Experte zu Bundestagsbeschluss:Häusliche Gewalt: Was bringt eine Fußfessel?
Tätern häuslicher Gewalt soll eine Fußfessel verordnet werden können. Dies beschloss der Bundestag. Der Kriminologe Florian Rebmann ordnet ein, wie wirksam die Maßnahme ist.
Eine Fußfessel für Täter soll Opfer von häuslicher Gewalt künftig schützen. Kann die Fußfessel tatsächlich Gewalttaten verhindern? ZDFheute live analysiert.
08.05.2026 | 8:54 minTätern häuslicher Gewalt droht künftig das Anlegen einer Fußfessel. Dieser Maßnahme bereitete der Bundestag mit einer Reform des Gewaltschutzgesetzes den Weg. Mit der Fußfessel sollen Opfer gewarnt werden, wenn sich ihnen der Täter trotz Annäherungsverbots nähert. Mit dieser Methode schützen spanische Behörden Frauen bereits seit 2009.
Kriminologe Florian Rebmann vom Institut für Kriminologie an der Universität Tübingen erklärt bei ZDFheute live den Einsatz einer Fußfessel in Deutschland. Der Experte warnt vor zu hohen Erwartungen. Denn das Bundesverfassungsgericht habe bereits entschieden, dass "eine elektronische Aufenthaltsüberwachung schon relativ schnell einen tiefen Eingriff in die Grundrechte des Täters darstellt". Zudem gebe es zu viele gewalttätige Männer, daher würden wohl nur "Hochrisikofälle" mit einer Fußfessel belegt. Wie wirksam diese ist und was Opfer über die Gewaltprävention denken, bespricht Rebmann im Interview.
Der Bundestag hat für eine Reform des Gewaltschutz-Gesetzes gestimmt. Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking sollen besser geschützt werden.
08.05.2026 | 0:23 minSehen Sie sich oben das ganze Interview im Video an oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Florian Rebmann erklärt ...
... wie die Fußfessel funktioniert
"Die elektronische Aufenthaltsüberwachung, wie man das fachsprachlich nennt", sagt Rebmann, "funktioniert so, dass der Täter ein Gerät ans Bein angelegt bekommt, das seinen Aufenthaltsort registriert". Dem Täter werde zum Beispiel durch eine Gewaltschutzverfügung verboten, bestimmte Bereiche aufzusuchen. Wenn der Täter dem zuwider handele, könne diese elektronische Fußfessel das detektieren.
Das Neue ist, dass auch das Opfer so ein Gerät bekommen können soll, sodass man quasi zu jedem Zeitpunkt, egal wo sich das Opfer aufhält, weiß, ob der Täter in der Nähe des Opfers ist oder nicht.
Florian Rebmann, Kriminologe
"Und im Optimalfall kann die Polizei dann sogar quasi noch ins laufende Geschehen einschreiten", so der Experte.
„Da steckt sehr viel Scham dahinter und auch Unkenntnis darüber, was passiert eigentlich, wenn ich eine Anzeige erstatte“, sagt Isabella Lindgren vom Zentrum für Gewaltprävention.
11.02.2026 | 3:36 min... ob die Fußfessel für betroffene Frauen eine Beruhigung ist
"Das wird mit Sicherheit sehr individuell sein", meint Rebmann. In Spanien und in Amerika würden geschützte Personen, meistens Frauen, gefragt, wie sie diese Maßnahme empfinden. Und diese Studien hätten gezeigt, dass die Frauen das als eine sehr große Entlastung in ihrem Alltag empfinden.
Sie berichten oft, dass sie zum Beispiel das erste Mal seit Jahren wieder angstfrei einen Einkaufsbummel machen können. Ganz alltägliche Tätigkeiten werden für gewaltbetroffene Personen wieder möglich.
Florian Rebmann, Kriminologe
Andererseits berichteten Opfer, dass gerade dieses ständige Mitführen des Handys einen immer wieder daran erinnern könne, dass Gefahr da ist. "Und wie positiv die Opfer diese Maßnahme empfinden, scheint auch davon abzuhängen, wie eng die Personen von den Behörden begleitet werden", gibt Rebmann zu bedenken.
... welcher Schutzmaßnahmen es neben der Fußfessel noch bedarf
Wenn man umfassender ansetzen wolle, dann müsse man die Ursachen von Gewalt gegen Frauen angehen. "Und da würde ich erstens sehr stark empfehlen, die psychische Versorgung von belasteten Männern zu verbessern. Ich habe den Eindruck, da sehen wir gerade in der Politik eher Rückschritte", sagt Rebmann.
Das zweite wäre, dass man generell weiterhin daran arbeiten müsse, gewaltbegünstigende Männlichkeitsnormen oder auch generell sexistische Einstellungen der Bevölkerung zu reduzieren. Auch da seien die Trends aktuell eher besorgniserregend, so der Experte. Und das dritte wäre, dass man endlich die zivilgesellschaftlichen Strukturen, also beispielsweise Frauenhäuser, die Frauen schützen sollen, auskömmlich finanziell fördere.
Das Interview führte Christina von Ungern-Sternberg.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu Gewalt gegen Frauen
Gewaltschutz für Frauen:Bundestag beschließt elektronische Fußfessel für Täter
mit Video0:23- Interview
Problem Gewaltschutz nach der Trennung:"Warum sind wir die, die ständig auf der Flucht sind?"
mit Video43:37