Urteil in Missbrauchsprozess in München

Ermittlungen gegen Netzwerk:Freundin betäubt, vergewaltigt, gefilmt - elf Jahre Haft

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Der Mann hat seine Freundin vielfach betäubt und missbraucht - jetzt ist ein Urteil gefallen: Mehr als elf Jahre Haft. Der Fall ist Teil weiterer bundesweiter Ermittlungen.

Justiz

Die Justiz geht gegen ein Netzwerk von Sexualstraftätern vor. Einer der Täter, der seine Freundin betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt hat, muss elf Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

14.04.2026 | 0:31 min

Er hat seine Freundin immer wieder betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt - das Landgericht München hat am Dienstag den 27 Jahre alten Angeklagten zu elf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Es verhängte außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung. 

Der Student aus China wurde unter anderem wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 28-Jährige seine damalige Freundin über Monate hinweg in seiner Wohnung insgesamt achtmal betäubte und vergewaltigte - teilweise über Stunden. Der Mann hatte die Taten gestanden.

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Richter: Monströse Taten

Die Videos, die der Angeklagte davon anfertigte, nannte eine Ermittlerin nach Angaben des Gerichts das Schlimmste, das sie je gesehen habe. Nach Ermittlerangaben war darauf zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzt oder ihr Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückt, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. Laut Anklage war es reiner Zufall, dass die Frau nicht starb. Richter Markus Koppenleitner bezeichnete die Taten als "hochkriminell, hochprofessionell, menschen- und frauenverachtend und monströs".

Die Staatsanwaltschaft hatte die Höchststrafe gefordert: lebenslange Haft, außerdem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung. Die Verteidigung plädierte auf sieben Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung.

Zwei Weingläser mit Rotwein gefüllt stehen auf einem Tisch.

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Weitere Prozesse in Berlin und Frankfurt

Der Angeklagte hatte sich nach eigenen Angaben in mehreren Chatgruppen - eine davon mit mehr als 1.000 Mitgliedern - über Betäubungsmöglichkeiten informiert. Besonders rege tauschten sich Teilnehmer in einer kleineren Gruppe auf Telegram aus.

Weil diese aufflog, laufen in Deutschland weitere Ermittlungsverfahren. Am Landgericht Berlin begann am 19. März der Prozess gegen einen Mann, mit dem der Münchner Angeklagte sich online über die Verbrechen ausgetauscht haben soll. Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll er eine Frau im Schlaf sexuell missbraucht haben - zum Teil gemeinsam mit anderen Tätern. Die Taten ereigneten sich nach Gerichtsangaben zwischen 2019 und 2021 in Peking.

Gisele Pelicot sitzt mit rosafarbenem Oberteil im Gerichtssaal.

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Angeklagter prahlte mit Vergewaltigungen

Dasselbe Berliner Gericht hatte im vergangenen Jahr einen weiteren Angeklagten aus China - ebenfalls Mitte 20 - zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Opfer erfuhren laut Gericht erst bei der Befragung durch die Polizei davon, was ihnen angetan wurde.

Die Fälle erinnern an die Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Richter Koppenleitner sagte:

Pelicot ist kein Einzelfall.

Markus Koppenleitner, Richter Landgericht München

"Das ist kein chinesisches und auch kein französisches Phänomen, sondern auch ein Phänomen in Deutschland und letztlich auch weltweit."

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 14.04.2026 um 12:35 Uhr in dem Beitrag "Frau betäubt und vergewaltigt: Elf Jahre Haft".

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