach dem Millionencoup in Gelsenkirchen steht die Sparkasse vor Gericht. Es geht um mögliche Sicherheitsmängel, Schadenersatz und die Frage, ob die Bank haften muss. ZDFheute live ordnet ein.
11.06.2026 | 29:51 minVor dem Landgericht Essen haben die ersten beiden Zivilprozesse um den spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen begonnen. Eine Kundin fordert in ihrer Klage von dem Geldinstitut Schadenersatz. Sie gibt an, Bargeld und Schmuck in Höhe von 391.000 Euro in ihrem Schließfach gehabt zu haben, das aufgebrochen wurde. Die 83-jährige Rita M. wirft dem Geldinstitut gravierende Versäumnisse bei der Sicherung des Schließfachraumes vor. Die Sparkasse weist dies zurück.
Einen Vergleich lehnten beide Parteien ab. Wie bei Zivilverfahren üblich, hatte der Vorsitzende Richter Stefan Ostheide zum Auftakt die klagende Kundin und die Sparkasse nach ihrer Bereitschaft dazu gefragt. Die Verhandlung wird am 9. Juli fortgesetzt. Dann soll verkündet werden, ob ein Sachverständiger eingeschaltet wird. Zentrale Frage ist, ob die Sparkasse zum Zeitpunkt des Einbruchs branchenübliche Sicherheitsstandards eingehalten hat.
Auf welchem Weg bohrten sich die Einbrecher in den Tresorraum der Gelsenkirchener Sparkasse - eine Rekonstruktion ihrer möglichen Vorgehensweise mit 3D-Animationen.
29.01.2026 | 1:22 minZweites Verfahren: Goldmünzen und Schmuck gestohlen
Im Anschluss an die erste Verhandlung startete ein zweites Verfahren, in dem es um einen angezeigten Verlust von knapp 49.000 Euro geht. Hier wurden nach Angaben des Klägers Goldmünzen und Familienschmuck aus dem Schließfach gestohlen. Auch in diesem Verfahren wurde ein Vergleich abgelehnt.
Der Richter kündigte zudem an, dass alle Verfahren zunächst möglicherweise ausgesetzt werden sollten, bis ein Sachverständiger aus dem ersten Verfahren die Sache aufgeklärt habe. Es mache ja keinen Sinn, für alle Verfahren eigene Sachverständige zu bestellen, die aber letztlich dieselbe Frage klären müssten.
Nach dem Einbruch in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen machten die Geschichten vieler Kunden betroffen, so ZDF-Reporter Thomas Münten. Der Prozess werde zum Marathon für die Beteiligten.
11.06.2026 | 17:28 minRund 3.100 Schließfächer aufgebrochen
Die Prozesse begannen knapp sechs Monate nach dem Einbruch mit Millionen-Beute. Nach Weihnachten 2025 waren Unbekannte über eine Tiefgarage in einen Archivraum und von dort aus mit einem gewaltigen Spezialbohrer in den Tresorraum gelangt. Sie brachen fast alle rund 3.100 Schließfächer auf und verschwanden mit ihrer Beute. Der Gesamtschaden könnte in bis zu dreistelliger Millionenhöhe liegen.
Die Kläger werfen der Bank gravierende Versäumnisse bei den Sicherheitsvorkehrungen vor. Es handele sich um die zweitgrößte Schließanlage Deutschlands, sagte Anwalt Daniel Kuhlmann vor dem Prozess. Die Sparkasse weist die Vorwürfe strikt zurück und führt zahlreiche Sicherungsmaßnahmen an. Es gebe seitens der Sparkasse keine Pflichtverletzungen.
Der Zeitpunkt der Klage habe ihn irritiert, sagt Rechtsanwalt Plassmann. Es sei möglich, dass die Betroffenen in Gelsenkirchen jetzt in einer noch schwierigeren Situation seien.
11.06.2026 | 9:47 minAnwalt der Kläger zeigt sich zuversichtlich
Die Sparkasse betont, dass die Schließfächer mit maximal 10.300 Euro versichert seien, sofern keine höheren Summen vereinbart worden seien. Der Klägeranwalt hält dagegen eine vollständige Haftung der Bank für geboten. Die Klägerin, die 391.000 Euro fordere, sei um ihre Altersabsicherung gebracht worden und nun völlig mittellos.
Kuhlmann vertritt nach eigenen Angaben rund 650 Kunden mit einem Gesamtschaden von fast 51,5 Millionen Euro. Unmittelbar vor Beginn der ersten beiden Verhandlungen äußerte er sich zuversichtlich. Er gehe davon aus, dass das Landgericht Essen zu einem gerechten Urteil in dem Verfahren kommen werde, sagte Kuhlmann vor dem Gerichtsgebäude.
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