Knapp neun Jahre nach der Tat in Malta:Mord an Journalistin: Geschäftsmann freigesprochen
Eine Jury in Malta hat Yorgen Fenech im Mordfall der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia freigesprochen. Die Familie der getöteten Journalistin reagiert enttäuscht.
Der maltesische Geschäftsmann Yorgen Fenech nach seinem Freispruch in Malta.
Quelle: AP | Kevin Schembri OrlandKnapp neun Jahre nach dem Autobomben-Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Malta ist der Geschäftsmann Yorgen Fenech von dem Vorwurf freigesprochen worden, Drahtzieher der Tat gewesen zu sein.
Eine Jury sprach den 44 Jahre alten Unternehmer in Valletta sowohl vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord als auch der kriminellen Verschwörung frei. Das Abstimmungsergebnis der Jury fiel mit acht zu eins deutlich aus. Am Vormittag hatten sich die Geschworenen für ihre Beratungen und die Entscheidungsfindung zurückgezogen.
Familie von Caruana Galizia enttäuscht über Freispruch
Die Familie von Caruana Galizia reagierte enttäuscht auf Fenechs Freispruch. Dieser verwehre der Journalistin die Gerechtigkeit, die sie verdient habe. Der heutige Tag hätte eigentlich ihr gehören sollen, erklärte die Familie. Die institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglicht hätten, seien weiterhin nicht aufgearbeitet, hieß es in der Stellungnahme weiter.
In Malta ist die Journalistin Daphne Caruana Galizia mit einer Autobombe getötet worden.
17.10.2017 | 1:39 minEine der bekanntesten Investigativ-Reporterinnen Maltas
Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in der Nähe ihres Hauses in die Luft gesprengt worden. Die 53-Jährige galt als eine der bekanntesten investigativen Reporterinnen des Landes. Sie hatte über Korruption in Politik und Wirtschaft in ihrem Land recherchiert. Ihr Mord gilt als einer der spektakulärsten Mordfälle in der Geschichte des kleinen Staates in der EU.
Auf Malta ist eineinhalb Monate nach dem Mord an einer Journalistin Anklage gegen drei Verdächtige erhoben worden. Sie sollen dem organisierten Verbrechen angehören.
06.12.2017 | 0:23 minInsgesamt drei Auftragsmörder - darunter zwei Brüder - bekannten sich bereits vor einigen Jahren schuldig und verbüßen inzwischen Haftstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer, die wegen der Lieferung der Bombe für den tödlichen Anschlag verurteilt wurden, erhielten lebenslange Haftstrafen.
Caruana Galizia untersuchte auch Fenechs Geschäfte
Fenech, der Spross einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien des Inselstaates, war Direktor des Kraftwerkskonsortiums, zu dem Caruana Galizia intensiv recherchiert hatte, bevor sie ermordet wurde. Wegen dieser Verbindung geriet Fenech nach dem Mord ins Visier der Ermittler.
Yorgen Fenech verlässt das Gericht nach einer Befragung im Zusammenhang mit der Bombenexplosion von 2017 (Archiv)
Quelle: dpa | strDer Geschäftsmann wurde im November 2019 festgenommen. Die Anklage stützte sich auf Beweise seines Chauffeurs Melvin Theuma. Dieser hatte gestanden, als Vermittler bei dem Mord fungiert zu haben, und im Gegenzug für seine Aussage eine Begnadigung erhalten.
Fenech räumte ein, von den Mordplänen gewusst zu haben, erklärte aber, sein ehemaliger Freund Keith Schembri habe ihm den Mord angehängt.
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